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Strohverwertung

Stroh bergen oder vergraben?

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Helmut Süß, Wochenblatt
am
07.07.2016

München - Soll man das Stroh ernten und entsprechend weiter verwerten oder für den Boden auf dem Feld lassen?

Hier in Deutschland sind die Getreideerträge relativ stabil bei rund 6 bis 8 t/ha. Und je nach Sorte kann man mehr oder weniger mit der Hälfte bis zur gleichen Menge an Strohertrag rechnen, so die Pflanzenbauexperten. Doch schon beim Dreschen sollte man sich entscheiden und ein Strohmanagement entwickeln: Will man das Stroh ernten und entsprechend weiter verwerten oder für den Boden auf dem Feld lassen? Bleibt es auf dem Acker, müssen die Voraussetzungen für eine optimale Strohrotte geschaffen werden (siehe Kasten unten). Die wachsenden Schneidwerksbreiten moderner Hochleistungsmähdrescher stellten dabei eine besondere Herausforderung für eine gleichmäßige Strohverteilung über die gesamte Arbeitsbreite dar.

Strohmanagement: Mehr als nur verteilen
Gerade in den Regionen mit dem höchsten Ertragspotenzial komme als weitere Herausforderung häufig Seitenwind hinzu, der die Häckselgutverteilung extrem negativ beeinflussen kann. Hier sichert eine automatische Kompensation von Seitenwind- wie auch Hangneigungseinflüssen auch unter schwierigen Erntebedingungen die bestmögliche Häckselgutverteilung (siehe Kasten rechts). Die Anforderungen an moderne Mähdrescher werden immer größer. Die Durchsatzleistungen der Mähdrescher steigen immer weiter. Sie sollen aber nicht nur saubere, ganze Körner ernten, sondern auch die Strohmengen auf dem Acker zerkleinern und möglichst gleichmäßig verteilen, um die nachfolgende Bodenbearbeitung nicht zu erschweren.

Stroh: eher kurz oder lieber lang?
Pfluglos arbeitende Betriebe wünschen sich möglichst kurze Stoppeln. Für die Körnerernte sind allerdings möglichst lange Stoppeln von Vorteil, um wenig (feuchtes) Stroh in den Mähdrescher zu bekommen und die Druschleistung zu steigern.
Bei 80 t Korn pro Stunde müssen auch 80 t Stroh gehäckselt werden. Es stellt sich die Frage, ob sich die erforderlichen Leistungen noch im Mähdrescher unterbringen lassen oder sollte das Häckseln des Strohs in einen zweiten Arbeitsgang ausgelagert werden?
Die Stoppellänge ist abhängig von den geplanten Bodenbearbeitungsmaßnahmen zur Nachfrucht. Größere Stoppellängen können durchaus sinnvoll sein, wenn nach der Ernte oder in Zusammenhang mit Zwischenfruchtanbau ein Mulchgang geplant ist, der die für eine schnelle Rotte erforderliche Strohzerkleinerung gewährleistet.  Mit abnehmender Bearbeitungsintensität führen laut Pflanzenbauexperten hingegen große Stoppellängen zu einer Verlangsamung der Strohrotte. Lange Stoppeln wirken sich ähnlich negativ auf die Folgefrucht (v. a. in der Jugendentwicklung) aus wie eine unzureichende Strohzerkleinerung durch den Strohhäcksler am Mähdrescher.
Daher sollte bei hohen Stroherträgen möglichst kurz gehäckselt werden, ohne Überlängen und gleichmäßig verteilt und später bei der Stoppelbearbeitung gut mit Erdreich vermischt werden. Nur so werden einheitlich gute Wachstumsbedingungen für die Folgefrucht geschaffen. Die Strohrotte setzt ein, sobald das Stroh in Kontakt mit dem Boden kommt. Die Mikroorganismen können mit der Arbeit beginnen, wenn das Stroh einen guten Bodenschluss hat und ausreichend feucht ist. Verbleibt das Stroh jedoch auf der Oberfläche, dann kommt ein Auswaschungsprozess in Gang. Nach drei schweren Regenschauern können bis zu 90 % des Kaliumgehalts und 60 % des Phosphatgehalts in den Boden ausgewaschen sein.
Das regelmäßige Einarbeiten von Stroh in den Boden führt zu größerer Aggregatstabilität, einer größeren Regenwurmpopulation und größerer Bodenporosität und Wasserdurchlässigkeit.
Stroh wird  immer mehr als wichtiger Rohstoff angesehen und wird deshalb zunehmend vom Drescher im Schwad abgelegt und über Pressen später geerntet. Grundsätzlich gilt natürlich auch, dass ein höherer Stoppel die Durchsatzleistung erhöht und sich auch positiv auf die Kornfeuchte auswirkt, da der untere Bereich vom Halm die meiste Feuchtigkeit enthält. Die Nachteile von hohen Stoppeln sind bekanntlich, dass ein zweiter Arbeitsgang erforderlich ist, welcher sehr kostenintensiv wäre. Aber es gibt auch schon technische Lösungen. Hierbei ist direkt nach dem hoch eingestellten Mähdreschervorbau ein zusätzlich tiefer eingestelltes Doppelmesser angebaut. Durch größere Stoppelhöhe will man geringeren Verschleiß und mehr Leistung erreichen.

