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Getreidemonitoring

Infektionen werden sichtbar

Pflanzenschutz Weizen
Stephan Weigand LfL Pflanzenschutz, Freising
am
24.05.2017

Freising - In den letzten Wochen konnten die Schadpilze den Weizen befallen. Jetzt gilt es, die Bestände zu kontrollieren und zu reagieren.

Vier bayernweite Regenperioden vom 1. bis 4. Mai, 7. bis 9. Mai, 12. bis 15. Mai sowie die Gewitter vom letzten Freitag brachten im Mai insgesamt 68 mm Regen im Mittel aller LfL-Wetterstationen. Etwas trockener blieb es, mit teils weniger als 40 mm, vor allem in den Landkreisen Bad Kissingen, Kulmbach, Hof, Wunsiedel, Schwandorf, Regensburg, Dingolfing und Passau, deutlich feuchter mit lokal mehr als 100 mm dagegen in den unterfränkischen Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg und Würzburg sowie im Süden, in den Landkreisen Lindau, Landsberg am Lech, Starnberg, Miesbach und Rosenheim. Milde, zuletzt auch frühsommerliche Temperaturen beschleunigen nun das Pflanzenwachstum, lassen aber auch in den bislang unbehandelten Getreidebeständen Pilzbefall von teils weit zurückliegenden Infektionen sichtbar werden. Je nach Schaderreger ist darauf gezielt zu reagieren.

Weizen: Behandlungen zum nächsten Regen

Bei vielen Weizen spitzte zu Wochenbeginn das Fahnenblatt (BBCH 37) oder es war bereits vollständig geschoben (BBCH 39). Die unbehandelten Monitoringflächen belegen aber nach wie vor das im Vergleich zu den Vorjahren insgesamt niedrige Krankheitsniveau in den Getreidebeständen. Erst wenige Schläge wiesen bisher bereits bekämpfungsrelevanten Befall auf.
Allerdings ist im Laufe dieser Woche mit einer deutlichen Zunahme an Schwellenüberschreitungen zu rechnen. Dies gilt vor allem für Mehltau, Septoria tritici, sowie Gelbrost. Mehltau profitiert hierbei von der meist ausreichend hohen Restfeuchte in den Beständen und den milden Nächten. Die Roste nutzen den Tau am Morgen und das strahlungsreiche Wetter tagsüber. Beide Erreger sind sogenannte obligate Parasiten, also Pilze, die auf lebendes Pflanzengewebe angewiesen sind. Sie werden daher durch die aktuelle meist sehr gute N-Versorgung vieler sattgrüner Bestände besonders gefördert.

