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Derbrüssler

Gefährlicher Schädling bedroht Rübenfelder

Zuckerrübe
aiz
am
30.04.2018

Der Derbrüssler lässt derzeit die österreichischen Rübenbauern verzweifeln.

Er vernichtet die frischen Rübenkeimlinge und das vollständig. Mittlerweile geht man davon aus, dass schon 6.000 ha Zuckerrübenfläche vernichtet worden sind und fast täglich kommen neue Schadensmeldungen dazu. Betroffen sind die Rübenbaugebiete rund um Tulln, Teile des Weinviertels und vom Marchfeld sowie einige Regionen südlich von Wien.

Damit wären aktuell 15% der österreichischen Zuckerrübenfläche vernichtet. Was kann man in so ein em Fall tun? "Warten, Spritzen, Nachbauen - das sind die vorhanden Möglichkeiten. Bei einer Änderung der Kulturen besteht auch im Antragswesen Handlungsbedarf", informieren Pflanzenbau-Experten der LK Österreich.

Bei einem mäßigem Befall durch den Rübenderbrüssler wirkte die Neonicotinoid-Beize bisher ausreichend, auch ohne Folgespritzung. Bei Starkbefall ist nach derzeitigem Sichtbild keine ausreichende Wirkung der Beizung gegeben, so die Experten.

Bei steigender Intensität des Befalls bestehen weniger Bekämpfungsmöglichkeiten. Aktuell gibt es Notfallzulassungen von Biscaya und Trico, einem Repellentpräparat. Die Spritzungen sind bei heißer Witterung jedoch nur eingeschränkt wirksam. Wenn die Rüsselkäfer mit einem Pyrethroid geschwächt werden, kann bei Folgespritzung mit Agritox oder Biscaya spätestens einen Tag danach eine gute Wirkung erzielt werden. Bedingt wirksam ist das Anlegen von Fanggräben, wo die Käfer hineinfallen sollen.

Nachbau mit Restrisiko verbunden

Wenn man bei einem nicht zu intensiven Befall eine Insektizid-Anwendung durchgeführt hat, ist - die Schwierigkeiten des Aufgangs bei der jetzigen Trockenheit nicht eingerechnet- der Nachbau von Rüben vom Druck der Derbrüssler her relativ erfolgversprechend.

Bei einem Nachbau von Mais, Sonnenblume und Soja etc. ist aus Pflanzenschutzsicht grundsätzlich immer eine Bodenbearbeitung empfohlen, was aber bei trockenen Verhältnissen wiederum suboptimal ist. Von den Pflanzenschutzmittelfirmen wird bei vorzeitigem Umbruch der Rübe eine wendende Bodenbearbeitung mehr oder weniger vorgeschrieben. Ein Restrisiko für den Nachbau, wenn schon NAK-Spritzungen gemacht wurden, bleibt in jedem Fall bestehen und es wird keine Gewähr für eventuelle Folgeschäden übernommen.

Unter den derzeitigen Umständen kommen im Normalfall nur zwei Möglichkeiten in Frage: eine Direktsaat von Mais, Hirse oder Sonnenblume auf 4 cm Tiefe unter den Spritzfilm. Falls Debut bei der NAK-Spritzung dabei war, wird bei Nachbau von Sonnenblume eine Tribenuron-tolerante Sorte empfohlen. Die Alternative ist eine mischende Bodenbearbeitung auf mindestens 10 cm, speziell vor Sojabohne.

Konsequenzen für Invekos

Sollte der Mehrfachantrag-Flächen 2018 bereits eingereicht sein und die beantragte Schlagnutzung "Zuckerrübe" muss aufgrund des Schädlings Rübenrüssler umgebrochen werden, dann kann mittels Korrektur bis 11. Juni 2018 prämienfähig eine andere Kultur nachbeantragt werden (Buchweizen, Kürbis, Sonnenblume usw.). Sollte keine Nachfolgekultur wie Mais oder Soja möglich erscheinen, besteht auch die Option, diese Flächen als Grünbrache zu beantragen.

Eine Korrektur ist hier auch nach dem 11. Juni machbar, sollte aber so rasch wie möglich erfolgen. Sind Änderungen der beantragten Flächen durch unvorhergesehene Ereignisse notwendig, so wird unbedingt eine betriebliche Dokumentation empfohlen (Anbau, Pflegemaßnahmen, Foto von geschädigter Fläche, Umbruch, Nachfolgekultur), um diese bei Vor-Ort-Kontrollen vorzeigen und erklären zu können.

Im ÖPUL 2015 ist bei der Maßnahme "Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung" zusätzlich auf bestimmte Sachverhalte zu achten, wie auf die Einhaltung der Fruchtfolgeauflagen auf Ackerflächen mit dem maximalen Getreide- Maisanteil von 75% beziehungsweise darf keine Kultur mehr als 66% von der Ackerfläche betragen (ausgenommen Ackerfutter). Weiters sind die allfälligen Aufzeichnungspflichten über die Stickstoff-Düngung und den Pflanzenschutz zu beachten.

Niederschläge und zügiges Wachstum am wirksamsten

Nachdem der Käfer auch ab Temperaturen von 20 Grad fliegt, ist davon auszugehen, dass er Rübenflächen außerhalb der aktuellen Befallsflächen ebenfalls noch schädigen kann. Der Käfer kann jedoch nur bis zum Zwölf-Blatt-Stadium der Rübe Schäden verursachen. Niederschläge und ein zügiges Wachstum der jungen Rübenpflanzen sind daher am wirksamsten gegen ihn.

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