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Silagebereitung

Grünfutterernte - von der Wiese schnell und sauber ins Silo

1-Mähen-Löwenzahnblüte
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
11.04.2018

Die Trends bei der Technik für die Futterernte beziehen sich in erster Linie auf höhere Schlagkraft und schonende und saubere Ernteverfahren. Auch der Wildschutz beim Mähen ist und bleibt weiterhin eine Herausforderung.

8.Transport

In der Grünfutterernte schreitet die technische Entwicklung rasend schnell voran. So haben nicht nur die aktuellen Mähkonzepte ein sehr hohes technisches Niveau erreicht. Der Trend zum Mähen in Kombination mit oder ohne Schwadablage bei großen Arbeitsbreiten ist ungebrochen. Zudem bestimmen narbenschonende Steuerungen beim Auflagedruck bei den Herstellern die Entwicklung. Auch die nachfolgenden Arbeitsschritte wie Zetten, Schwaden und Bergen stehen ganz im Zeichen der Flächenleistung und Futterschonung. Denn bei der Grünfutterernte kommt es auf hohe Schlagkraft und sauberes Grundfutter an. So versucht man hohe Qualität zu erreichen trotz des sehr kleinen Zeitfensters, das vom richtigen Mähzeitpunkt sowie vom hohen Wetterrisiko bestimmt ist. „Die Futterhygiene entscheidet über Silierverluste und Futteraufnahme. Vom Mähen über das Schwaden bis zum Bergen verfolgen technische Entwicklungen dieses ökonomisch und ökologisch wichtige Ziel. Das kann der erste Überladewagen auch für sich in Anspruch nehmen“, wie es Heinz-Günter Gerighausen (Landwirtschaftskammer NRW) in seinem Trendbericht zur Agritechnica formulierte.

Wildschutz beim Mähen

9-Ladewagen

Von sehr großer Bedeutung ist nach wie vor der Wildschutz beim Mähen. Besonders beim ersten Schnitt setzen und brüten die meisten Wildtiere. Mit Drohnen und Infrarotkameras, Scheuchen und akustischen Geräten versucht man, das Wild vor dem Mähen aus dem Bestand zu vergrämen oder zu erkennen. Die Erfolgsquote ist nicht zufriedenstellend. Durch die getöteten unentdeckten Tiere und damit Kadaver besteht in der Silage- und Heuproduktion die Gefahr von Botulismus in der weiteren Fütterungskette, der für die Tiere tödlich enden kann. Der neue Sensorschutz besteht aus mehreren Komponenten. Vor der Mäheinheit ist ein Sensorbalken montiert. Die Sensoreinheiten bestehen aus optischen Infrarot-Sensoren und integrierter LED-Beleuchtung. Über CAN-Bus werden die empfangenen Signale verarbeitet, an ein spezielles Ventil mit Öldruckbehälter an der Mähwerkshydraulik gesendet und das Mähwerk im Erkennungsfall blitzschnell ausgehoben. Die hohe Abtastrate der Sensoren erlaubt Geschwindigkeiten von 12 km/h mit sehr sicherer Erkennung des Wildes. Eine weitere Unterstützung bieten bei den Mähwerkskombinationen Lenkwinkel-, Neigungs- und Gyrosensoren für den sauberen Schnitt, ohne Restbärte, in Kurven als auch bei Hangfahrten. Viele Hersteller haben die Notwendigkeit erkannt und bieten diese Technik zur Sicherung der Futterqualität an. Bei Mähwerken mit Schwadzusammenführung erlauben diese Sensoren, die Bandgeschwindigkeiten der Neigung anzupassen. Das obere Band läuft langsamer, bzw. das untere Band schneller. Mit dem Ergebnis: ein gleichmäßig geformter Schwad. In Kombination mit der Auflagedruckregelung ist es möglich, die Hangabdrift von Schlepper und Mähwerk deutlich zu vermindern.

Neue Generation von Bandschwadern

3-Schwaden

Das Segment Futterernte ist immer wieder von interessanten Entwicklungen bei der Schwadtechnik geprägt. Zur Unterstützung der Futterhygiene gibt es jetzt eine neue Bandschwadergeneration, die mit vielen Finessen das Schwad, die Futterhygiene, die Flächen- und Verfahrensleistung neu definiert (siehe dlv-Magazin Traction, Heft 3, Seite 72). Schaut man sich diese Technik im Detail an, fallen optisch schon einige Besonderheiten auf: Vor der Pick-up ein Rollenniederhalter, eine kleine Pickup mit max. 30 cm Bauhöhe, sechs ungesteuerte Zinkenreihen mit auf Schlepp gekröpften Zinken, verwindungsweiche Pick-up, oberhalb der Pick-up ein aktiv angetriebener und steuerbarer Rotor, ein querlaufendes Gummiband mit variabel einstellbaren Geschwindigkeiten. Ergibt in der Summe eine Technik, die mit zwei Elementen mit jeweils 4,5 m Arbeitsbreite in der gezogenen Variante einem Sechskreiselschwader in puncto Leistung und Arbeitsqualität das Fürchten lehren kann.

