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Arbeitsschutz

Der Schlüssel zu mehr Sicherheit

Gummp
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
04.05.2017

Dillingen - Den Häckslereinsatz sicherer gestalten mit dem Einbau eines Schlüsseltransfersystems: Damit kann man nur mit einem Schlüssel in das Innere des Häckslers und zum Wurfbeschleuniger gelangen, wenn es dort zu Verstopfungen kommt.

Schlüssel

Die Häcksel-Siliergemeinschaft (HSG) Dillingen geht mit gutem Beispiel voran. Ein 870er-Claas-Feldhäcksler hat jetzt den entsprechenden Nachrüstsatz erhalten. Das Wochenblatt hat sich das vor Ort genauer angeschaut. Damit sollen Unfälle verhindert werden, wenn es beim Wurfbeschleuniger zu Verstopfungen kommt. Hier hat es in den letzten Jahren doch etliche Unfälle gegeben (siehe Interview im Heft 15, Seite 31). MR-Assistent Wolfgang Gumpp ist als technischer Betreuer für die Siliergemeinschaft Dillingen für die technische Abwicklung zuständig. Er hat aktuell diese Sicherheitsvorkehrung eingebaut. Wie funktioniert das NRS-Schlüsseltransfersystem? „Besonders kritisch ist die Situation nach der Störungsbeseitigung. In der Regel macht der Fahrer einen Probelauf bei noch geöffneten Wartungsklappen. Er startet die Maschine und den Häckslerantrieb, gibt kurz Gas, um dann festzustellen, ob der Auswurf wieder frei ist. Dann bereitet er den Häcksler für den weiteren Betrieb vor. Erst bei ausgeschaltetem Häckslerantrieb kann der Fahrer nun den Schlüssel abziehen, diesen mitnehmen und dann die seitliche Maschinenklappe mit diesem öffnen. Dabei vergeht Zeit, sodass die nachlaufende Messerwelle und der Wurfbeschleuniger an Energie verlieren. Bei Erreichen des Auswurfkanals wird der Fahrer zwar keine feststehende Trommel vorfinden, allerdings eine gerade zum Stillstand kommende Bewegung der gefährlichen Teile, nämlich der Messerwelle und des Wurfbeschleunigers. Bei Stillstand  kann er die geöffneten Wartungsklappen wieder schließen und die Fahrt fortsetzen“, erklärt Gumpp die Vorgehensweise und das Funktionsprinzip des Systems.
Manfred Schiele (Vorstand der HSG) erläutert die Gründe für diesen Einbau: „Wir sind als Arbeitgeber für die Sicherheit unserer Fahrer verantwortlich, daher haben wir den Nachrüstsatz für 1800 Euro gekauft.“
Aus der Verpflichtung zum Arbeitsschutz wurde seitens des MR eine Gefährdungsbeurteilung für die Beschäftigten erstellt. Daraus abgeleitet ergab sich die Maßnahme die älteren Häcksler nachzurüsten. „Nach der Maschinenrichtlinie besteht zuerst eine Verpflichtung des Maschinenherstellers. Er muss eine Risikobeurteilung, entsprechend der Hierarchie der Maßnahmen, zuerst technische Lösungen für bestehende Risiken, einarbeiten“, ergänzt Alois
Schillig von der Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft. Er ist für den Bereich Prävention zuständig. „Bei den neuen Häckslern wird nach jahrelangen Bemühungen der Berufsgenossenschaft eine sogenannte Trommelbremse mittlerweile serienmäßig eingebaut. Aber es gibt weltweit noch 15 000 ältere Häcksler mit ungebremsten Trommeln. Hier ist absoluter Handlungsbedarf.“
In der HSG Dillingen stehen zehn Claas-Häcksler für die Saison bereit, wie Wolfgang Gumpp berichtet: „Die acht neuen Modelle besitzen diese Trommelbremsen, dabei stehen die Häckslertrommeln nach dem Abschalten bereits nach drei Sekunden. Aber zwei 870er haben diese eben nicht, daher wurde nachgerüstet.“ „Unsere Gemeinschaft hat rund 150 Mitglieder“, sagt Manfred Schiele nicht ohne Stolz: „Wir gehören zu den größten in der Region. Die zehn Häcksler werden auf rund 4700 Hek­tar Mais und nochmal die gleiche Fläche in Gras eingesetzt. Wir wollen bei allen Häckslern auf Nummer sicher gehen. Der erste Alt-Häcksler wurde jetzt umgerüstet, der zweite Häcksler soll zeitnah folgen.“
Dazu muss viel Überzeugungsarbeit geleistert werden, weiß Alois Schilling: „Die Berufsgenossenschaft findet das gute Beispiel der Häckslergemeinschaft vorbildlich. Seit 2016 bezuschussen wir das Nachrüsten mit 500 Euro pro Betrieb. Dazu ist eine begrenzte Fördermenge bereitgestellt worden.“

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