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Getreideanbau

Braugerste: historischer Tiefstand zum Jubiläum

Karolina Meeder, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
am
01.12.2016

München - Ausgerechnet im Jubiläumsjahr zum 500-jährigen Bestehen des Reinheitsgebotes geriet das Bier wegen Glyphosatrückständen ins Fadenkreuz von Umweltaktivisten.

Braugerste

Daran erinnerte Werner Mayer, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung das Bayerischen Qualitätsgerstenbaues, beim 18. Bayerischen Braugerstentag in München. Das hatte einen guten Grund, denn mit Professor Andreas Hensel, dem Leiter des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), konnte er jenen Mann als Hauptreferenten begrüßen, der damals schnell handelte und mit einer gewitzten Presseerklärung auf die 1000 Liter täglichen Biergenuss hinwies, der Konsumenten in eine wegen der Rückstände gefährliche Lage hätten bringen können. Das hatte damals das Bier schnell aus der Schusslinie gebracht.

Hensel ging in seinem Vortrag auch auf diese Problematik ein. Er erklärte, dass Höchstgehalte nicht die Grenze zwischen giftig und ungiftig darstellen, sondern vielmehr wie eine Handelsschranke wirken. Es sei sogar erwartbar, dass Rückstände gefunden werden, da Glyphosat ein zugelassenes Mittel ist und die Messmethoden immer genauer werden. Immerhin ist es möglich – bildlich gesprochen – aus einem See wie dem Starnberger See mit etwa 3 Billionen Litern Wasser ein Stück Würfelzucker von 3 g nachzuweisen.

Neben gesellschaftlichen Themen wurde beim Braugerstentag auch über den Pflanzenbau diskutiert. Dazu gab Dr. Markus Herz von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising einen Rückblick auf das Anbaujahr 2016, das sich zum Vorjahr deutlich unterscheidet. Die recht späte Aussaat Anfang April war im Schnitt zwei Wochen später als 2015. Auch wenn es Vielen so scheint, als ob der Klimawandel in großen Schritten voranschreitet und unsere Anbauverhältnisse zunehmend verändert, bestätigen das die Aufzeichnungen der LfL, zumindest für die Saatzeit der Sommergerste, nicht. Herz zeigte die Saattermine für Sommergerste der letzten 30 Jahre. Seine Daten zeigen keinen erkennbaren Trend und auch die beiden sehr verschiedenen Jahre 2015 und 2016 befinden sich im Rahmen der üblichen Variationen.

Sonnenenergie bestimmt Ertrag

Auch die Wasserversorgung war eine gänzlich andere als im Vorjahr. Durch die anhaltenden feuchten Phasen waren 2016 vor allem Netzflecken und Rhynchosporium präsent und eine Fungizidbehandlung rentabler als in manch anderen Jahren. Sie wirkte sich zudem auch positiv auf die wertbestimmenden Qualitäten der Braugerste aus. Erstaunlich war für viele Gerstenanbauer, dass die Erträge im „Dürresommer“ 2015 höher waren als 2016, wo es meist nicht am Wasser fehlte. Herz zeigte, dass die Globalstrahlung, also die solare Energie, 2015 durchgehend höher als 2016 war. Daher stellte der Experte die Vermutung in den Raum, dass die Solarstrahlung den Ertrag stärker beeinflussen könnte als die Wasserversorgung.

Der Trend zu steigenden Erträgen, der durch die diesjährigen Ergebnisse nicht gebrochen wurde, ist ein kleiner Gegenspieler zum stetigen Rückgang der Anbaufläche. Sie sank heuer sogar auf den historischen Tiefstand von 92 000 ha. Ein Anbaurückgang ist in allen bayerischen Regierungsbezirken zu verzeichnen. Besonders stark ist die Fläche in Unterfranken eingebrochen, die Hauptanbaufläche liegt weiterhin in Oberfranken. Das durchschnittliche Ertragsniveau liegt in Bayern heuer bei 53,6 dt/ha, mit teils enormen Ausreißern nach unten und oben. Auch dieses Jahr zeigte sich das übliche Ertragsgefälle von Süd nach Nord. Unterfranken liegt leicht unter dem Ertragsdurchschnitt, es bleibt jedoch festzuhalten, dass hier die mit Abstand höchsten Vollgerstenanteile von durchschnittlich 92,4 % erzielt wurden.

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