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Siloqualität

Mit System mähen

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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von , am
21.04.2017

Wie erreicht man gute Siloqualität? Wenn das Wetter und der Schnittzeitpunkt passen, kommt es beim Mähen auf Schlagkraft und gute Arbeitsqualität an.

Aufbereiter, Trocknung
Aufbereiter knicken die Halme, damit wird der Trocknungsprozess beschleunigt. Das Zetten kann dadurch oft entfallen. © Helmut Süß

Um hochwertige Futterkonserven zu erzeugen, müssen die leistungsfähigen Bestände in ihrer optimalen Schnittreife möglichst schnell gemäht und konserviert werden. Schlechtes Futter ist das teuerste Futter. Daher werden immer größere Arbeitsbreiten und Stundenleistungen bei Mähwerken angeboten.
Aber zur Kostensenkung müssen die Maschinen- und Verfahrenskosten durch eine hohe Auslastung gering gehalten werden. Vor diesem Hintergrund hatten sich in Bayern zur Silageernte viele Maschinengemeinschaften gebildet, beziehungsweise wurde häufig von Lohnunternehmern und Maschinenringen die Silageernte übernommen. Dabei stand die Bergung (Schwaden, Feldhäcksler bzw. Pressen) und der Transport des Grüngutes (Ladewagen) im Vordergrund.
Aber das Mähen – bedingt durch leistungsfähigere Traktoren und Mähkombinationen – übernehmen scheinbar die bayerischen Landwirte  wieder mehr selbst. Sie wollen zum richtigen Schnittzeitpunkt das gute Wetter oft sehr kurzfristig ausnützen.

Qualität schlägt Quantität

Wenn auch jetzt erst einmal der erste Schnitt ansteht, so sollte man sich auch für die Folgeschnitte Gedanken machen. Denn laut den Laborergebnissen der letzten Jahre sind in den Folgeschnitten viele Silagen zu trocken. Mit den bekannten Folgen: geringere Silierbarkeit, schlechte Verdichtung, größere Gefahr der Nacherwärmung.
Wie kann man die Futterqualität sowie Futterquantität durch professionellen Maschineneinsatz gerade bei den Folgeschnitten verbessern? Gute Futterqualität beginnt schon beim Mähen. Bei einer empfohlenen Schnitthöhe von 7 cm wirkt sich hier ein geringerer Schmutzanteil positiv auf die Schmackhaftigkeit der Silage und somit auf höhere Futteraufnahmen aus. Auch der Energiegehalt ist höher. Das ergaben verschiedene Analysen von Futterproben.
Ihr Fazit: Höher mähen bringt rund 82 l/ha mehr Milch durch bessere Qualität. Die Qualität schlägt somit die Quantität.

Welches Mähsystem macht Sinn?

Aber auch eine zweite Fragestellung ist beim Mähen zu berücksichtigen: Kann man durch verschiedene Mähverfahren den Trocknungsverlauf steuern? Heutige moderne Grünfuttererntemaschinen ermöglichen im Prinzip fünf Silage-Werbeverfahren:

  • Mähen ohne Aufbereiter und späteres Schwaden.
  • Mähen ohne Aufbereiter, Wenden und Schwaden.
  • Mähen mit Aufbereiter mit Breitverteilung und Schwaden.
  • Mähaufbereiter mit Teilbreitenablage sowie Schwaden.
  • Mähaufbereiter und gleichzeitige Schwadablage.

