Login
Unkrautbekämpfung

Stahl statt Chemie

Grubberkombination
Thumbnail
Helmut Süß, Wochenblatt
am
12.04.2017

Gut Sulz - Gibt es Alternativen zum Totalherbizid? Ein abgefrorener Zwischenfruchtbestand mit Ausfallgetreide soll für die Sommerung bereitet werden: Zehn Geräte stellten sich dem direkten Praxisvergleich bei einer Maschinenvorführung auf Gut Sulz.

Wir wollten vergleichen, welche Geräte im Praxis­einsatz mit einem abgefrorene Mulch und grünem Ausfallgetreide zurechtkommen“, erläuterte Eckhard Döring vom Club der Landwirte (CdL) Augsburg, der eine spezielle Maschinenvorführung letzte Woche auf dem Gut Sulz bei Münster (Lks. Donau-Ries) organisierte. Die Maschinen sehen Sie in unserer Wochenblatt-Bildergalerie.
„Das Ziel bei dieser Vorführung war, verschiedene technische Möglichkeiten zu zeigen, mit denen Greeningflächen oder Winterzwischenfrüchte im Frühjahr flach bearbeitet werden können, um anschließend Sommerkulturen zu etablieren. Unserer Erfahrung nach ist diese Technik zum Teil ebenfalls geeignet, um Kleegras pfluglos umzubrechen. Ein weiteres, aber nicht unwichtiges Kriterium ist bei diesen Maßnahmen auch die mögliche Reduzierung beziehungsweise Verzicht von Herbiziden, insbesondere von Glyphosat“, ergänzte Jochen Andrae, der CdL-Vorsitzende und Betriebsinhaber der Vorführflächen. So soll die Mulchfläche möglichst ganzflächig und flach durchgearbeitet werden. Der restliche grüne Aufwuchs soll danach abtrocknen. Nach rund zehn Tagen sollen Kartoffeln mit einer Kombimaschine gelegt werden. Diese braucht nur sehr wenig Boden zur Dammformung, wie Andrae berichtete: „Ich gehe von vier bis sechs Zentimeter Arbeitstiefe aus, die dann auch für das Kartoffellegen ausreichen sollten.“
Zehn verschiedene Geräte, gezogene und zapfwellenangetriebe Varianten kamen bei der Vorführung auf dem Zwischenfruchtbestand (mit verschiedenen Streifen unterschiedliche Mischungen) zum Einsatz. Zudem war noch relativ viel grünes Ausfallgetreide (Winterweizen) vorhanden, das für die nachfolgende Kartoffelfrucht effektiv bearbeitet werden musste. Speziell für die flache Mulchbearbeitung bzw. deren Zerkleinerung gibt es neben den klassischen Geräten auch spezielle Grubber mit breiten Flügelscharen oder Kreiseleggen mit besonderen Zinkenformen. „Die Aufgabenstellung gliederte sich in zwei Bereiche: Zum einen sollen die Stängel vom abgefrorenen Senf wirkungsvoll zerkleinert werden und das Ausfallgetreide wirksam bekämpft werden“, erklärte Manfred Weller, dem die fachliche bzw. eine neutrale Beurteilung der Arbeitsqualität der Geräte bei dieser Praxisdemonstration übertragen wurde. „Wichtig ist eine ganzflächige, flache Bearbeitung, das heißt entweder mit verschiedenen Scharvarianten oder mit angetriebenen Bodenbearbeitungswerkzeugen. Nur wenn die grünen Pflanzen komplett abgeschnitten sind und die Wurzeln mehr oder weniger von Erdreich befreit sind, können diese abtrocknen und werden so wirksam bekämpft“, betont Biolandberater Weller, der für  Unterfranken zuständig ist.
Folgende Hersteller stellten sich mit ihren Geräten dem Praxisvergleich: Treffler (TGA-Schälgrubber mit Messerwalze sowie Schneidwalze in Front), Horsch (Joker-Kurzscheibenegge sowie Terrano-TX-Grubber), Kerner (Stratos-Schälgrubber mit Messerwalze und Wellscheiben), Wallner (Grubber-Wellscheibenkombination plus Messerwalzen in Front und Heck), Heko (Ringschneide mit Nachläufer und Messerwalze sowie Schneidelemente in Front), Celli (Biofräse), Rohn (DynaDrive), Profiagrartechnik (Moreni-Kreisel­egge mit Schneidzinken) sowie Egger (Kreiselegge mit Tellerzinken).
