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Grünlandmonitoring

Jetzt an den ersten Schnitt denken

Wiesenfuchsschwanz
Mariana Schneider, Ludwig Hitzlsperger, LfL Tierernährung Grub
am
02.05.2017

Grub - Das Grünlandmonitoring der Landesanstalt für Landwirtschaft zeigt, dass gute Erträge in manchen Regionen bereits erreicht sind.

Ungeachtet der Temperaturbremse des Aprilwetters entwickelten sich die Erträge erfreulicherweise recht gut. Der ersehnte Niederschlag kam gerade noch rechtzeitig. Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Erträge auf ähnlichem Niveau, im Voralpinen und im Tertiär-Hügelland sogar bis zu 10 dt TM/ha darüber. Der angestrebte Ertrag von 30 bis 45 dt TM/ha kann somit in einzelnen Regionen, besonders im Voralpinen Hügelland und im Tertiär-Hügelland, bereits kommende Woche erreicht werden. Nur in den Agrargebieten Jura, Keuper und Nordbayerisches Hügelland deuten sich, ähnlich dem Jahr 2015, eher geringere Trockenmasseerträge an. Hier könnte die als schnittreif bezeichnete übliche „Bierflaschenhöhe“ der Bestände von der Entwicklung der angestrebten Inhaltsstoffe nach derzeitigem Kenntnisstand überholt werden.

Der optimale Schnittzeitpunkt

Neben dem Massezuwachs verändern sich die Pflanzen auch in ihrer Zusammensetzung. In den milden Lagen haben die frühen Gräser, wie Wiesenfuchsschwanz, bereits ihre Rispen geschoben. Mit dem Übergang in die generative Phase werden vermehrt Gerüststoffe wie Lignin und Cellulose gebildet. Sie sind in dem Laborwert ADFom zusammengefasst und sollten in guten Grassilagen unter 270 g/kg TM liegen, da ein steigender Gehalt die Energiekon-zentration mindert. Diese angestrebte Obergrenze könnte vielerorts bereits nächste Woche erreicht sein. Daher sollten Futter-
erntetechnik und Siloanlagen hergerichtet sein, um bestmöglich auf den Start der Siliersaison vorbereitet zu sein und somit optimale Futterqualitäten zu ermöglichen.

Rohprotein und Energie verhalten

Mit steigender Verholzung der Pflanzen sinken die Gehalte an Rohprotein und Energie. Die ange-strebten Rohproteingehalte von 150-170 g/kg TM werden in manchen Agrargebieten bald erreicht sein. Wie aus den grafischen Darstellungen ersichtlich ist, kommen die untersuchten Proben in allen Agrargebieten in die Nähe der empfohlenen Untergrenze von 6,6 MJ NEL/kg TM.
Der Orientierungswert für gute Silagen des ersten Schnittes liegt bei 6,4 MJ NEL/kg TM. Da durch den Siliervorgang Energie verloren geht, muss das Grüngut eine 0,2 – 0,3 MJ NEL/kg TM höhere Energiekonzentration aufweisen, also 6,6 – 6,7 MJ NEL/kg TM. Dies ist bei der Einsendung von Proben ins LKV-Labor Grub als „angewelktes Gras“ (Futternummer 1075) zu berücksichtigen. Während die Rohnährstoffgehalte der daraus erzeugten Silage vorausgeschätzt werden, kann die Energie nur für das Grüngut ausgewiesen werden. Die Silierverluste muss man noch abziehen.
Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass die Unterschiede zwischen den beprobten Beständen sehr groß sind. So ist die Ertragslage sehr differenziert und schwankt von 6 dt/ha bis 40 dt/ha Trockenmasse. Der Blick in den eigenen Wiesenbestand ist daher umso wichtiger. Die Inhaltsstoffe kann man den Aufwüchsen natürlich nicht ablesen, aber das Entwicklungsstadium der einzelnen Arten gibt wichtige Hinweise. So ist es in bestimmten Regionen wahrscheinlich, dass kein großer Ertragszuwachs mehr abgewartet werden kann, wenn die Qualität passen soll.

Große Unterschiede bei den Beständen

Bei dem vorhergesagten wechselhaften Aprilwetter werden sich die Bestände auch weiterhin unterschiedlich entwickeln. Vor allem bei frühen ersten Aufwüchsen, in Zusammenhang mit niedrigen Außentemperaturen und hoher Sonneneinstrahlung, kann der natürliche Besatz mit Milchsäurebakterien gering sein. Hier lohnt es sich, über den Einsatz eines entsprechenden Siliermittels der Wirkungsrichtung 1 (Verbesserung des Gärverlaufs) nachzudenken. Die bisher ermittelten Zuckergehalte sind mit ca. 113 g/kg TM auf dem Niveau zum Zeitpunkt der Ernte der letzten beiden Jahre. Für eine erfolgreiche Silierung ist ein Mindestgehalt von 50 – 60 g/kg TM erforderlich. Dieser Wert ist aktuell bis auf eine Ausnahme auf allen beprobten Standorten erreicht, allerdings sind hier noch starke Änderungen bis zur Ernte möglich.

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