Mit diesen verschiedenen Werbeverfahren kann der Landwirt je nach Wetterlage insgesamt einheitlichere TS-Gehalte erzielen. Dies ist besonders bei den Folgeschnitten wichtig:  Daher sollte jeder Landwirt schon im Vorfeld nicht nur den Wetterbericht genau verfolgen, sondern auch überlegen, welches Mäh-Ernte-System bei welchem Schnitt jeweils am besten geeignet ist.
Die Flächenleistung beim Mähen setzt sich zusammen aus Fahrgeschwindigkeit und Arbeitsbreite. Unter guten Bedingungen sind Fahrgeschwindigkeiten von über 15 oder sogar in Einzelfällen bis  zu 20 km/h möglich, aber auch kaum mehr zu steigern. Die Anpassung an Bodenwellen und Bodenunebenheiten durch gute Mähwerkanlenkung und optimierte Entlastungsmöglichkeiten sind dann ausgereizt, und auch die Belastung für den Fahrer ist erheblich. Durch Front-EHR kann man eine bessere Bodenanpassung der Frontgeräte erreichen. Aber auch eine Steigerung der Arbeitsbreite ist nicht unbegrenzt möglich. Einerseits wirkt das Gewicht von Mähwerken im Heck- oder Frontanbau begrenzend und im hängigen Gelände ist der Seitenzug nicht zu unterschätzen. Andererseits beschränkt auch die Anpassung an die Bodenkupierung immer größere Arbeitsbreiten. Durch die Kombination mehrerer Mähwerke als Front-Heck-Variante bis hin zur Dreifachkombination für Schlepper mit Rückfahreinrichtung sind Arbeitsbreiten von über 10 m möglich. Allerdings ist dann auch ein erheblicher Leistungsbedarf von 130 bis 200 PS zu berücksichtigen, je nach Aufwuchs, Gelände und Fahrgeschwindigkeit bzw. ob mit Aufbereitern gearbeitet wird. Bei den angebotenen Selbstfahrern erfordert der wirtschaftliche Einsatz aber jährliche Einsatzflächen von 1500 bis 3000 ha.

Flächenleistung und Arbeitsqualität zählen

Bei den Mähwerkstypen werden nach wie vor die Varianten Trommelmäher und Scheibenmäher angeboten. Geringeres Gewicht und niedrigere spezifische Antriebsleistung sind Vorzüge der Scheibenmäher, während für Trommelmäher ihre Robustheit und ihr großes Einsatzspektrum sprechen. Rund 75 % der verkauften Mäher waren bislang Scheibenmähwerke. Wenn auch von den Verkaufszahlen von geringerer Bedeutung, sind die gezogenen Mähwerke eine interessante Alternative. Sie sind sehr wendig und eignen sich auch am Hang sehr gut, sind aber vergleichsweise teurer. Gezogene Mähwerke besitzen ein eigenes Fahrwerk und belasten so das Traktorgewicht nicht zusätzlich.  
Für die Schlagkraft, aber auch für die Arbeitsqualität des Ernteverfahrens werden kurze Feldliegezeiten und nur wenige Bearbeitungsgänge angestrebt. Einen wesentlichen Beitrag dazu kann die Kombination aus Mähwerk und Aufbereiter (Zinken- oder Walzenaufbreiter) leisten. Das geknickte, aufgerauhte oder gequetschte Grüngut gibt leichter Wasser ab. Es kann so auf einen Arbeitsgang Zetten verzichtet werden. Immer noch unterschiedlich wird diskutiert, ob das Mähgut in Schwaden oder locker und breitflächig abgelegt werden soll. Zumindest bei starkem Aufwuchs ist ein Schwad für das zügige Abtrocknen nicht vorteilhaft.
Alle Mähwerkshersteller haben ihr Produktprogramm auf diese gestiegenen Anforderungen angepasst und bieten eine Vielzahl von Modell- und Ausstattungsvarianten an.
Besonderes Augenmerk wurde in letzter Zeit auf eine gute Bodenanpassung gelegt. Insgesamt liegen die Trends bei größeren Arbeitsbreiten (Front-Heck- bzw. Dreifach-Mähwerkskombination), schnellerem Fahren, sauberer Arbeit sowie Querförderbändern und Erleichterungen bei der Geräteführung, Einstellung und Wartung. Weitere technische Entwicklungsschwerpunte sind: hydraulische Seitenverschiebung beziehungsweise Kurvenbahnsteuerung, Verbesserung des Bedienkomforts, geringere Antriebsleistung bei sehr großer Flächenleistung oder Isobus-Steuerung unter anderem auch mit entsprechendem Vorgewendemanagement.

Künftig auch den Grünlandertrag messen

Die Silagequalität kann man heute recht gut ermitteln bzw. messen. Aber wie sieht es mit dem Grünland­ertrag aus? Jeder Ackerbauer kennt bei seinen Kulturen die aufgewendeten Dünger- oder Pflanzenschutzmengen sowie den Ertrag. Nur beim Grünland weiß man nicht so recht, wie viel Tonnen geerntet wurden.  Kein Landwirt fährt mit seinem Ladewagen oder Anhänger jedes Mal auf die Waage. Hierzu bieten heute schon einige Ladewagenhersteller neue, integrierte, elektronische Wiegesysteme an. Dabei werden Wiegegenauigkeit von +/– 3 % erreicht. Die ermittelten Werte können dann auch über GPS-Ortung auf die Teilschläge zugewiesen werden.

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