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Düngung

Düngeverordnung: Sperrfristen deutlich verlängert

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Sperrfristen
© LfL
von , am
14.06.2017

München - Die neue Düngeverordnung ist am 2. Juni in Kraft getreten. Die ersten Regelungen, die jetzt zu beachten sind, betreffen die Ausbringung von Düngemitteln nach der Ernte 2017.

Neu sind in erster Linie längere Sperrfristen, womit die Dünge-VO auf die Vertragsverletzungsklage der EU gegen die Bundesrepublik reagiert. Die EU hatte bei der Umsetzung der Nitrat­richtlinie kritisiert, dass die Sperrfristen zu kurz sind und unterschiedliche klimatische Verhältnisse nicht berücksichtigt werden.

Aus diesem Grund mussten die Sperrfristen, also die Zeiten, in denen keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen, ausgedehnt werden. Die Sperrfristen gelten für alle Dünger, die einen wesentlichen Gehalt an Stickstoff (>1,5 % N in der Trockensubstanz) enthalten. Dies betrifft also nicht nur die organischen Dünger, sondern auch die mineralischen Dünger.

  1. Ackerland: Auf Ackerland beginnt die Sperrfrist generell nach der Ernte der letzten Hauptfrucht und dauert bis einschließlich 31. Januar. Hauptfrucht ist grundsätzlich die Frucht, die im Mehrfachantrag angegeben ist. Es kann jedoch auch eine Kultur sein, die vor dem 1. August gesät wurde und noch im Ansaatjahr geerntet wird (z. B. Ackergras nach Getreidevorfrucht). Folgende Ausnahmen gibt es:
    Zu Zwischenfrüchten, Winterraps und Feldfutter dürfen bis Ende September bis zu 30 kg Ammonium-N bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff gedüngt werden, wenn die Saat bis 15. September erfolgt.
    Zu Wintergerste nach einer Getreidevorfrucht dürfen bis zu 30 kg Ammonium-N bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff bis Ende September gedüngt werden, wenn die Saat bis Ende September erfolgt.
    Für Festmist von Huf- und Klauen­tieren sowie Kompost gilt die Sperrfrist nur vom 15. Dezember bis zum 15. Januar. Die Grenze 30/60 gilt für diese Stoffe nicht.
    Für Feldgemüse ist die Sperrfrist von 1. Dezember bis 31. Januar.
    Mehrjähriger Feldfutterbau hat die gleiche Sperrfrist wie Grünland.
  2. Grünland und mehrjähriger Feldfutterbau: Die Sperrfrist für Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau beginnt am 1. November und dauert bis einschließlich 31. Januar. Die Sperrfrist für Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau kann wieder um zwei Wochen verschoben werden, wenn die klimatischen Gegebenheiten das rechtfertigen und schädliche Gewässerverunreinigungen nicht zu erwarten sind. Die bisherige Vorgehensweise für die Verschiebung ändert sich nicht.

Düngebedarf im Herbst für Stickstoff

Vor der Ausbringung von wesentlichen Nährstoffmengen, das sind mehr als 50 kg N/ha und Jahr oder mehr als 30 kg P2O5/ha und Jahr, muss der Düngebedarf der Kultur festgestellt und schriftlich aufgezeichnet werden. Was dabei alles zu berücksichtigen ist, wird im Herbst/Winter in einem gesonderten Wochenblatt-Artikel behandelt werden, da die hauptsächliche Planung für Stickstoff erst im Frühjahr zur 1. Gabe anfällt. Auch für Grünland ist die erste Bedarfs­ermittlung Anfang 2018 zu erstellen. Achtung: Eine Herbstgabe nach dem letzten Schnitt zählt jedoch schon zur Düngung des Folgejahres und ist deshalb aufzuzeichnen.
Für die Stickstoffdüngung nach der Ernte der Hauptfrucht sind jetzt folgende Punkte wichtig:

  • Für Zwischenfrüchte ist keine Bedarfsermittlung notwendig, es können die 30 kg Ammonium-N bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff ausgebracht werden, je nachdem welche Grenze zuerst greift.
  • Die Düngung zur Zwischenfrucht muss der Etablierung der Kultur dienen. Das heißt: Eine organische Düngung soll vor der Saat eingearbeitet werden bzw. die Düngung soll unmittelbar nach der Saat erfolgen. Die Zwischenfrucht muss mit praxisüblichen Saatmengen bestellt werden und mindestens sechs Wochen stehen.
  • Eine Untersaat darf nur gedüngt werden, wenn die Deckfrucht vor dem 15. September geerntet ist und die Untersaat eine ausreichende Bodenbedeckung aufweist.
  • Auch für Wintergerste, Winterraps und Feldfutter gelten die genannten Höchstgrenzen. Die ausgebrachten Mengen sind aufzuzeichnen und bei der zu Jahresbeginn zu erstellenden Bedarfsermittlung zu berücksichtigen.

Für dieses Jahr ist hierfür noch keine Bedarfsermittlung notwendig, da die Kriterien dafür noch bundesweit abgestimmt werden müssen und das aufgrund des späten Inkrafttretens der Düngeverordnung nicht möglich war. Für 2018 ist jedoch mit weitergehenden Regelungen zu rechnen.

Düngebedarf im Herbst für Phosphat

Für die Phosphatdüngung sieht die neue Düngeverordnung einschneidende Veränderungen vor. Auch für diesen Nährstoff ist eine schriftliche Düngebedarfsermittlung für Schläge, die größer als 1 ha sind, zu erstellen. Die Grundlagen dafür können ebenfalls erst im Herbst/Winter vorgestellt werden.
Für die Düngung nach der Ernte sind folgende Punkte zu beachten:

  • Flächen in den Versorgungsstufen D und E dürfen nur bis zur Höhe der Abfuhr gedüngt werden.
  • Flächen in den Versorgungstufen A und B können grundsätzlich aufgedüngt werden, dabei ist jedoch zu beachten, dass der Bilanzüberschuss ab 2018 unabhängig von der Bodenversorgung im Durchschnitt des Betriebes 10 kg/ha und Jahr nicht überschreiten darf.
  • Eine Fruchtfolgedüngung kann für einen Zeitraum von drei Jahren vorgenommen werden.

Grundsätzlich können die Schläge sowohl für die N- als auch für die P2O5-Düngebedarfsermittlung zu Bewirtschaftungseinheiten zusammengefasst werden. Dazu muss für Phosphat auf diesen Flächen die gleiche Kultur mit der gleichen Erzeugungsrichtung und Ertragserwartung stehen, ebenso müssen die gleichen Versorgungsstufen vorliegen. A- und B- sowie D- und E-Flächen können zu einer Bewirtschaftungseinheit zusammengefasst werden.

Einarbeitung organischer Dünger

Die Einarbeitungspflicht innerhalb von vier Stunden auf unbestelltem Ackerland gilt nicht nur für flüssige organische Dünger sondern auch für feste organische Dünger. Ausgenommen von der Einarbeitungspflicht sind Festmist von Huf- und Klauentieren und Kompost. Flüssige organische Dünger mit weniger als 2 % TS müssen ebenfalls nicht eingearbeitet werden.
 

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