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Pflanzenschutz

Wenn es beim Spritzen staubt ...

Bandspritze
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
06.06.2017

Eichstätt - ... dann könnte Michael Weidenhiller mit seinem Hackgerät mit integrierter Bandspritze auf den Rübenfeldern unterwegs sein. Er erklärte kürzlich, wie er dieses Gerät im Zuckerrübenanbau einsetzt und ob er zufrieden damit ist.

Das Interesse war groß – die Vorbehalte auch. Trotz bestem Wetter und kurzfristiger Terminverkündung nahmen sich viele Landwirte die Zeit, um Näheres über das System des Zuckerrübenanbaus ihres Berufskollegen Michael Weidenhiller zu erfahren. So kamen auf einem Zuckerrübenschlag bei Eitensheim (Lks. Eichstätt) rund 30 Interessierte zusammen und begutachteten zuerst das Herzstück von Weidenhillers System: Ein Hackgerät mit integrierter Bandspritze – in der Reihe wird gespritzt und zwischen den Reihen gehackt. Nachgerüstet hat Weidenhiller noch die ohnehin im Betrieb vorhanden Granulatstreuer, so kann gleichzeitig Schneckenkorn ausgebracht werden.
Aber nicht nur die Maschine, auch das Rübenfeld – insbesondere der Unkrautbesatz – wurden unter die Lupe genommen und bis auf die Ausfallgerste fanden Kritiker wenig Angriffsfläche. Weidenhiller baut seine Zuckerrüben in Mulchsaat ohne Glyphosateinsatz an – zusammen ergibt das ein System, das einen besonderen Beitrag zum Erosions- und Gewässerschutz leistet. Darum war auch das Landwirtschaftsamt Ingolstadt an der Informationsveranstaltung beteiligt.
Ein großer Vorteil der Bandspritzung ist, dass gegenüber der Flächenspritzung 60 % des Spritzmittelaufwands eingespart werden können. Nachteile gibt es aber auch, dazu zählen ein höherer Arbeitszeitaufwand und eine noch stärkere Abhängigkeit vom Wetter. Da mag sich mancher die Frage stellen, was Weidenhiller zu diesem System bewog.
Der Landwirt, der auch Vorsitzender des Maschinenrings Eichstätt ist, erklärte, dass er viel mit Ökolandwirten zu tun habe. Deren hohe Zuckerrübenerträge von durchschnittlich 900 dt/ha trotz der meist geringeren Vegetationszeit haben ihn zum Nachdenken gebracht. Erklären könne er sich das nur durch eine bessere Bodenstruktur sowie Bodendurchlüftung und einen besseren Nährstoffhaushalt durch die organische Düngung. Das hätte ihn dazu bewegt, auf seinem viehlosen Betrieb mehr organischen Dünger einzusetzen.
Aber zurück zu den Zuckerrüben: Die je Hektar durchschnittlich 150 Arbeitsstunden für die Handhacke zusätzlich zum Hackgerät im ökologischen Anbau haben ihn dann doch abgeschreckt. Ein guter Mittelweg war für Weidenhiller daher die Kombination aus Hackgerät und Bandspritze. Weiterer Beweggrund war die Schosserproblematik auf einigen seiner Schläge.
Die wichtigsten Vor- und Nachteile des Systems aus Bandspritze und Hacke sind hier aufgelistet;

Vorteile:

  • Einsparung von Pflanzenschutzmitteln von rund 60 %,
  • Beseitigung von Problemunkräutern, Spätverunkrautung und Schosserrüben,
  • Beseitigung von Verschlämmung und Verkrustung,
  • Wassereinsparung durch Brechung der kapillaren Poren,
  • Förderung der biologischen Aktivität und Mobilisierung von Bodenstickstoff.

Nachteile:

  • Höherer Zeitbedarf und höhere Maschinenkosten je Hektar,
  • mit Hacken sind Wurzelunkräuter wie Distel, Schachtelhalm und Winde nicht bekämpfbar,
  • starke Abhängigkeit vom Wetter,
  • nicht alle Bodenarten sind für das Hacken geeignet (Steine!).

Beim Kauf der Maschine hatte Weidenhiller keine Auswahl, denn nur die Firma Schmotzer vertreibt Hackgeräte mit integrierter Bandspritze. Mit dem sechsreihigen Gerät, das er nun im dritten Jahr einsetzt, ist Weidenhiller aber zufrieden, gekostet hat es rund 7000 € netto.

