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Pflanzenschutz

Getreide: Die letzten Behandlungen stehen an

Winterweizen in der Blüte
Stephan Weigand Bettina Schenkel Thomas Lechermann LfL Pflanzenschutz, Freising
am
08.06.2017

Freising - In späten Weizen- und Sommergerstenbeständen stehen die Abschlussbehandlungen bevor. Das Wetter sorgt für einen weiterhin hohen Infektionsdruck.

Seit Ende Mai ist der Infektionsdruck in den Getreidebeständen hoch, dafür sorgte ein steter Wechsel von Tiefdruckgebieten mit lokal ergiebigen Regenmengen und strahlungsreichen sommerlich warmen Hochdruckphasen.
Da aktuell, je nach Bodengüte und lokaler Regenmenge, meist von einer normalen und nicht durch Trockenheit beschleunigten Abreife auszugehen ist, wird auch die Dauerwirkung der abschließenden Fungizidmaßnahmen wieder zum Tragen kommen. Denn insbesondere der zuletzt deutlich zunehmende Pilzbefall in den bislang unbehandelten Monitoringflächen zeigt, dass auch 2017 mit einem späten Krankheitsdruck zu rechnen ist, der die Erträge und Qualitäten ohne ausreichenden Schutz noch entscheidend beeinflussen kann.
Aufgrund des insgesamt wesentlich geringeren Ausgangsbefalls sind allerdings deutlich niedrigere Ertragseffekte zu erwarten als dies zuletzt im Starkbefallsjahr 2016 der Fall war.
Im Gegensatz zur frühen Schossphase des Weizens, wo die Bestände bei kühlen Temperaturen teils mehr als vier Wochen vom Schossbeginn bis zum Drei-Knoten-Stadium benötigten, hat sich die Entwicklung mit der Wärme der letzten beiden Wochen rasant beschleunigt. Spitzte vor zwei Wochen meist erst das letzte Blatt (BBCH 37), so haben viele Bestände über Pfingsten mittlerweile die Ähren geschoben und sind unmittelbar in die Blüte übergegangen. Nach den letzten Niederschlägen vom Dienstag und dem stürmischen Mittwoch, wurde vielerorts der Donnerstag genutzt, um eine abschließende Ährenbehandlung im Weizen durchzuführen. Wo die Blüte erst im Laufe dieser Woche begann, ist dies auch noch nach den für dieses Wochenende vorhergesagten Regenfällen möglich.

Letzte Absicherungsmöglichkeit nutzen

Zur Bekämpfung von Ährenfuriosen oder Braunrost sind viele Weizenfungizide bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) zugelassen. Insbesondere bei schlagspezifischem Fusariumrisiko (Maisvorfrucht, Ernterückstände auf der Bodenoberfläche, fusariumanfällige Sorte) sollte diese letzte Absicherungsmaßnahme auch genutzt werden, denn Regen und Temperaturen über 20 °C in der infektions-kritischen Zeitspanne bis zum Ende der Blüte sprechen auch heuer wieder für ein erhöhtes Infektionsrisiko auf solchen Flächen.
Treffen mehrere Risikofaktoren zusammen, werden Regelaufwandmengen von Osiris, Prosaro/Sympara, Input Classic, Soleil, oder Proline + DON-Q, ohne Carboxamidvorbehandlung auch von Skyway Xpro empfohlen.
Eine gute Grundabsicherung gegen Fusarium ist dagegen möglich mit Ampera, Caramba, Ceralo, Fezan, Folicur, Helocur oder Pronto Plus. Sämtliche Produkte sind auch ausreichend roststark.
Soll, bei stärkerem Septoria-Befall, mit der Ährenbehandlung die Schutzwirkung der oberen Blätter gegen letzte Infektionen ergänzt werden, eignen sich dafür die erstgenannten Produkte, mit Ausnahme von Soleil.
Vor allem in manch dichten Beständen oder bei anfälligen Sorten hält sich weiterhin der Mehltau. Unter den Fusariumpräparaten bringen hier Input Classic, Ceralo oder Pronto Plus die stärkste Mehltauwirkung.

Den Ramularia-Schutz nicht vergessen

Auch viele Sommergersten haben über Pfingsten bereits die Ähren geschoben, lediglich in späteren Anbaulagen ist dies im Laufe dieser Woche geschehen oder steht kurz bevor. Mit dem Beginn der Blüte (BBCH 61) endet die Möglichkeit Fungizide in der Sommergerste einzusetzen. Neben den frühen Schwellenüberschreitungen bei Mehltau zeigen die unbehandelten Monitoringflächen seit der letzten Woche, ebenso wie die ersten Proben vom Dienstag, nun auch ersten bekämpfungswürdigen Befall mit Netzflecken und Zwergrost.
Neben diesen „klassischen“ Schadpilzen sollte eine abschließende Behandlung stets eine ausreichende Wirkung gegen die späten Ramularia-Sprenkelnekrosen aufweisen. In den Mischungen ist daher konsequent auf den Zusatz des Kontaktwirkstoffes Chlorthalonil (in Credo oder Amistar Opti) zu achten. Die bei der Wintergerste üblichen Aufwandmengen lassen sich bei Behandlungen ab dem Grannenspitzen (BBCH 49) um etwa 20 bis 30 % reduzieren.
Die Pflanzenproben sind aus Praxisschlägen entnommen. Die Ergebnisse sollen die Befallssituation regional bewerten, können jedoch nicht die Kontrolle auf dem Einzelschlag ersetzen. Unter www.LfL.bayern.de kann die Befallssituation von 74 Winterweizen-, 25 Sommergerstenschlägen sowie einem Dinkelschlag abgerufen werden.

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