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Pflanzenschutz

Nicht geliebt, aber geschätzt

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
13.05.2016

München - Pflanzenschutz soll Schäden von der zukünftigen Ernte abhalten.

Wolfgang Piller

Ach ja endlich wieder die Feldspritze anhängen, Chemie in den Tank und raus, die Natur vergiften – manchmal könnte man meinen, die Nicht-Landwirte halten genau das für die größte Vorliebe eines konventionellen Ackerbauern. Doch sie übersehen dabei, dass der chemische Pflanzenschutz für die Landwirte nur ein Werkzeug ist. Es soll Schäden von der zukünftigen Ernte abhalten. Weltweit gehen eine Menge an Ernteprodukten verloren, weil die nötigen Mittel zur Abwehr von Schädlingen und Pilzen, aber auch zur Regulierung von Unkräutern fehlen. Die Alternative wäre, wieder mehr menschliche Arbeitskraft im Ackerbau einzusetzen.
Die Arbeit ist mit der Chemie natürlich nicht komplett unnötig geworden. Ein Teil davon findet vor dem eigentlichen Einsatz statt, denn gerade das Werkzeug Pflanzenschutzmittel muss mit Sinn und Verstand eingesetzt werden. Laut guter fachlicher Praxis nur dann, wenn beispielsweise der Nutzen tatsächlich größer ist als der zu erwartende Schaden. Die Monitoringberichte im Wochenblatt unterstützen die Landwirte dabei, ihr Werkzeug zielgenau und bedarfsgerecht einzusetzen. Getreu dem Motto: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.
Kein Ackerbauer sollte es sich mit diesem Werkzeug leicht machen. Nicht nur, weil der Spaziergänger so sensibel darauf reagiert, wenn er im Frühjahr einen abgespritzten Zwischenfruchtbestand glyphosat-gelb herausleuchten sieht. Sondern vor allem, weil ihm das Werkzeug als erstes selbst auf die Füße fällt, wenn es nicht sachgerecht eingesetzt wird – das Stichwort dazu lautet Resistenzen. Der chemische Pflanzenschutz sollte auch nach außen als das dargestellt werden, was er ist: ein Werkzeug, er ist kein Skandal. Ein Werkzeug wird geschätzt, nicht geliebt. Dazu muss es aber weiterentwickelt werden können und dürfen.

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