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Pflanzenschutz

Kartoffeln: Vor den Niederschlägen die Erstbehandlung setzen

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Kartoffeln vor Reihenschluss
© Imago/Imagebroker
von , am
14.06.2017

Freising - Die Kartoffelbestände haben sich in den letzten zwei Wochen aufgrund der günstigen Witterung zügig entwickelt.

Kartoffelmonitoring
© Prof. Dr. Michael Zellner LfL Pflanzenschutz

Auch später gepflanzte Schläge weisen inzwischen meist eine dem Durchschnitt der Jahre entsprechende Bestandsentwicklung auf. Bisher konnte im Rahmen des bayernweiten Krautfäule-Monitorings in „normalen“ Praxisschlägen nur östlich von München vereinzelt Befall festgestellt werden. Im Vergleich zur Vorwoche hat sich das Befallsgebiet somit nicht ausgeweitet.

In Gebieten, in denen um Pfingsten häufige und ergiebige Niederschläge fielen, berechnet das witterungsgestütze Krautfäule-Prognosemodell am 13. Juni nun auch für spätere Auflauftermine den Spritzstart (siehe Tabelle). Sofern die Kartoffelpflanzen eine Wuchshöhe von mindestens 30 cm erreicht haben, sollte vor dem nächsten Regen auch dort mit der Erstbehandlung nicht mehr länger gewartet werden, wo bisher das Prognosemodell noch keine Behandlung empfiehlt. Als Fungizide sollten systemisch wirkende Präparate gewählt werden.

Vereinzelt sind in einigen Sorten wie zum Beispiel Agria, Quarta, Granola Blattverbräunungen zu sehen, die sich zunächst lederartig anfühlen, später eintrocknen und verbräunen. Hier handelt es sich nicht um Krautfäule – die Symptome sind auf die hohe Sonneneinstrahlung (Sonnenbrand) zurückzuführen. Zwischenzeitlich günstige Wachstumsbedingungen für die Kartoffelpflanzen haben zur Folge, dass das Schutzsystem der neu gebildeten Blattmasse gegenüber Lichtstress zu wenig ausgeprägt ist. Die von der Sonne geschädigte Blattfläche wird häufig im Nachgang von Botrytis- oder Alternaria-Pilzen besiedelt.

Die Krautfäule kann zweifelsfrei nur anhand des weißlichen Pilzrasens auf der Blattunterseite zwischen gesundem und abgestorbenem Blattgewebe erkannt werden. Die Symptome müssen in den Morgenstunden in taufeuchten Beständen untersucht werden. Sobald die Pflanze abtrocknet und die Luftfeuchtigkeit sinkt, ist der Phytophthora-Pilz mit dem bloßen Auge nicht mehr eindeutig nachweisbar. Nach unseren Erfahrungen wachsen sich die von der Sonne verursachten Blattflecken nach einem Wetterumschwung schnell wieder aus.

Tipp: Unter www.lfl.bayern.de/ips/index.php können die regionalen Befallserhebungen von 46 Kartoffelschlägen aus dem bayernweiten Phytophthora-Monitoring sowie laufend aktualisierte Berechnungen des Krautfäule-Prognosemodells Simphyt und des Kartoffelkäfermodells Simlep abgerufen werden. Speziell für Öko-Kartoffelanbauer steht Öko-Simphyt als Entscheidungshilfe zur Krautfäule-Regulierung mit Kupfer-Präparaten zur Verfügung.

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