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Pflanzenschutz

Getreide: Lokaler Regen erhöht Infektionsrisiko

Weizen schiebt die Aehren
Freising
am
01.06.2017

Freising - Nach fast zwei Wochen ohne Niederschläge und einer bis zum Wochenbeginn andauernden Hitzeperiode haben die teils heftigen Gewitter in dieser Woche wieder Feuchtigkeit und damit auch Infektionspotenzial in die Bestände gebracht.

In Weizen oder Triticale sollte spätestens jetzt der Fungizidschutz der oberen Blattetagen abgeschlossen werden. In Triticale schließt dieser Schutz seit dieser Woche auch die Ähren mit ein, ebenso bei den ersten Weizenbeständen ab kommender Woche.
Winterweizen hat in ganz Bayern das Fahnenblatt vollständig geschoben (BBCH 39), vielfach waren bereits zu Wochenbeginn die Ähren im oberen Halmabschnitt deutlich zu spüren. Frühe Sorten sowie Bestände in wärmebegünstigten Anbaulagen werden ab kommender Woche die Ähren schieben. Bei anhaltender Wärme bedeutet dies in Weizen oft den unmittelbaren Übergang in die Blüte, erkennbar an den ersten he­rausgeschobenen Staubbeuteln.

Infektionsnah gegen Fusarium behandeln

Winterweizenmonitoring

Die damit verbundene kurzzeitige Öffnung der Ährchen stellt zugleich auch die wichtigste Eintrittspforte für Fusariumsporen dar. Zur Infektion sind allerdings zusätzlich Regenmengen von 2 l/m2 oder mehr nötig, um die sehr lichtempfindlichen Sporen auch in die Ährchen einzuwaschen.
Gezielte Fusariumbehandlungen auf Risikoflächen waren daher für Triticale teils schon mit den Gewittern dieser Woche sinnvoll, für erste Weizenschläge beginnt diese infektionskritische Periode nach den Feiertagen. Eine Fusariumbehandlung sollte grundsätzlich infektionsnah, kurz vor oder innerhalb weniger Tage nach einem Regen erfolgen. Sollte die wechselfeuchte Witterung mit Temperaturen über 20 °C anhalten, ist auch heuer wieder mit stärkerem Fusariumbefall zu rechnen (Hinweise dazu im Wochenblatt Heft 20 ab Seite 30).
Auch ohne Fusariumrisiko sollte dort wo Regen fiel und bislang noch keine Behandlung erfolgte oder eine Erstbehandlung weiter als drei Wochen zurückliegt, in vielen Fällen die Abschlussmaßnahme erfolgen. Denn wie erwartet bricht seit letzter Woche auch bei vielen lange nahezu befallsfreien Monitoringflächen jetzt deutlich Septoria hervor. Gleiches gilt auch für den Gelbrost, der sich auf den unbehandelten Flächen zwar langsam aber stetig ausbreitet.
Mit der erneuten Feuchte kann auch der Mehltau, der sich heuer in vielen Beständen findet, wieder neu aufleben und oftmals ausgehend von Nebentrieben neue Infektionen setzen. Bei stärkerem Befall sollte auch in der Abschlussbehandlung auf eine ausreichende Mehltauwirkung geachtet werden.Dies gilt vor allem für Güllebetriebe, sowie grundsätzlich für mittel oder stärker anfällige Sorten wie Akteur, Faustus oder Kerubino. Allerdings sind im Monitoring aktuell mit Elixer, Julius, Patras oder RGT Reform gerade weniger anfällig eingestufte Sorten am häufigsten befallen.
Auch die Infektionsgefahr durch DTR steigt, besonders auf Risikoflächen mit Weizenvorfrucht. Sind bei nur 10 % der Pflanzen auf älteren Blättern typische Symptome zu finden, sollte sehr nah am Regen eine Behandlung erfolgen. Bei stärkerem Befall wird eine Ergänzung mit dem Wirkstoff Propiconazol empfohlen, zum Beispiel über Achat, Agent, Gladio oder Taspa. Speziell bei der Sorte Patras ist allerdings aktuell zu beachten, dass hier ähnlich wie etwa früher bei den Sorten Astron oder Tommi, neben unspezifischen chlorotischen Aufhellungen auch Blattflecken auftreten, die denen von DTR sehr ähneln, sich darin aber kein pilzlicher Erreger feststellen lässt.
Bei deutlich sichtbarem Befall von Septoria, Mehltau oder Gelbrost bieten sich für die Abschlussbehandlung (ohne Fusariumrisiko) weiterhin Regelaufwandmengen leistungsfähiger Carboxamid-Azol-Präparate oder -Mischungen, wie zum Beispiel Adexar, Aviator Xpro, Ceriax, Elatus Era Opti, Seguris Opti oder Mischungen von Amistar Opti oder Credo mit Input Classic, Input Xpro, Opus Top oder Epoxion Top an.
Ab Mitte Ährenschieben (BBCH 55) lassen sich die Regelaufwandmengen moderat um etwa 20 % reduzieren. Fielen die Niederschläge sehr heftig aus oder war möglicherweise sogar leichter Hagel dabei, sollten Fungizide frühestens nach einem Tag Pause eingesetzt werden, damit sie auf eine wieder ausreichende Wachsschicht treffen.
In weiterhin sehr blattgesunden Beständen oder dort wo auch in dieser Woche kein Regen fiel, kann noch das Ährenschieben abgewartet werden, um dann ein einfaches Azolpräparat zur Absicherung gegen mögliche Spätinfektionen (Roste, Septoria) einzusetzen. Dazu eignen sich Teilmengen von roststarken Fusariummitteln, wie Osiris, Prosaro/Sympara, Input Classic, Soleil, Ampera, Ceralo, Folicur, Helocur, Pronto Plus, sowie ohne Fusariumwirkung gegen DTR und Septoria auch Taspa, gegen Roste und Mehltau auch Alto 240 EC.

