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Blühende Rahmen

Der Bauern Opfer

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
13.10.2016

München - Blühende Rahmen um Maisäcker fördern das Image der Landwirtschaft.

Wolfgang Piller

Der Mais hat einen Nachteil: Er wird zu hoch. Weil er in den Sommerwochen zu meterhohen Sichtwänden heranwächst, hat ihm das – in Verbindung mit dem zwischenzeitlichen Boom der Biogasanlagen – vor einigen Jahren den Vorwurf der „Vermaisung“ eingebracht. Dass letztlich die Maisfläche in Bayern kaum gewachsen ist, sei‘s drum, so genau nehmen es die Öffentlichkeit und alle, die gern auf Kosten der Landwirte punkten wollen, schon lange nicht mehr. Die Bauern haben gut reagiert. Viele pflanzen rund um Maisäcker einen Streifen mit Sonnenblumen, Malven und anderen blühenden Pflanzen. Das sieht schön aus und nutzt der Umwelt, insbesondere den Insekten. Man kann solche blühenden Rahmen, wie sie der Bauernverband getauft hat und wie der gleichnamige Wettbewerb heißt, durchaus als klassisches Bauernopfer betrachten.

Beim Schachspiel kann das Opfern einer Bauernfigur einen höher einzuschätzenden Vorteil bringen – diese Strategie ist als „Bauernopfer“ in die deutsche Sprache eingegangen. Einen schlechten Ruf hat das Bauernopfer nur dann, wenn das Opfer hilflos ist und einen Schaden nimmt. Das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Viele haben einen Nutzen. Das Opfer bringt der Bauer selbst, er verzichtet auf einen Streifen seiner Anbaufläche, investiert in Saatgut und arbeitet ohne Aussicht auf Lohn. Sein höherer Nutzen ist der Imagegewinn für die Landwirtschaft im Allgemeinen.

In früheren Zeiten haben die Menschen, und natürlich auch die Bauern, ihren Göttern geopfert. Sie haben einen Teil ihrer wertvollen Güter dargebracht, um die Götter wohlgesonnen zu stimmen. Die blühenden Rahmen wären sozusagen das Opfer der Bauern, um die Götter der Mediengesellschaft auf ihre Seite zu ziehen. Diese wirkt nur modern und aufgeklärt, letztlich ist sie wie alle Massengesellschaften: Der Schein zählt. Das Opfer scheint übrigens zu wirken, um die Vermaisung ist es still geworden.

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