Login
Artenvielfalt

Bunte Welt

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

von , am
13.07.2017

München - Eintönig und monoton sehen die Agrarsteppen in Osteuropa aus. Doch der zweite Blick offenbart oft eine verborgene Vielfalt. Denn die häufig geringe Intensität der Bewirtschaftung erlaubt ein Leben quasi zwischen den Reihen.

Ein Kommentar von Wolfgang Piller, Wochenblatt- Redakteur, wolfgang.piller@dlv.de © Archiv/BLW

Bei uns ist es oft andersrum. Der erste Blick zeigt eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, einen Flickenteppich aus Äckern mit verschiedenen Früchten, aus Wiesen und Wald. Doch die hohe Intensität der hiesigen Landwirte, die mit ihrer geringen Flächenausstattung im Wettbewerb mithalten müssen, erzeugt auf den Kulturflächen eine relative Artenarmut.

Ganz ohne Ideologie betrachtet, schafft das eine Lücke. Denn über Jahrzehnte und Jahrhunderte haben sich Lebensgemeinschaften gebildet, die aufeinander angewiesen sind. Fehlt ein Glied, geht es auch den anderen schlecht: Ohne Blüten wenig Insekten, wenig Vögel... Das schlägt durchaus auch in die Landwirtschaft zurück, etwa wenn Bestäuber für die nicht über den Wind sich befruchtenden Kulturarten fehlen.

Doch die Einsicht wächst, die Natur trotz intensiver Landbewirtschaftung nicht ganz aus dem Auge zu verlieren. Das beginnt dabei, Weizen-Weizen-Raps oder Mais-Mais-Mais nicht mehr für eine Fruchtfolge zu halten. Es geht aber auch dorthin, neben die intensiv bestellten Äcker ganz bewusst naturnahe Räume zu stellen. Wer dann mehr will, als nur mit einem schönen bunten Fleck die Nachbarn beruhigen, landet schnell bei Fragen wie: Passt eine Standardblühmischung zu meinen Standorten? Wie schaffe ich es, eine Fläche wirklich nachhaltig zum Blühen zu bringen? Reichen einzelne Flecken aus, damit sich wieder stabile Lebensgemeinschaften entwickeln können? Wie gewinne ich Mitstreiter? Für die ersten Antworten sind sicher einzelne Vorreiter nötig, sie haben es verdient, schnell Mitstreiter zu finden. Unsere bayerische Welt soll vielfältig und bunt bleiben, nicht nur auf den ersten Blick.

Auch interessant