Nicht zu tief hacken

Der erste Hackgang erfolgt im Keimblattstadium der Zuckerrüben, also wenn die Reihen noch nicht erkennbar sind. Da sei dann schon ein guter Magen und viel Vertrauen in die Technik nötig, erklärte Weidenhiller. Wichtig sei nur, dass man nach dem Wenden auch wieder gerade ins Feld fährt, den Rest erledige die Technik.
Beim Hacken ist es generell wichtig, so Weidenhillers Erfahrung, flach zu arbeiten (ca. 2 cm), denn je tiefer man kommt, desto mehr Samen keimen. Dass man sich mit der richtigen Arbeitstiefe leicht verschätzen kann, zeigte sich bei der Vorführung der Maschine: Während die Zuschauer nahezu einstimmig der Meinung waren, dass das Hackgerät zu flach arbeite, erklärte Weidenhiller, dass die Arbeitstiefe korrekt sei. „Auch ich musste erst lernen, dass Hacken nichts mit Grubbern zu tun hat“, sagte er augenzwinkernd.
Aber nicht nur die Arbeitstiefe, auch das Wetter muss passen: Nach dem Hacken muss es trocken bleiben, damit die ausgerissenen Unkräuter nicht wieder anwachsen. Ungräser können nur gut bekämpft werden, wenn der Boden beim Hacken noch etwas feucht ist, erklärte Weidenhiller. Denn nur dann könne man die Gräser aus dem Boden ziehen, wenn es aber zu trocken ist, werden die Gräser lediglich abgeschnitten.
Im letzten Jahr erzielte Weidenhiller laut eigener Aussage durchschnittlich 960 dt/ha, damit sei sein Ertragsziel erreicht. Nun möchte er die Unkrautbekämpfung optimieren. Erfolg verspricht er sich von der Kombination zweier Düsentypen: Bisher hat er ausschließlich Bandspritzdüsen verwendet. Werden die Rüben größer, spritzen die Düsen zwar „in die Rübe“, aber der Boden unter den Rübenblättern bleibt unbehandelt. Künftig sollen die Bandspritzdüsen daher nur zur ersten und zweiten Behandlung eingesetzt werden. Für nachfolgende Behandlungen werden dann Unterblattdüsen verwendet.

Ein staubiges Problem

Das sechsreihige Gerät hat eine Flächenleistung von ca. 1,3 ha/h. Mit einer größeren Arbeitsbreite wäre mehr drin, und das wäre auch bezüglich des Bodendrucks sinnvoll, erklärte Weidenhiller. Denn dass man alle drei Meter eine Fahrspur habe, sei bei der Anzahl der Arbeitsgänge schon kritisch zu sehen. Einen weiteren Kritikpunkt warf einer der Zuschauer ein: Das Gerät spritzt und nachfolgend wird gehackt, was zwangsweise zu einer Staubbildung führt. Auf das vom Spritzfilm angefeuchtete Unkraut legt sich dann der Staub, der das Spritzmittel ja eigentlich binden und wirkungslos machen müsste. Weidenhiller zeigte auf sein Feld: „Offensichtlich klappt es ja“. Davon konnten sich die Anwesenden selbst überzeugen, bis auf Wintergerstendurchwuchs war kein übermäßiger Besatz an Unkräutern oder Ungräsern erkennbar. Ein Streifen im Feld, der weder gehackt noch gespritzt wurde, zeigte den Unterschied zur behandelten Fläche deutlich. In diesem „Spritzfenster“ wuchsen Melde und Wintergerste sowie Phacelia, Kresse und Klee aus der Zwischenfrucht.
Die Landesanstalt für Landwirtschaft bestätigte auf Nachfrage des Wochenblatts, dass der Staub, der beim Hacken ensteht, zu Minderwirkungen der Pflanzenschutzmittel führen kann. Daher empfiehlt die LfL nur zu hacken, wenn der Boden noch „frisch“ und nicht zu trocken ist, um  möglichst wenig Staub zu erzeugen.
Die Kombination aus Bandspritze und Hackgerät hatte ihre Hochzeit in den 1970er- und 1980er-Jahren, als Herbizide noch wesentlich teurer waren. Damals hatte sich dieses System bewährt. Dann haben sich die Verhältnisse geändert: Pflanzenschutzmittel wurden günstiger und Arbeitskraft teurer und somit hat sich die Flächenspritzung als effizientere Methode durchgesetzt. Momentan befinden wir uns wieder im Wandel: Im Pflanzenschutz gibt es immer mehr Resistenzen undAuflagen, die Akzeptanz in der Bevölkerung sinkt – Alternativen werden gesucht und für manchen Betrieb könnte die Kombination aus Hacke und Bandspritze eine gute Alternative sein, wenn auch nicht für alle.

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