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DLG-Feldtage

Von der Idylle zum Dorf und zurück

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
11.05.2016

Haßfurt - Am Gut Mariaburghausen bei Haßfurt bereiten sich derzeit die DLG, der Betriebsleiter und sämtliche Aussteller auf die DLG-Feldtage vor.

Eine Feldlerche flattert und zwitschert in der Luft, nur eine kleine Strecke weg davon schraubt sich ein Bussard in die Luft. Die Sonne scheint, der Raps blüht und über das Feld wuseln Arbeiter. Wer den Blick schweifen lässt, schaut über die Geländekante hinaus auf die Haßberge, davor ragt der Kirchturm der Kreisstadt Haßfurt auf, der Main trennt Stadt und Land. Agrarland als Bilderbuch-Idylle. Nur mehr wenige Wochen, dann werden 25.000 Menschen die Idylle rund um das Gut Mariaburghausen für drei Tage vergessen machen.
Von 14. bis 16. Juni erwarten die DLG sowie die Mitveranstalter der DLG-Feldtage etwa so viele Besucher auf dem Gelände. Sie werden von über 300 Ausstellern aus 15 Ländern sehnlichst erwartet. Die DLG-Feldtage gelten als größte Freilandmesse für Pflanzenbau im deutschsprachigen Raum. Saatgutanbieter, Pflanzenschutzhersteller und Düngemittelfirmen, immer mehr auch Landtechnikschmieden sowie Verbände, Universitäten und staatliche Organisationen zeigen, was sie können und womit sie die Ackerbauern interessieren.
In Bayern finden die im Zwei-Jahres-Turnus organisierten DLG-Feldtage nach 1990 in Seligenstadt bei Würzburg und 2002 am Gut Hellkofen bei Regensburg zum dritten Mal statt. Die letzten beiden Male 2012 und 2014 nutzte die DLG ihr Pflanzenbauzentrum in Bernburg (Sachsen-Anhalt) als Veranstaltungsort. Auch 2018 wird die Schau wieder dorthin wandern.
Stärker könnte der Kontrast kaum sein: In Bernburg tiefgründige Schwarzerdeböden in der groß strukturierten Agrarlandschaft Ostdeutschlands - am Gut Mariaburghausen sandige Böden mit weniger als 20 Bodenpunkten und Muschelkalkverwitterungsböden, die den felsigen Untergrund nur wenig überdecken, in der klein strukturierten Landschaft Frankens. Das Sahnestück mit 50 bis 60 Bodenpunkten ist der Schlag, auf dem die Feldtage stattfinden werden. Die Gemeinsamkeit sind die wenigen Niederschläge, die in Franken jenen im Regenschatten des Harz kaum nachstehen. Mehr als 550 l/qm regnet es rund um das fränkische Gut im Jahresmittel nicht.
Warum sich die DLG und die Ausstellerfirmen trotzdem dorthin gewagt haben? Einfache Antwort: Weil Betriebsleiter Klaus Merkel seine Flächen und damit auch die 55 ha Feldtagsgelände mit Mainwasser beregnen kann. Trotz der Befürchtungen aus 2015, als Franken wochenlang zur Wüste wurde, war das heuer bislang noch nicht nötig. Herausfordernd ist der Standort aus einem ganz anderen Grund trotzdem. Denn was Florian Eißner, der DLG-Versuchsfeldtechniker, sowie all jene, die für die Firmen Versuche und Demon­strationen oder die Raps- und Weizenvergleiche anlegen, von Klaus Merkel lernen mussten, drückt dieser so aus: „Wie ein Tonboden bearbeitet werden muss und warum die Böden hier Minutenböden heißen“.
Er setzt seit Langem auf konservierende Bodenbearbeitung mit möglichst langer grüner Pflanzendecke auf seinen Feldern. Frost und Trockenheit, sagt er, sorgen nur für kurzzeitige Gare, die Biologie dagegen für eine „echte Gare“. Sie sieht er als Grundvoraussetzung für den ackerbaulichen Erfolg auf seinen schwierigen Böden. Zwischen Rapsernte und Weizensaat sei immer Zeit für eine Sommerbegrünung. Der Pflug wartet an einer Ecke auf seiner Hofstelle auf einen Noteinsatz, der in langen Jahren erst einmal eintrat.
Er kritisiert die derzeit diskutierte Neufassung der Leitlinie für den integrierten Pflanzenschutz. „Die Trespe mit dem Pflug bekämpfen, hat vor 30 Jahren schon nicht funktioniert und das wird es auch heute nicht“, sagt Merkel, während die Fachpresse das Feldtagsgelände in Augenschein nimmt. Auch für das Problem Fusarium im Weizen nach Mais braucht er den Pflug nicht. „Mit einer guten Mulchsaat behalte ich Fusarium im Griff“, ist seine Erfahrung.
Und die ist lange und gründet auch auf der Erfahrung seiner Vorväter. Seit 1880 und in der fünften Generation bewirtschaftet die Familie Merkel das Gut Mariaburghausen. Im Mittelalter war es noch ein Dorf, im 13. Jahrhundert haben sich Nonnen des Zisterzienserordens angesiedelt. Die Kirche am Hofgelände ist noch immer geweiht. Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster säkularisiert. Seitdem ist es im Besitz der Universität Würzburg.
Merkel bewirtschaftet die rund 260 ha Ackerland plus 20 ha Grünland mit Schwerpunkt auf den Zuckerrübenanbau sowie Saatgetreidevermehrung. Er ist an einer Kompostierungsanlage und zwei Biogasanlagen beteiligt. Viehhaltung gibt es seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr.
Das ist nicht der einzige Unterschied zu früher. Denn auch wenn die denkmalgeschützten Gebäude eine historische Aura versprühen, hat die moderne Technik dafür gesorgt, dass nur mehr wenige Menschen die weitläufige Hofstelle bewohnen, die noch vor wenigen Jahrzehnten mehr Menschen als manches Dorf bevölkerten. Das ist eine der oft vergessenen Leistungen moderner Landwirtschaft: Dass sie kaum mehr Arbeitskräfte bindet und diese sodann die Industriegesellschaft erst möglich machten.
Von einer ruhigen Hofstelle wird Mitte Juni wenig zu erspüren sein. Denn dann kommen die Tausende, um genau jene Technik, vor allem aber auch das viele Wissen um Technologien wie modernes Saatgut und Pflanzenschutz, um Produktionsverfahren, die nachhaltige und effektive Landwirtschaft zum Ziel haben, kennenzulernen. Nicht umsonst ziehen die DLG-Feldtage mehr interessierte Ackerbauern und auch Grünlandbewirtschafter an als jede andere Freiluftmesse in Mitteleuropa.

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