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Faszinierend

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
14.03.2019

Ein Kommentar von Wochenblatt-Redakteur zum Thema Kartoffelanbau

Wolfgang Piller

Bayerns Kartoffelanbau ist eine faszinierende Geschichte. Und das nicht nur wegen seiner interessanten Historie, sondern vor allem wegen seiner aktuellen Vielfalt. Dabei müsste einem angst und bange werden. Denn Nudel und Reis machen seit Jahrzehnten der Kartoffel als Beilage ernsthafte Konkurrenz. Aber das ist nur die eine Seite der Geschichte. Die andere ist, dass (vor-)verarbeitete Kartoffelprodukte sich einer immer höheren Beliebtheit erfreuen. Egal ob Pommes frites oder Chips, Teigprodukte wie Knödel und Gnocchi – die Kartoffel findet auf diesen Wegen ihren guten Absatz. Selbst die Stärkekartoffel erfreut sich nicht zuletzt wegen des Booms der Verpackungsindustrie einer verstärkten Nachfrage. Das Schöne dabei ist: Bayern spielt überall mit! Mehr Vielfalt gibt es in solcher Nachbarschaft nirgends.

Fast jeder Erzeuger dürfte mittlerweile seinen Speisekartoffelanbau durch einen Vertrag mit einem Verarbeiter – oder als Vermehrer mit einem Züchterhaus – unterstützen. Aber egal ob als Partner der Abpacker für den LEH oder als Rohstofflieferant für eine Fabrik – beides erfordert einen verlässlichen Anbau. Doch zuletzt war ein Jahr nach dem anderen schwierig: In den feuchten Jahren gilt es, Phytophthora abzuwehren, und dafür braucht es eine robuste Auswahl an Fungiziden. Noch eindrücklicher aber haben Trockenheit und Hitze es der Kartoffel schwer gemacht – bei beiden würde vor allem mehr Beregnungsfläche den Erzeugern aus der Patsche helfen.

Selbstverständlich muss die Trinkwasserversorgung sichergestellt sein, dem dürfte niemand widersprechen. Doch das öffentliche Bewusstsein sollte sich auch wieder mehr dem Thema Versorgungssicherheit widmen. Kartoffeln sind eine durch und durch beregnungswürdige Kultur. Die Öffentlichkeit und damit auch die zuständigen Behörden müssen den Bedarf an Beregnungswasser mehr anerkennen. Nur dann kann der bayerische Kartoffelanbau so faszinierend vielfältig bleiben.

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