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Bodenfruchtbarkeit

Der Humusaufbau der Zukunft

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Karola Meeder, Wochenblatt
am
17.11.2016

München - Überaus wichtig, aber oft vernachlässigt: Der Humus stand im Mittelpunkt bei einem GKB-Feldtag in Unterfranken. Ein Aspekt galt dabei der Cultandüngung.

Zinkendrillmaschine

Allzu viele Ackerbauern haben in der Vergangenheit dem Humusabbau zu wenig Beachtung geschenkt und damit der Bodenfruchtbarkeit, dem Klima und letztlich sich selbst geschadet. Diese Meinung vertrat Prof. Dr. Bernhard Göbel, Leiter des Arbeitskreises Nordbayern der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung, (GKB) beim Feldtag in Pusselsheim. Ein wiederholter Fehler ist ihm zufolge die zu häufige Bodenbearbeitung. Denn jede Pflugfurche und jeder Grubberstrich führen dem Boden Luft zu und erhöhen damit die Mineralisierung, was nichts anderes bedeutet, als dass Humus abgebaut wird.
Dabei ist der Humusgehalt essenziell für jeglichen Anbau. Auch im Hinblick auf den Klimawandel ist der Humusgehalt im Boden ein wichtiger Faktor. Zum einen speichert er Kohlenstoff, der damit nicht als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre gelangt, zum anderen aber hilft er dem Landwirt, negative Auswirkungen des Klimawandels wie zum Beispiel Starkregen abzupuffern. Böden mit ausreichendem Humusgehalt zeigen eine verbesserte Infiltrationsleistung und sind bei Starkregenereignissen besser vor Erosion geschützt. Gleichzeit verfügen sie über ein verbessertes Wasserhaltevermögen, was den angebauten Kulturen wiederum bei Trockenheit einen entscheidenden Ertragsvorteil bringt.
Daher empfiehlt Göbel, der an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Bodenkunde und Pflanzenernährung lehrt, dem Humusabbau entgegenzuwirken. Damit können Ackerbauern einerseits Kohlendioxid binden und andererseits ihre Böden auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten. Auch bei der Düngung müssen die Emissionen von klimaschädlichen Gasen weitestgehend eingedämmt werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass es zumindest in den nordbayerischen Ackerbaugebieten im Mittel der Jahre im April zu trocken für eine oberflächlich ausgebrachte Düngung ist, stellt das Cultanverfahren für Betriebe ohne Gülle oder Gärreste eine interessante Alternative dar. Göbel sieht die Cultandüngung, bei der eine Ammoniumlösung als Düngedepot an der Wurzel abgelegt wird, als guten Partner für die reduzierte Bodenbearbeitung.

Mehr Humus mit Direktsaat und Cultan

Auch Christoph Felgentreu, der für die  Firma DSV Saaten Zwischenfruchtmischungen entwickelt und ein bundesweit bekannter Bodenexperte ist, ging in seinem Vortrag auf die Cultandüngung ein. Er nannte wichtige Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz dieses noch wenig verbreiteten Verfahrens. Zum einen sind genaue Kenntnisse über Standort und Boden nötig, sodass man die Auswirkungen des Düngeverfahrens auch in etwa beurteilen kann.
Ebenso müssen die Nährstoffverhältnisse bekannt sein, wobei die Kalziumversorgung (Kalk) besonders wichtig ist. Denn mit steigendem pH-Wert nimmt die Ammoniumaufnahme durch die Pflanzenwurzeln zu, während gleichzeitig die Nitrataufnahme sinkt. Auch die Sortenkenntnis und eine angepasste Bestandesführung sind – vor allem bei Getreide – wichtige Punkte für eine erfolgreiche Cultananwendung. Die Gefahr von Lager durch zu hohe N-Gaben ist gering. Laut Felgentreu haben DSV-Versuche gezeigt, dass das Cultanverfahren auf den Boden nicht versauernd wirkt. Reduzierte Bodenbearbeitung und intensiver Zwischenfruchtanbau sind beides Verfahren, die laut dem Bodenexperten mit der Cultandüngung gut zusammenpassen. Nicht zuletzt dann, wenn ein Ackerbauer dem Humusabbau gezielt entgegenwirken möchte.
Felgentreu betonte jedoch auch, dass es kein Patentrezept in Bezug auf Bodenbearbeitungssystem und Düngung gebe. Jeder Betriebsleiter müsse eigene, individuell angepasste Lösungen finden. Dennoch sieht er die Direktsaat in Verbindung mit Cultan als eines der Verfahren für den „Humusaufbau der Zukunft“.

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