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Düngung

Das bringt die neue Düngeverordnung

Gülledüngung
Dr. Matthias Wendland LfL Agrarökologie/Düngung, Freising
am
27.04.2017

Freising - Die Pflicht zur unverzüglichen Einarbeitung gilt künftig für alle Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff und mehr als 2 % Trockensubstanz – also auch für feste Düngemittel.

Ende März vom Bundesrat beschlossen, tritt letztendlich am Tag nach der Verkündung die neue Düngeverordnung in Kraft. Man rechnet mit Mai oder Juni. Nach der Getreideernte werden daher die neuen Regelungen zu beachten sein.  Zum jetzigen Zeitpunkt kann erst ein Überblick dazu erfolgen. Genauere Erläuterungen mit möglichen Konsequenzen und Anpassungsmöglichkeiten werden in einer Artikelserie in den nächsten Wochen folgen. Für viele Vorgaben müssen auch erst noch die Ausführungsregelungen abgewartet werden.

An erster Stelle steht der Düngebedarf

Vor einer Ausbringung wesentlicher Mengen der Nährstoffe Stickstoff und Phosphat (mehr als 50 kg Stickstoff oder 30 kg Phosphat je ha und Jahr) muss die notwendige Dünge­menge ermittelt werden. Diese Düngebedarfsermittlung ist sowohl vor einer organischen als auch vor einer mineralischen Düngung notwendig. Sie muss für jede Kultur und für jeden Schlag bzw. für jede Bewirtschaftungseinheit durchgeführt werden.
Bei Stickstoff wird als Basis für die Berechnung der notwendigen Düngung für jede Kultur ein Stick­stoff­bedarfs­wert verwendet. Dieser Wert ist nicht gleichbedeutend mit der notwendigen Düngemenge, sondern er bestimmt den N-Gesamtbedarf. Von ihm muss bei Ackerflächen die N-Menge im Boden und die N-Nachlieferung (Boden, Vorfrucht …) noch abgezogen werden.

Deutschlandweit gilt der gleiche Bedarf

Für die wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen gibt die Düngeverordnung bundeseinheitliche verbindliche Stickstoffbedarfswerte vor, die sich auf einen bestimmten Ertrag beziehen. Bei höheren Erträgen sind Zu- und bei geringeren Erträgen Abschläge zu berücksichtigen.
Auch für die Grünlandnutzung gibt es Stickstoffbedarfswerte, die in Abhängigkeit der Schnitthäufigkeit beziehungsweise der Art der Nutzung (Schnittnutzung, Weide) variieren. Von diesem Stickstoffbedarfswert sind noch Abschläge vorzunehmen. Für organische Dünger gibt es feste Ausnutzungsgrade, die für die Wirkung im Anwendungsjahr angesetzt werden müssen.
Die Düngebedarfsermittlung ist schriftlich aufzuzeichnen und stellt bei Stickstoff eine schlagspezifische Düngungsobergrenze dar, die in der Regel nicht überschritten werden darf.
Bei Phosphat erfolgt die Dünge­bedarfsermittlung grundsätzlich nach den Vorgaben des „Gelben Heftes“. Bei Böden mit einem Phosphatgehalt von über 20 mg P2O5 je 100 g Boden (CAL-Methode) darf maximal die Abfuhr durch das Erntegut gedüngt werden. Eine Düngeplanung über die Fruchtfolge (maximal drei Jahre) ist möglich.
Unabhängig von der Düngebedarfsermittlung muss die Höhe der Düngung so geplant werden, dass die Vorgaben der Nährstoffbilanz eingehalten werden können.

