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Brauweizen

Extrageld für extra mageren Weizen

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
11.08.2016

Zant - Auf den kargen Böden der Oberpfalz lässt sich guter Brauweizen erzeugen. Das geht leichter als aufwendiger Backweizen, bringt aber auch schöne Zuschläge.

Ganz ruhig und wie schon so oft reiben die Handflächen von Siegfried Bock die Weizenkörner aus der Ähre. Ein kurzer Puster und die Spreu fliegt davon, die Körner rieseln in den Eimer. Der ist noch leer und wird es auch bleiben, beim Feldtermin will der Landwirt und Agrarhändler vor allem zeigen, dass der Weizen nicht nur zum Brotbacken und Tiere füttern taugt, sondern auch zum Bier brauen. Rund um Bocks Betrieb in Zant bei Ursensollen (Lks. Amberg-Sulzbach) hat sich ein kleines bayerisches Anbauzentrum für Brauweizen herausgebildet.
Das ist an sich nicht neu, sagt Bock. Schon vor Jahrzehnten haben die Landwirte der Erzeugergemeinschaft dort in der nördlichen Oberpfalz Brauweizen produziert, aber sich nach und nach wieder da­raus zurückgezogen. Doch diese Verwertungsrichtung passt recht gut in die Gegend, wo sich auf den kargen Böden ein hochwertiger Backweizen nur mit viel Mühe erzeugen lässt und nicht in jedem Jahr mit Gewissheit die Scheunen füllt.
Bock selbst setzt seit rund 20 Jahren auf das Gegenprodukt des A- und des E-Weizens: den Brauweizen. Mittlerweile, sagt er, sei zwar auch die Braugerste nur mehr eine Nischenkultur, der Brauweizen aber war das schon immer und die Nische ist natürlich noch sehr viel kleiner. Doch einige Bauern in seiner Umgebung machen noch mit. Er hilft ihnen beim Vermarkten. Rund 2000 bis 4000 t laufen über seine Getreideboxen zu verschiedenen Mälzereien in Bayern.

Nicht zu spät den Stickstoff düngen

Der Anbau des Brauweizens ähnelt dem der Gerste. Sortierung und Keimfähigkeit müssen auch beim Weizen gegeben sein und auch der Weizen muss im Eiweißgehalt gebremst sein. Er hat mit etwa 12,5 % Rohprotein etwas mehr Luft als die Gerste. Dieser Wert lässt sich aber nicht einfach mit dem Eiweißgehalt beim Backweizen vergleichen, warnt der Agrarhändler, es werden andere Umrechnungsfaktoren von N zu Eiweiß angewandt. Um die Eiweißgrenze beim Brauweizen nicht zu reißen, empfiehlt Bock ganz einfach, den Stickstoff im Frühjahr zu düngen. „Ende April ist Schluss mit der N-Düngung“, sagt er. Die Ährendüngung verbietet sich.
Allerdings darf der Anbauer in diesem Zeitraum trotzdem nicht nur beim Wachsen zuschauen. Denn neben erhöhten Proteinwerten ist vor allem eine Gruppe von Pilzen das Hauptproblem für den Brauweizen: Fusarium. Wenn Fusariumpilze auf den Körnern sich ansiedeln, ist die Verwertung als Brauweizen in Gefahr. Zum einen leidet sofort die Sortierung – das ist übrigens auch der Grund, warum der Stoppelweizenanbau für den Brauweizen ungünstig ist –, zum anderen sind Fusariumbelastungen im Brauprozess gefürchtet. Es droht das sogenannte Gushing.
In diesem Zusammenhang macht sich das Nischendasein des Brauweizens leider negativ bemerkbar. Weil kaum eine Partie eine Getreidebox beim Landhändler komplett füllt, sondern meist erst der Ertrag von mehreren Landwirten, drohen diesen allen Einbußen, wenn eine Mälzerei den angelieferten Weizen zurückweist.

Risikofrucht ja, aber nicht so wie die Gerste

Um dieses Risiko zu minimieren und weil sich der Fusariumbefall nicht so einfach überprüfen lässt, schickt Bock immer erst eine kleine Probe von etwa einem Kilo an die Mälzerei, die den Weizen ankeimen lässt und vermälzt und anschließend hoffentlich ihr Okay gibt. Trotzdem empfiehlt Bock immer wieder, dass Erzeuger den Brauweizen zunächst selbst lagern.
Für ihn können sie in aller Regel einen Zuschlag auf den normalen Brotweizen erwarten. 2 bis 5 €/dt sind in etwa die Spanne, wie Bock sagt. Heuer gibt es zum Start circa 18 €/dt ab Station. Das lässt sich schon sehen. Zumal der Brauweizen mit seiner Qualitätsbezahlung zwar schon auch eine Risikofrucht ist, aber nicht so sehr wie die Braugerste. Denn für den Brauweizen eignen sich vor allem die ertragreichen C-Weizen. Selbst wenn also der Brauweizenanbau misslingt, kann der Erzeuger zumindest einen hohen Futterweizenertrag vom Acker holen.
Derzeit scheint die Sorte Elixer im Brauweizenanbau die Nase vorne zu haben. Es sind immer nur einzelne Sorten, die als Brauweizen angebaut werden. Früher war es Atlantis, dann folgte die Sorte Hermann, jetzt eben Elixer. Bock selbst baut auch noch die Sorte Mulan an, doch das dürfte bayernweit eine Ausnahme sein. In Aussicht für die Zukunft steht eventuell die Sorte Faustus an, sie ist zwar als B-Sorte eingestuft, jedoch mit niedrigem Rohproteingehalt.
Auch andere Sorten zeigen sich in LfL-Sortentests als Brauweizen geeignet. Vereinfacht gesagt müssen die Sorten die Qualitätsvorgaben möglichst gut einhalten, also schöne Körner mit wenig Eiweiß bilden und vor allem eben dürfen sie nicht anfällig für Fusarium sein.
Auf den Äckern von Siegfried Bock wächst Weizen nur mit diesem Verwertungsziel. Er hat sich – wie es scheint – ganz der Erzeugung von Bierrohstoffen verschrieben. Denn außer rund 150 ha Weizen erzeugt er auch 50 ha Sommer- und 150 ha Winterbraugerste. Offenbar kommt er mit den Mälzern als Abnehmer gut zurecht, auch wenn er im Gespräch mit dem Wochenblatt schon auch zu erkennen gibt, dass es nicht mit allen Mälzern gleichermaßen gut klappt.
Gut klappen muss in jedem Fall zunächst der Anbau. Der Weizen am besichtigten Feld ist Ende Juli fast reif. Das Stroh ist trocken, die Nährstoffe ins Korn umgelagert. 80 bis 90 dt/ha erhofft sich Bock von diesem Schlag. Das wären rund 10 % weniger als 2015, aber immer noch ein ansehnlicher Ertrag, vor allem wenn später der Preis auch passt.

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