In runde oder eckige Ballen pressen?
Zur Strohernte gibt es eine riesige Auswahl an Rundballen- bzw. Quaderballenpressen der verschiedenen Hersteller. Ob man lieber runde Ballen oder eckige presst, hängt u. a. von der betriebsinternen Logistik ab. Vorausgesetzt das Stroh wird als Einstreu verwendet. Wird Stroh verkauft, haben sich spezielle Transportmaße für Lkw bzw. Container (Kanalmaße von 80 x 70 cm bis 120 x 130 cm) der Quaderballen durchgesetzt. Welche Anforderungen werden heute an Quaderballenpressen gestellt? Man will deutlich höhere Kapazitäten (höhere Kolbenfrequenz und Bindeprozessoptimierung), zudem höhere Pressdichte und schließlich mehr Durchsatz. Manche Hersteller erreichen inzwischen bis zu 25 % mehr Gewicht im Ballen zum Vorgängermodell. Einige neue Modelle können den Durchsatz oder die Ballendichte steigern. Einige Praktiker wollen nicht nur kurz geschnittenes, sondern fein aufgefasertes, möglichst klein gehäckseltes Stroh. Auch hier gibt es bereits Lösungsansätze mit entsprechenden integrierten Häckslervorbauten an der Quaderballenpresse.
Und bei den Rundballenpressen? Auch hier soll eine ungesteuerte Pick-up mit aktiv angetriebener Zuführwalze die Leistung erhöhen. Die Hersteller bieten eine breite Vielfalt von Festkammer- bis zu den variablen Rundballen-Pressen an.
In letzter Zeit wurden Detailverbesserungen beim Schneidwerk realisiert. Der Landwirt bzw. Lohnunternehmer will ein gutes, leistungsfähiges und flexibel einsetzbares Kassetten-Schneidwerk. Und schließlich nicht zu vergessen eine vereinfachte und schnelle Wartung, verbesserte Bindeprozesse für Netz und Garn sowie ISOBUS-Steuerung und Fahrerentlastung.
Mit Frontlader oder Teleskoplader lassen sich Großpackenballen effizient und sicher einlagern. Aber das Handling im Stall? Zum Beispiel auf dem Pferdebetrieb will man lieber kleine handliche Ballen. Die alten Hochdruckballen müssen aber mühsam geerntet und meist mehrfach umgelagert werden, bis sie in der Pferdebox zum Einsatz kommen. Auch diesbezüglich hat ein Hersteller eine technische Lösung parat. Mit dem Multi­Bale-System können bis zu neun Einzelballen in einem Packen verknüpft werden: ein großer Ballen mit handlichen Kleinpaketen.
Und Stroh kann man auch pelletieren. Neben stationären Anlagen, die auch von Betrieb zu Betrieb überbetrieblich eingesetzt werden können, gibt es seit der letzten Agritechnica eine mobile Pelletiermaschine – der Premos 5000 von Krone.

Ist Stroh pelletieren eine Alternative?
Der erste mobile Pellet-Vollernter, der ein handelsfähiges Endprodukt direkt in einem Arbeitsgang auf dem Feld erzeugt. Dafür erhielt die Maschine auf der letzten Agritechnica eine Goldmedaille. Zudem kann der Premos 5000 auch im Winter stationär am Betrieb arbeiten. Zu den Vorteilen der Pellets zählt die sehr hohe Schüttdichte von Strohpellets: 600 bis 700 kg/m³. Sie können als Einstreu, als Futter oder thermisch verwertet werden. Der Hersteller gibt eine Leistung von bis zu 5000 kg/h an. Zudem können auch andere Materialien verarbeitet werden. Nach Krone-Angaben gibt es bereits 480 Bestellungen weltweit. „In 25 Jahren hätte es noch nie so einen ‚Run‘ auf eine Maschine gegeben“, so Krone-Marketingchef Heinrich Wingels. Die Maschine befindet sich noch in der Testphase und wird voraussichtlich Ende 2017 in den Markt eingeführt.
Aber halt, es gab schon vor 21 Jahren eine mobile Selbstfahr-Pelletiermaschine, den Biotruck von der Firma Haimer. Das Wochenblatt berichtete im Heft 31 vom 5. August 1995 über den ersten Praxisein­satz und das Verfahren. Die plattenförmigen Presslinge hatten eine Einzeldichte von 900 bis 1100 kg/m3. Die Maschine konnte sich aber nicht am Markt durchsetzen.

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