Einarbeitungspflicht und Ausbringtechnik

Die Vorgaben der NEC-Richtlinie (EU-Richtlinie über nationale Emissionshöchstgrenzen) fordern eine starke Reduzierung der Ammoniakverluste aus der Landwirtschaft. Die neue Düngeverordnung reagiert darauf mit mehreren Regelungen. So müssen alle Düngemittel (auch feste) mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff und mehr als 2 % Trockensubstanz bei der Ausbringung auf unbestelltes Ackerland unverzüglich, das heißt innerhalb von vier Stunden, eingearbeitet werden. Das kann auch im absätzigen Verfahren erfolgen (Abb. 1). Ausgenommen von dieser Regelung sind Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost.
Ab 2020 muss auch Harnstoff innerhalb von vier Stunden auf bestellten Flächen eingearbeitet werden, außer er wird mit einem Ureasehemmstoff ausgebracht. Harnstoff darf auch auf bestellten Flächen ab 2020 nur noch mit Ureasehemmstoff ausgebracht werden.
Zur Reduzierung der Ammoniakverluste soll auch die Ausbringtechnik beitragen. Ab 1. Februar 2020 dürfen auf bestelltes Ackerland und ab 1. Februar 2025 auf Grünland flüssige organische Dünger wie Gülle und Gärreste nur noch streifenförmig auf den Boden aufgebracht oder eingeschlitzt werden.
Ausnahmen von dieser Regelung sind möglich, wenn agrarstrukturelle Besonderheiten vorliegen oder wenn der Einsatz der Geräte aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist (Hangneigung). Dafür werden derzeit Regeln erstellt.

Bis zu fünf Meter Abstand zu Gewässern

Bisher musste bei der Ausbringung von Düngemitteln auf Flächen mit einer Hangneigung bis 10 % ein Abstand von drei Metern zur Böschungsoberkante eines Gewässers eingehalten werden. Dieser Abstand wird auf vier Meter erhöht.
Er kann auf einen Meter reduziert werden, wenn Geräte verwendet werden, bei denen die Streubreite gleich der Ausbringfläche ist oder die mit einer Grenzstreueinrichtung ausgerüstet sind.
Auf Flächen mit mehr als 10 % Neigung innerhalb von 20 m zur Böschungsoberkante dürfen innerhalb der ersten fünf Meter keine Düngemittel ausgebracht werden. Für Ackerflächen gelten auf den folgenden fünfzehn Metern weitere Auflagen.
Neue Grenzen für organische Dünger
Bereits jetzt besteht die Grenze von 170 kg N/ha und Jahr im Betriebsdurchschnitt für Stickstoff aus tierischen Wirtschaftsdüngern. In diese Grenze wird zukünftig auch der Stickstoff aller organischen und organisch-mineralischen Düngemittel einbezogen. Davon sind besonders Biogasanlagen betroffen, da der Stickstoff aus pflanzlichen Substraten wie Mais jetzt mitgerechnet werden muss.
Eine Folge wird sein, dass Gärreste auf mehr Flächen verteilt werden müssen als bisher. Das kann auch intensive Schweinebetriebe treffen, da bei der Berechnung der 170-kg-Grenze nur noch 20 % Stall-Lagerverluste (bisher 30 %) berücksichtigt werden dürfen.
Die Sperrfristen sind deutlich verlängert
Ein wesentlicher Inhalt der neuen Düngeverordnung ist die Beschränkung der Ausbringung stickstoffhaltiger Düngemittel im Herbst. Für Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff beginnt die Sperrfrist auf Ackerland nach der Ernte der letzten Hauptfrucht und dauert bis 31. Januar. Ausgenommen davon sind Zwischenfrüchte, Winterraps, Feldfutter bei einer Aussaat bis zum 15. September oder zu Wintergerste nach Getreide bei einer Aussaat bis zum 1. Oktober. Wenn diese Kulturen angebaut sind, dürfen N-haltige Düngemittel bis zum 1. Oktober bis zu einer Höhe von 60 kg Gesamt-N bzw. 30 kg Ammonium-N ausgebracht werden.
Für Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau beginnen die Sperrfristen am 1. November und dauern ebenfalls bis 31. Januar. Die Sperrfristen für Grünland können wie bisher um vier Wochen verschoben werden.

