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Mechanische Schädlingsbekämpfung

Den Zünsler k. o. schlagen

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Helmut Süß, Wochenblatt
am
27.10.2016

Triesdorf - Was bringt der Zwischenfruchtanbau für den Boden und Wasserhaushalt? Wie kann man die Zünslerlarven mechanisch wirkungsvoll bekämpfen?

Mechanische Maiszünslerbekämpfung

Zum Thema Zwischenfrüchte und Maisstoppelbearbeitung veranstaltete die Landmaschinenschule Triesdorf in Kooperation mit der Gesellschaft für Konservierende Bodenbearbeitung (GKB) Anfang Oktober einen Thementag. Die etwa 170 Fachbesucher erwartete dabei ein umfangreiches Programm aus Theorie und Praxis. Den theoretischen Teil bildete die 13. GKB-Tagung zum Thema Zwischenfruchtanbau.
Die bodenkundlichen Grundlagen schuf Prof. Dr. Bernhard Göbel und erläuterte die Wasserverfügbarkeit in Abhängigkeit von Bodenbeschaffenheit und Bodenbearbeitung. Dabei erklärte der Fachmann die Zusammenhänge von unterschiedlich großen Porenvolumen und der nutzbaren Feldkapazität bzw. das für die Pflanzen verfügbare Wasser. Als Kurzfazit kann man sagen, je dichter bzw. verdichteter ein Boden ist, desto geringer ist sein Infiltrationsvermögen mit den Konsequenzen: geringere Bodenfruchtbarkeit für Pflanzen und höheres Risiko für Oberflächen­erosion. Der Humusanteil im Boden spielt dabei nicht nur unmittelbar für die Pflanzen eine Rolle, auch indirekt. Denn eine Erhöhung von 1,5 auf 2,5 % Humusanteil verdreifacht das Wasserhaltevermögen im Boden. Aber wie kann man den so wichtigen Humusanteil erhöhen? Neben der Zufuhr von organischer Substanz wie Gülle oder Festmist kommt einer ausgewogenen Fruchtfolge und insbesondere dem Zwischenfruchtanbau hier eine zentrale Rolle zu. Doch gerade im fränkischen Raum hegen Landwirte die Befürchtung, dass die Zwischenfrüchte ihren Böden (zu) viel Wasser entziehen mit der Folge von geringeren Erträgen in der folgenden Hauptfrucht.  
Brauchen Zwischenfrüchte zu viel Wasser? Diese Behauptung konnte Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst in Dresden in seinem anschließenden Referat zum Zwischenfruchtanbau und Wasserhaushalt mit eigenen Untersuchungen widerlegen. Dabei untersuchte er verschiedene Zwischenfruchtarten mit nackter Brache. Die einzelnen Sorten wie Senf, Phacelia etc. brauchen zwar Wasser zum Wachsen, aber zum Ende der Vegetation erreichen sie das gleiche Level wie die Flächen ohne Zwischenfrüchte.
„Diese Wasserhaushaltsmodelle sind geeignet für die Abschätzung der Wasserhaushaltsgrößen im Zwischenfruchtanbau. In manchen Jahren gibt es Schwierigkeiten bei der Etablierung des Zwischenfruchtanbaus. Zwischenfrüchte verbrauchen Wasser in der Aufwuchsphase, sparen aber Wasser in der Mulchphase“, resümiert Böttcher. „Es gibt keine negativen Auswirkungen beim Anbau abfrierender Zwischenfrüchte auf den Wasserhaushalt der folgenden Hauptfrucht. Beim Anbau überwinternder Zwischenfrüchte muss der Wasserhaushalt unter dem Anbauziel der Zwischenfrüchte  gesehen werden. Hierbei ist Grünroggen unproblematisch, Roggen als Ganzpflanzensilage bis zur Milchreife problematisch. Insgesamt ist die Rolle des Mulches in Hinblick auf Infiltration uneingeschränkt positiv. Brache ist nur dann wassersparend, wenn sie ständig bewuchsfrei gehalten wird. Die Wirkung der Brechung der Bodenkapillaren bei der Stoppelbearbeitung wird überschätzt beziehungsweise ist nicht vorhanden.“ Sein Fazit: Der Anbau von Zwischenfrüchten kann aus agrarmeteorologischer Sicht nur empfohlen werden! Einschränkungen sind auch auf vergleichsweise trockenen Standorten nicht zu befürchten!
Das bedeutet für die Praktiker, die keine Zwischenfrüchte säen: Für das Bodenwasser ist das unrelevant, aber die vielen Vorteile der Zwischenfrüchte wie Bodenbedeckung, Humusaufbau, Durchwurzelung der Bodenkrume, Futter für die Bodenlebewesen wie Regenwurm und Co. bleiben ungenutzt.