Zum Arbeitsergebnis: Der vorgeführte Solo-Grubber und die Kurzscheibenegge machten eine eher nur zufriedenstellende Arbeit, insbesondere bei der geringen Arbeitstiefe von 3 bis 5 cm: Die Durchmischung von Pflanzenmaterial mit Erde und die Krümelung waren gut, aber einzelne grüne Restpflanzen blieben unbearbeitet. Hier müsste dann doch noch etwas tiefer gearbeitet werden.
Die Kombigeräte aus vorauslaufender Messerwalze und anschließende Bodenbearbeitung mit Scharen, die zum Teil 8 cm überlappend arbeiteten, konnten sehr gut überzeugen: Die trockenen Senfstängel wurden sehr gut zerkleinert und der Boden wurde ganzflächig bearbeitet und durchmischt. Die Mulchbestandteile lagen (mehr oder weniger) auf der Bodenoberfläche. Hier schafften vor allem die Heko-Ringschneide und der Kerner-Schälgrubber sowie der Treffler-Grubber eine besonders gute Arbeitsqualität.
Der DynaDrive ist seit Jahrzehnten bekannt und führte in letzter Zeit eher ein Schattendasein. In dieser Aufgabenstellung machte das bodenangetriebe Gerät mit den Rotoren eine sehr gute Figur. Über ein Übersetzungsgetriebe läuft die hintere Zinkenwelle dreimal schneller als die vordere. Nicht über die Zapfwelle, sondern lediglich durch die in den Boden greifenden Zinken wird die hintere Zinkenreihe angetrieben. Dabei können sehr hohe Arbeitsgeschwindigkeiten gefahren werden.
Bei den zapfwellenangetriebenen Geräten (Kreiseleggen und Fräse) war das Arbeitsergebnis insgesamt sehr gut. Dabei ist hervorzuheben, dass relativ viel Feinerde erzeugt wurde. Die Grünpflanzen liegen oben und haben relativ wenig Erdmaterial dran. Das Besondere bei der Egger-Kreiselegge ist ein spezieller Adap­ter. So können die Wechselzinken „auf Griff“ oder „schleppend“ angebracht oder auch sogenannte Tellerzinken angebaut werden. Diese kamen zum Praxiseinsatz mit positiven Resultaten: Die komplette Arbeitsbreite wurde intensiv bearbeitet, dabei gab es kein Verschmieren. Die Bodenfräse von Celli arbeitete ebenfalls sehr gut. Wichtig hierbei ist die geöffnete Klappe. Die Arbeitsweise erinnert an die Frässaat von Horsch (ein System, das vor über 20 Jahren für Furore sorgte): Dabei wird das Pflanzenmaterial vom Erdreich separiert. Die Erde landet vor dem Pflanzenmaterial auf dem Bearbeitungshorizont. Die Pflanzenteile liegen oben auf und können vertrocknen. Auf der Maschine könnte auch ein kleiner Sätank montiert werden, aus dem pneumatisch Saatgut über Schläuche in den Erdstrom geblasen werden kann. Und schließlich wurde auch die Kronos-Kreiselegge (von Moreni bzw. Firma Profiagrartechnik) eingesetzt. Das Besondere ist deren Zinkenform mit vier waagrechten Messern je Kreisel. Diese Kreiselegge zeigte ebenfalls keine Verdichtungen und lieferte ein sehr gutes Arbeitsergebnis (siehe Bildergalerie auf der Wochenblatt-Internetseite).
Einzige Einschränkung: Natürlich ist der Energie- bzw. Kraftaufwand bei all diesen zapfwellenangetrieben Geräten entsprechend höher.
Fazit: Bei der Veranstaltung war der sehr große Besucher­andrang ein Ausdruck für das große Interesse der Landwirte bei der Suche nach alternativen Verfahren zum Chemieeinsatz, um das Problem mit Resistenzen zu vermeiden. Es gibt einen alternativen Weg bzw. Werkzeuge, die Winterbegrünung und Gras mit mechanischen Geräten zu bearbeiten. Um die Wirksamkeit der Bearbeitung zu erhöhen, kann man bei so bearbeiteten Flächen einen zweiten Arbeitsgang durchführen – je nachdem, wie der Boden abgetrocknet ist – kann man z. B. mit einer Federzahnegge (früher nannte man sie Kulivator) noch einmal über das Feld fahren. Bei jeder Bodenbearbeitung sollte man darauf achten, dass das Feld gut abgetrocknet ist.

Auch interessant