Triticale: Nicht überall sind Fungizide nötig

Triticale hatte zu Wochenbeginn die Ähren teils oder bereits vollständig geschoben (BBCH 51 – 59). Heuer waren in vielen Triticalebeständen bereits in der Schossphase Blattbehandlungen gegen Mehltau, Rhynchosporium oder, häufiger als bei Weizen, auch gegen Gelbrost nötig. Je nach Termin und Mittel sind hier in der Regel keine weiteren Behandlungen mehr nötig.
Letzte Maßnahme bleibt eine gezielte Ährenbehandlung gegen Fusarium bei schlagspezifischem Risiko. Teils war dies bereits nach den Gewittern in dieser Woche sinnvoll. Gegen Ährenfusariosen sind in Triticale Regelaufwandmengen von Input Classic, Osiris oder Helocur geeignet. Eine gute Fusariumwirkung bei spätem Einsatz (bis BBCH 69) gegen Braunrost besitzen zudem auch Ampera, Input Xpro, Orius, Prosaro/Sympara oder Skyway Xpro. Dort wo es in gesunden Beständen ohne Fusariumrisiko auch nach dem Ährenschieben weiterhin trocken bleibt, oder wo auf leichteren Standorten mit einer rascheren Abreife zu rechnen ist, kann heuer der Verzicht auf Fungizide die wirtschaftlichste Option sein.

Ramularia-Schutz auch in der Sommergerste

Die meisten Sommergersten haben den Blattapparat vollständig ausgebildet und lassen sich mit einer Maßnahme abschließend schützen. Bis auf den frühen Mehltaubefall bei den Sorten Grace, Avalon Catamaran und RGT Planet sind im Monitoring bislang keine weiteren Bekämpfungsschwellen von „klassischen“ Schadpilzen überschritten.
Wie bei der Wintergerste wird allerdings auch in der Sommergerste in ganz Bayern ein abschließender Schutz gegen Ramularia-Sprenkelnekrosen empfohlen. Da Ramularia gegen viele Wirkstoffgruppen bereits Resistenzen zeigt, gelingt dies am sichersten durch den Zusatz des Kontaktwirkstoffes Chlorthalonil (in Credo oder Amistar Opti). Als breitwirksame Mischungen eigenen sich daher ab BBCH 39 zum Beispiel (je ha) 1,0 l Adexar, 0,6 l Aviator Xpro, 1,2 l Ceriax, 0,8 l Elatus Era, 1,0 l Input Xpro oder 0,8 l Seguris jeweils in Kombination mit 1,0 l Credo oder 1,2 l Amistar Opti. Weitere empfohlene SDHI-freie Mischungen sind zum Beispiel 0,6 l Input Classic, 0,8 l Ceralo, 0,5 l Gladio oder 1,0 l Opus Top jeweils in Kombination mit 1,2 l Credo oder 1,5 l Amistar Opti.

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