Neue Bilanzierung und Kontrollwerte

Für die meisten Betriebe bleibt es vorerst bei der gewohnten Feld-Stall-Bilanzierung. Für Betriebe, die grobfutterfressende Tiere halten, gilt es, die „plausibilisierte“ Feld-Stall-Bilanz zu berechnen. Bei dieser Bilanzierungsart wird die Nährstoff­abfuhr von Grundfutterflächen über die Grobfutteraufnahme der Tiere berechnet.
Ab 2018 wird der erlaubte Bilanzüberschuss bei Stickstoff von 60 auf 50 kg und bei Phosphat von 20 auf 10 kg abgesenkt. Neu ist, dass sich Betriebe, die diese Grenzen bei einer Kontrolle nicht einhalten, einer intensiven Beratung unterziehen müssen und weitere Auflagen erfüllen müssen.
Unabhängig von der Düngeverordnung ist geplant, dass Betriebe

  • ab 50 GV je Betrieb oder
  • mit mehr als 30 ha LF und mehr als 2,5 GV/ha oder
  • mit Tierhaltung, die Wirtschaftsdünger aufnehmen,

ab 2018 eine Stoffstrombilanz (Hoftorbilanz) erstellen müssen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.

Lagerkapazitäten anpassen

Ein wesentliches Ziel der neuen Düngeverordnung stellt die Verbesserung der Nährstoffausnutzung der organischen Wirtschaftsdünger dar. Voraussetzung dafür sind ausreichende Lagerkapazitäten, um Gülle etc. zu Zeitpunkten mit den besten Ausnutzungsgraden ausbringen zu können. Die Regelungen, die bisher in der Anlagenverordnung enthalten waren, schreiben folgende Lagerkapazitäten vor:
sechs Monate für Gülle, Jauche, Gärrückstände unter Berücksichtigung von Niederschlagswasser, Abwasser und Silagesickersäften
Betriebe mit mehr als 3 GV/ha oder ohne eigene Ausbringflächen benötigen ab 2020 Lagerraum für neun Monate
zwei Monate für Festmist und Kompost ab 2020
Die LfL wird im Internet wieder Berechnungsprogramme für die Feststellung der notwendigen Lagerkapazitäten bereitstellen.

Länderbefugnisse für „rote Gebiete“

Neu sind auch die Länderbefugnisse, nach denen die Länder in den sogenannten „roten Gebieten“ drei zusätzliche Maßnahmen festlegen müssen. Rote Gebiete sind Gebiete, in denen ein Grundwasserkörper

  • mehr als 50 mg Nitrat oder
  • mehr als 37,5 mg Nitrat plus eine ansteigende Tendenz aufweist oder
  • ein langsam fließendes/stehendes Oberflächengewässer durch eine Eutrophierung durch Phosphat aus landwirtschaftlichen Quellen belastet ist.

Zu den zusätzlichen Maßnahmen zählen zum Beispiel Nmin-Untersuchungen, längere Sperrfristen oder größere Gewässerabstände. In nicht belasteten Gebieten können auch Erleichterungen eingeführt werden, die hauptsächlich die Dokumentation unter einer bestimmten Betriebsgröße erleichtern.
Die roten Gebiete werden vom Umweltministerium in Zusammenarbeit mit seinen Behörden festgelegt werden. Welche Maßnahmen getroffen werden sollen, ist noch offen. Die Festsetzung der roten Gebiete wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen und evtl. erst 2019 bedeutsam werden.

Kurz gefasst

Die neue Düngeverordnung enthält einschneidende Regelungen mit dem Ziel, das Risiko von Gewässer- und Luftverunreinigungen zu reduzieren. Für viele Betriebe werden die Regelungen erhebliche Auswirkungen haben, das Erreichen der Vorgaben ist nur mit einer Steigerung der Nährstoffeffizienz vor allem der organischen Dünger zu erreichen. Die LfL wird die Landwirte durch Veröffentlichungen und die Bereitstellung von praxisbezogenen Programmen im Internet möglichst gut unterstützen (www.lfl.bayern.de/iab/duengung/index.php).

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