Zwischenfrüchte werden unterschätzt

Wenn diese Aussagen des Wissenschaftlers die Anwesenden noch nicht überzeugt hatten, der sehr kompetente Bericht des Berufskollegen Bernd Günther aus Fuchsstadt (Würzburger Raum) blieb nicht ohne Wirkung. Anschaulich und authentisch berichtete er über seine Praxis­erfahrung mit seiner individuellen Bodenbearbeitungsstrategie.
Seit Jahren verzichtet er auf Pflug und Kreiseleggen, denn bei dieser Bearbeitung werden u. a. viele Regenwürmer verletzt. Dafür setzt er Kurzscheibenegge, Großfederzinkenegge oder Tiefengrubber in der regenwurminaktiven Zeit ein. Sehr großen Wert legt Bernd Günther dabei auf vielfältige Fruchtfolge mit konsequentem Wechsel von Blatt- und Halmfrucht bzw. Sommerung und Winterung und auf seine selbst zusammengestellten Zwischenfruchtmischungen. Hier geht er von 210 Pflanzen pro Quadratmeter aus. Dazu sät er 20,7 kg/ha, das sind rund 30 €/ha. Im Einzelnen sind das: 5 kg Erbsen, 2,8 kg Wicken, 6 kg Sonnenblumen, 0,9 kg Kresse, 1,1 kg Alexandrinerklee, 0,9 kg Ramtillkraut, 2,6 kg Ölrettich und 1,4 kg  Phacelia. Jede dieser Einzelkomponenten erfüllt spezielle Zwecke wie Futter für das Wild und die Bienen, aber auch für eine Imagesteigerung der Landwirte, wenn Sonnenblumen im Herbst blühen. Oder ganz wichtig für ein besseres Bodengefüge. So sind in Bezug auf Boden bzw. Bodenstruktur auf seinen Standorten die Veränderungen langsam, aber kontinuierlich erkennbar. Der Humusgehalt ist von 1,4 auf 2,1 % (von 2004 bis 2016) gestiegen. Hier ist eine Schwarzfärbung der Krume das offensichtliche Erscheinungsbild oder die um 20 l höhere Wasserspeicherfähigkeit seiner Böden. So war nach den Starkregenfällen im Mai 2016 ein kaum erkennbarer Bodenabtrag vorhanden. Insgesamt sind seine Bodenpunkte um plus 7 gestiegen. „Der Pflug kann wenden, aber nicht lockern und auch Kreiseleggen sind meiner Ansicht nach äußerst kritisch“, meint Bernd Günther. Zwischenfrüchte sind für ihn das Bindeglied zwischen den Hauptkulturen. Insgesamt ist der Wasserhaushalt ausgeglichen. Zudem komme laut Günther das Snowtrapping hinzu, das heißt Schneeeinfangen mit  Verwehungen im Winter, was ebenfalls positiv für den Wasserhaushalt ist. „Der Vorfruchtwert der Zwischenfrüchte wird unterschätzt. Die Bodenstruktur sollte keine Backsteine aufweisen. Für mich sind Spaten, Bodensonde und die Schuhsohle die wichtigsten Instrumente im Ackerbau“, erklärt Günther und meint damit, klebt Boden am Schuh oder nicht, sagt das sehr viel darüber aus, ob bei dem aktuellen Feuchtezustand des Bodens eine Bearbeitung sinnvoll ist oder nicht!

