Login
Pflanzenschutz

Ausreichenden Fungizidschutz sicherstellen

Kartoffeln
Steffen Wagner LfL Pflanzenschutz, Freising
am
29.06.2017

Freising - Krautfäule begünstigende Temperaturen in Verbindung mit weiteren Niederschlägen werden aller Voraussicht nach zu einem Anstieg des Befallsdrucks führen.

Das am 27. Juni durchgeführte Phytophthora-Monitoring zeigt aktuell an den 46 Standorten noch keine Zunahme der Befallssituation im Vergleich zur Vorwoche. In der jetzigen Situation empfiehlt es sich, die Kartoffelbestände besonders intensiv auf Phytophthora zu kontrollieren und einen ausreichenden Fungizidschutz zu gewährleisten.
Der aktuell vom Simphyt-Prognosemodell berechnete Infektionsdruck für eine Folgebehandlung liegt in ganz Bayern noch bei sehr niedrig. Somit hat er sich im Vergleich zur Vorwoche nicht geändert. Dies entspricht ohne Berücksichtigung schlagspezifischer Aspekte einem Spritzabstand von 13 bis 15 Tagen. Zu beachten ist, dass sich die Behandlungsabstände in der Tabelle auf die Region rund um die agrarmeteorlogische Messstation beziehen.
Ausgehend von diesem Wert kann der Praktiker durch Zu- oder Abschläge den für seinen Kartoffelschlag zutreffenden Spritzabstand einer weiteren Fungizidmaßnahme ermitteln. Dies ist in der derzeitigen Situation einer Umstellung auf unbeständiges Wetter erforderlich. So ist bei stärkeren Niederschlägen von über 25 mm oder sporulierendem Phytophthora-Befall (einen insbesondere in den Morgenstunden auf der Blattunterseite deutlich sichtbaren Pilzrasen) der in der Tabelle ausgewiesene Spritzabstand um zwei bis drei Tage zu verkürzen. Insgesamt sollte der witterungsgestützt ermittelte Spritzabstand maximal um vier Tage verringert werden.
Systemische Mittel kaum noch nötig
Viele Kartoffelbestände haben in ihrer Entwicklung die Vollblüte erreicht bzw. sind zum Teil in der Entwicklung noch weiter fortgeschritten. Das Krautwachstum ist weitgehend abgeschlossen oder zumindest nicht mehr rasant, sodass die systemischen Krautfäulefungizide nicht mehr zum Einsatz für den Schutz eines umfangreichen Neuzuwachses kommen müssen. Ist eine Folgebehandlung erforderlich, empfiehlt sich für zahlreiche Kartoffelschläge nunmehr der Einsatz teil- und lokalsystemischer Fungizide. Dies gilt insbesondere bei mit Feuchtigkeit gesättigten Böden und wenn das vorhergesagte feuchte, zu häufigeren Niederschlägen neigende Wetter mit meist mäßig warmen Temperaturen andauert. Auf Standorten mit rasch abtrocknenden Böden und wenig Niederschlägen genügen auch Kontaktfungizide.
Tritt jedoch Krautfäule auf, ist so schnell wie möglich eine Stoppspritzung durchzuführen. Bewährt hat sich in diesem Fall eine Tankmischung aus einem cymoxanilhaltigen Fungizid wie Carial Flex, Curzate M WG, Nautile WP, Reboot, Tanos oder Zetanil M und einem fluazinamhaltigen Fungizid wie Shirlan. Auch Proxanil Extra weist diese Wirkstoffkombination auf.
Weil Kombinationspräparate mit dem Wirkstoff Mancozeb eine gute Nebenwirkung gegen den Alternaria-Pilz erzielen, ist im Zuge der Krautfäulebekämpfung bei auf Alternaria anfälligen Sorten der Einsatz solcher Mittel zu erwägen.
Ist infolge der günstigen Witterung eine weitere Kartoffelkäferbekämpfung erforderlich, sollte ein Wechsel der Wirkstoffgruppe zur Vermeidung von Resistenzausbildungen in Betracht gezogen werden. Zur Auswahl stehen z. B. die Neonicotinoide Biscaya und Mospilan SG sowie das Anthranildiamid Coragen.
Tipp: Unter www.LfL.bayern.de können die regionalen Befallserhebungen von 46 Kartoffelschlägen aus dem bayernweiten Phytophthora-Monitoring sowie laufend aktualisierte Berechnungen des Krautfäule-Prognosemodells Simphyt und des Kartoffelkäfermodells Simlep abgerufen werden. Speziell für Öko-Kartoffelanbauer steht Öko-Symphyt als Entscheidungshilfe zur Krautfäule-Regulierung mit Kupferpräparaten zur Verfügung.

Auch interessant