Und so sieht es bei den Krankheiten aus

In der Vorwoche war noch am häufigsten für Mehltau die Schwelle erreicht, bei zwölf der insgesamt 74 Monitoringschläge. Dies ist der Fall sobald sechs von zehn Pflanzen ersten Befall aufweisen. Betroffen waren die Sorten Elixer, Patras, RGT Reform und Julius, bei den ersten Proben vom Montag auch ein Kerubino in Unterfranken, der ersten Befall bis hinauf auf F-2 zeigte.
Auch der Gelbrost war im Monitoring bis zur Vorwoche nur auf vier der 74 unbehandelten Schlägen zu finden, zwei weitere kamen jedoch mit den ersten elf Proben am Montag dazu. Betroffen sind bislang die Sorten Patras, RGT Reform, Kometus, JB Asano und Kerubino sowie die Dinkelsorte Divimar. In der Regel ist der Befall allerdings noch sehr gering, meist weist nur ein Blatt von 30 untersuchten Einzelpflanzen einzelne Gelbrostpusteln auf. Die aktuelle Witterung spricht jedoch für eine weitere Ausbreitung. Mit regelmäßigen Kontrollen der eigenen Schläge können Ackerbauern verhindern, dass sie zu spät, etwa bei schon deutlicher Nesterbildung regieren.
Hält die sonnig-warme Witterung mit Taubildung weiterhin an, ist ab kommender Woche auch mit erstem Braunrost zu rechnen, vor allem bei stärker anfälligen Sorten wie Benchmark, Boregar, Cubus, Dekan, Gourmet oder Impression.
Sehr gering war bis letzte Woche der Befall mit Septoria-Blattdürre, der vorherrschenden Krankheit in der Schossphase der letzten Jahre. Nur drei Monitoringstandorte erreichten die Schwelle (vier von zehn Pflanzen mit Befall auf F-4, dem fünften Blatt von oben). Im Vorjahr war dies zum gleichen Entwicklungsstadium bei 61 % der Standorte der Fall. Allerdings ist hier im Laufe dieser Woche mit einer deutliche Zunahme zu rechnen, da nun erfolgreiche Infektionen von Mitte April bis hinauf auf F-3 sichtbar werden. Das zeigen schon die ersten Proben vom Montag. Ebenso werden ab kommender Woche Infektionen aus der nassen ersten Maiwoche sichtbar werden. Gefahr geht von diesen kleinen, meist länglichen, nekrotischen Blattflecken mit den gut sichtbaren kleinen schwarzen Fruchtkörpern des Pilzes im Inneren allerdings erst mit dem nächsten Regen aus. Tau reicht für Septoria nicht aus, um neue Infektionen auf den oberen, für den Ertrag wichtigen Blattetagen zu setzen.
Wo bislang noch keine Behandlung erfolgte und der Mehltau die Schwelle überschritten hat oder erste Gelbrostpusteln zu finden sind, sollte auch bei aktuell trockener Witterung eine Behandlung erfolgen. Dort wo nur Septoria jetzt erstmals auf F-4 oder auch F-3 auftritt, haben Weizenanbauer dagegen Zeit bis zum nächsten Regen. Teils war es schon Anfang dieser Woche sinnvoll, auf die Regenfälle vom letzten Freitag zu reagieren.
Ab vollentwickeltem Fahnenblatt (BBCH 39) lässt sich der gesamte obere Blattapparat mit Regel­aufwandmengen leistungsfähiger Carboxamid-Azol-Präparate wie Adexar, Aviator Xpro, Ceriax, Elatus Era Opti, Seguris Opti oder Mischungen von Amistar Opti oder Credo mit Input Classic, Input Xpro, Opus Top oder Epoxion Top langanhaltend und damit abschließend schützen.
Bei starkem Mehltaubefall sollten alle Carboxamid- oder Strobilurin-Präparate mit Ausnahmen von Input Xpro, Diamant oder Juwel Top mit Teilmengen eines Spezialmittels wie Vegas, Talius, Corbel oder Agent ergänzt werden oder als Partner ein mehltaustarkes Azol wie Capalo, Ceralo, Epoxion Top, Gladio, Input Classic, Kantik, Matador,
Opus Top oder Pronto Plus bekommen. Bei einer fest eingeplanten späteren Fusariumbehandlung lassen sich die Aufwandmengen um etwa 20 % reduzieren.
Betriebe, die eine Erstbehandlung bis zum 11. Mai durchführten, sollten – abhängig vom weiteren Witterungsverlauf – eine Folgebehandlung spätestens ab kommender Woche einplanen, um auch das Fahnenblatt bzw. F-1 ausreichend zu schützen. Ist in diesen Fällen auch eine Ährenbehandlung gegen Fusarium geplant, lassen sich die Aufwandmengen für diese Zwischenbehandlung nochmals weiter reduzieren. Wie die Montagsproben im Monitoring zeigen, gibt es vor allem bei späten Saaten und gesunden Sorten weiterhin nahezu befallsfreie Schläge, wo noch keine Fungizidmaßnahme nötig ist.

Die Sommergerste entwickelt sich zügig

In der Wärme der letzten beiden Wochen haben auch die Sommergerstenbestände bayernweit die Schoss­phase erreicht. Die Entwicklung reichte zu Wochenbeginn, je nach Saattermin und Lage, vom 2-Knotenstadium (BBCH 32) bis zum Spitzen des Fahnenblattes (BBCH 37). Angesichts der trockenen Witterung dieser Woche beschränkt sich die Kontrolle im Wesentlichen auf Mehltaubefall in anfälligen Sorten wie Grace, Avalon, Catamaran oder Steffi.
Hier kann in der frühen Schoss­phase bei Befall auf jeder zweiten Pflanze eine vorgezogene erste Maßnahme nötig werden; zum Beispiel (je ha) mit 0,2 l Vegas, 0,6 l Corbel oder 0,6 l Agent oder breiter wirksam und damit gegen weitere Erreger mit 0,8 l Input Classic, 1,2 l Capalo, 0,5 l Gladio oder 1,0 l Ceralo. Ohne Mehltaubefall wird es jedoch auch heuer meist gelingen, die Sommergerste mit einer Fungizidmaßnahme ausreichend zu schützen.
Dies ist frühestens ab dem Spitzen des Fahnenblattes (BBCH 37) sinnvoll. Dort wo regelmäßig die Ramularia-Sprenkelkrankheit auftritt, ist der wenige Tage spätere Zeitraum von BBCH 39 bis BBCH 51 oftmals günstiger. Wie bei der Wintergerste ist auch hier auf den konsequenten Zusatz von Chlorthalonil (Amistar Opti, Credo) in der Abschlussbehandlung zu achten (siehe Wochenblatt Nr. 18). Bis auf starken Mehltaubefall, können in jedem Fall erst weitere Niederschläge abgewartet werden, sodass aktuell meist kein Handlungsbedarf besteht.

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