Die Maisstoppeln wirksam zerschlagen
Die Bekämpfungsmöglichkeiten vom Maiszünsler standen im praktischen Teil auf dem Programm, organisiert von der Landmaschinenschule. Hierfür wurden zunächst die zehn verschiedenen Geräte vorgestellt und dann ihr Arbeitsergebnis im Maisstoppelfeld beurteilt. Um in diesem Bereich fundierte Ergebnisse zu erhalten, werden seit Jahren verschiedene Versuche in Triesdorf durchgeführt. So wurden z. B. bei den vergangenen Maisstoppeltagen bereits Gerätevergleiche angestellt.
Die Bodenbearbeitung hat einen wesentlichen Einfluss auf den Bekämpfungserfolg des Maiszünslers. Grundsätzlich gehen die Pflanzenbauexperten nicht davon aus, dass der Einsatz des Pfluges das Zünslerproblem komplett lösen kann. Pflugtiefe und die Einarbeitungsqualität der Stängel werden hierbei als Kriterien für den Erfolg angeführt. Also wenn man nicht pflügt bzw. pflügen will, sollten in der Praxis die oben liegenden Stängel mechanisch zerkleinert werden. Ziel jeder Variante muss sein, dass an der Bodenoberfläche keine intakten Stängelteile (Stängel > 5 cm) verbleiben, in denen sich die Larven zum Falter weiterentwickeln können. Welche Geräte eignen sich dazu? Schlegel- bzw. Sichelmulcher oder Geräte mit Messerwalzen bzw. Kurzscheibenegge oder spezielle Kreisel­egge? Hier gilt es zu unterscheiden zwischen Geräten, welche die Stängel nur an der Oberfläche entsprechend aufschlagen ohne jegliche Bodenbearbeitung. Hierzu zählen Mulchgeräte und solo gefahrene Messerwalzen. Dann gibt es Kombigeräte, die sowohl die Stängel als auch den Boden entsprechend bearbeiten wie z. B. Prismenwalzen oder Messerwalzen in Kombination mit Kurzscheibeneggen bzw. Grubber sowie Kreiseleggen.
Vor allem zapfwellenangetriebene Geräte wie Schlegelmulcher sowie Kreiselegge bewirken eine deutliche Zerkleinerung der Stängel. Aber auch Messerwalzen (hier waren verschiedene Varianten im Praxisein­satz) konnten augenscheinlich die Anzahl der intakten losen Stängel auf ein Minimum reduzieren. Insgesamt kamen zehn Geräte zum Praxiseinsatz: Als Vergleichsvariante diente der Schlegelmulcher. Gute Ergebnisse erzielte der sogenannte Zünslerschreck bzw. Halmschredderer der Firma Knoche bzw. Baß im Frontanbau mit einer Kurzscheibenegge im Heck und die Concept-Kreiselegge mit speziellen Moreni-Zinken mit vertikalen Messerelementen. Noch gute bis befriedigende Resultate (per Augenschein) erreichte die Güttler-Kombination aus Prismenwalze und SuperMaxx-Grubber sowie der bodenangetriebene Zinkenrotor DynaDrive. Sehr gut überzeugen konnten die verschiedenen Messerwalzen der Firmen Dalbo (mit Maxi-Roll-Walze kombiniert) sowie von Horsch und Väderstad jeweils mit Kurzscheibeneggen kombiniert. Eine Besonderheit mit sehr guten Resultaten und sehr leichtzügig war das Wallner-Gerät, eine Kombination aus Vertikalmesserwalzen und gewellten Sech-Elementen. Bei der Bewertung der mechanischen Geräte ist zu beachten, dass die Bodenverhältnisse zum Zeitpunkt der Vorführung sehr gut waren: genügend Bodenwiderstand, trockene Maisstängel.

Das Arbeitsergebnis ist entscheidend

Nach der Überfahrt mit den Geräten sammelten die Studierenden, die intakten Stoppelreste (Stoppelreste, die eine Überwinterung der Zünslerlarven ermöglichen) auf einer Fläche von jeweils 2 m² pro Versuchsglied ein. Die Stängel wurden gezählt und nach drei Größenklassen (< 5 cm, 5 – 10 cm und > 10 cm) sortiert. Die exakten Ergebnisse der Auswertung durch das Fachzentrum Pflanzenbau vom Landwirtschaftsamt Ansbach werden in einer der nächsten Wochenblatt-Ausgaben veröffentlicht.
Am Schluss wurden alle Geräte zu Testzwecken auch in einem Zwischenfruchtbestand eingesetzt. Denn nicht abfrierende Bestände können im Frühjahr bei der Saat Probleme bereiten. Insgesamt lässt sich feststellen, dass für die Praxis eine Gerätekombination aus Walze (Messerwalze, Prismenwalze, Zünslerschreck) und Kurzscheibenegge eine effiziente Lösung darstellt.
Aufgrund der höheren Fruchtfolgeanteile von Mais wird die Maisstoppelbearbeitung für Praktiker immer wichtiger. Hier sind schlagkräftige Lösungen gefragt, da das Zeitfenster im Herbst zwischen Ernte und anschließender Aussaat von Getreide sehr kurz ist. Und die Maiszünslerbekämpfung sollte als gemeinschaftliche Aufgabe angesehen werden. Denn was nützt es, wenn auf einem Feld die Zünslerlarven entsprechend bekämpft werden, wenn er auf dem unbehandelten Nachbarschlag unbeschadet überwintern kann und im Sommer auch über die Feldgrenzen fliegt.

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