Neue Überladewagen

3.1-Schwaden

Bisher stand die Entwicklung bei der Futterernte unter dem Motto „größer und leistungsfähiger“. Mit einem neuen Überladewagen werden die wesentlichen Baugruppen eines Ladewagens getrennt gefahren. Pick-up, Rotor und Messergruppe bilden das Hauptarbeitsmodul. Um fast nonstop ernten zu können, bietet ein Zwischenbunker die Möglichkeit, während eines Wagenwechsels dennoch weiterfahren zu können. Das Überladen auf die Abfuhrwagen übernimmt ein Überladeband.

Mehr Rund- und Quderballen

6-Pressen

Rund- und Quaderballen steigern stetig ihren Marktanteil bei der Futterernte. Für Betriebe mit weit entfernten Flächen und/oder nicht ausreichendem Vorschub im Sommer bieten diese Ballen in der Fütterungskette eine Alternative. Durch die Ausstattung mit NIRS-Sensoren, Waage und GPS lassen sich Ballen nach Sollgewicht pressen, die Futterqualität mit Ortung ablegen und anschließend sammeln, als auch schlagspezifisch die Qualitäten dokumentieren.

Neues Bindesystem in Ballenpressen

2-Mähen

Für den Rundballen ist die Mantelfolie statt Netz schon gut etabliert. Mit Silage-Wrap gibt es eine neue Lösung zum Binden von Rundballen mit einer speziellen, neuartigen Mantelfolie in Festkammerballenpressen. Dank eines neuen Bindesystems mit einer innovativen Folie mit vordefinierten Abschnitten und eines integrierten Haftklebestreifens zum Verschließen, kann die Zeit zum Binden eines Ballens im Vergleich zu existierenden Mantelfolienbindesystemen verkürzt und der Verbrauch an Folie deutlich verringert werden.

Konventionelle Anhängertechnik

4-Schwaden

Zum Transport von Rundballen steht in erster Linie konventionelle Anhängertechnik zur Verfügung. Geladen wird mit einem Lader und einer Spezialgabel. Ballenladewagen werden zunehmend nachgefragt. Nach dem Motto: Ein Mann, ein Schlepper, ein Gerät sind Aufnehmen und Transportieren in einem Gespann vereint. Die technische Ausgestaltung ist breit gefächert. Vom einfachen Gerät mit Stillstand bei der Aufnahme bis zum kontinuierlichen Ladeprozess reicht die Palette.

Überladen auch bei der Futterernte

5.Pressen

Der Clou dieser interessanten Entwicklung: Der Schlepper, der dieses Anhängegerät antreibt, setzt seine Leistung für das Aufnehmen, etwas vorverdichten, schneiden und fördern ein. Verdichten, wie im Ladewagen, ist hier nicht gefragt. Somit können Schlepper mit 120 bis 150 PS gute Durchsatzleistungen erzielen, mit geringem Eigengewicht und damit geringem Bodendruck. Und das ist wieder von Vorteil für die Spurtiefen, die beim nächsten Schnitt nicht so zu erkennen sind. Außerdem können die vorhandenen Transporteinheiten für die Maisernte hier zusätzlich ausgelastet werden. Beim Feldhäcksler ist der begrenzende Faktor die Reifenbreite, um innerhalb der Vorgaben nach StVZO zu bleiben. Um auch bei widrigen Verhältnissen bodenschonend zu ernten, sind größere Aufstandsflächen gefragt. Die bekannten Raupenfahrwerke lassen sich auch beim Häcksler nutzen. Mit einer Vorgewendeschonung, einer intelligenten und automatischen Ansteuerung des Fahrwerkes, wird die Aufstandslänge des Fahrwerkes verkürzt.

Fazit und Ausblick in die Zukunft

7.Silieren

Auch in der Grünlandernte werden die Maschinen immer intelligenter. Kein Restbart in Kurven- und Hangfahrten und gleichmäßige Schwaden bei der Schwadzusammenführung sind ein Teil der Entwicklung, die bereits praxisreif sind. Eine neue Bandschwadergeneration und Raupen statt Reifen bei den Häckslern bilden den nächsten Schritt für eine schonende Ernte auf der Wiese. Ist der Überladewagen auch für die Futterernte eine Lösung, wo die Pick-up, Rotor und Schneidwerk nicht mehr so viel ungenutzt spazieren fahren, sondern wie beim Häcksler auf der Fläche ihre Leistung abgeben? Die Praxis wird das entscheiden.

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