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Zwischenfrüchte?

Klar, aber die richtigen

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
23.06.2016

München - Wer Geld in Zwischenfrüchte investiert, will auch etwas von ihnen haben – selbst wenn ihr Wert keinen Deckungsbeitrag erhöht.

Gerade deshalb verdient ihr Anbau viel Gedanken­arbeit, denn langfristig ist der Zwischenfruchtanbau von unschätzbarem Wert.
Zwischenfrüchte kosten Geld für das Saatgut und für jeden Bearbeitungsschritt. Ertrag ist zunächst keiner zu sehen. Da ist es verständlich, die Investition erst einmal möglichst gering halten zu wollen. Kein Wunder also, dass der Gelbsenf so lange den Zwischenfruchtanbau dominierte: Er war leicht zum Aussäen, hat die Äcker ordentlich begrünt, ist (meist) sicher abgefroren und hat seine wichtigsten Aufgaben – Stickstoff binden, Erosion vermeiden – mehr oder weniger gut, aber vor allem mit überschaubaren Kosten erfüllt. Doch die Welt der Zwischenfrüchte hat sich weitergedreht.
Vor allem zwei Aspekte waren es, die die Sicht auf die Zwischenbegrüner veränderten. Erstens die Frage, ob man, wenn man schon in eine Zwischenfrucht Geld und Arbeit investiert, für ein bisschen Mehr nicht ein noch größeres Mehr an Leistung bekommen kann? Der Wert der Zwischenfrüchte liegt ja häufig verborgen im Boden und er zeigt sich erst langfristig – schlecht also, wenn man nur in der Kategorie Deckungsbeitrag denkt und den Nutzen für die Bodenfruchtbarkeit und das Abwenden von Nachteilen wie Erosion oder Verlust an wertvollem Wasser nicht bedenkt. Und zweitens hat das Greening den Zwischenfruchtanbau richtig angefacht und mit dem Zwang zu Mischungen den Blick auf die Zwischenfruchtarten geschärft.
Deutschlandweit kümmern sich seit Jahren mehrere Pflanzenzuchtfirmen um Zwischenfrüchte und entwickeln Saatgutmischungen. Viele versprechen Lösungen bei speziellen Problemen wie etwa die Verminderung von Nematoden im Zuckerrüben- und Kartoffelanbau. In Bayern hat insbesondere das Fachzentrum Agrarökologie am Pfaffenhofener Landwirtschaftsamt dem Thema Zwischenfruchtmischungen zu einer überregionalen Aufmerksamkeit verholfen. Max Stadler und Christian Appel legen Jahr für Jahr etliche Demonstrationsanlagen an und erklären daran Sinn, Nutzen und Grenzen der Arten und ihrer Mischungen.  
Das Wochenblatt hat sich mit den beiden Zwischenfruchtexperten zusammengesetzt und die verschiedenen Aspekte diskutiert. Denn das Ziel muss für jeden Anbauer sein, für das investierte Geld und die Mühe möglichst viel an Gegenleistung zu bekommen, also: Wenn Zwischen­früchte säen, dann möglichst die richtigen! Mehrere Grundsätze gilt es zu beachten.

Die Zwischenfruchtarten entsprechend der Fruchtfolge auswählen
Was war davor und was kommt danach? Nicht jede Hauptkultur stellt dabei hohe Anforderungen. Mais und Kartoffel sind unproblematisch. Anders ist das bei Raps. Wegen der Gefahr, die Kohlhernie und Verticillium zu fördern, sollten andere Kreuzblütler wie Senf oder Leindotter vermieden werden. Am ehesten geht noch Kresse. Wo Kohlhernie bereits ein Problem ist, sollten sich Kreuzblütler ganz verbieten.
Bei Zuckerrüben als Folgefrucht muss das Thema absamende Zwischenfrüchte beachtet werden. Riskant sind sehr früh gesäte Sonnenblumen sowie der Buchweizen. Weniger, aber nicht immer ganz unproblematisch sind Kresse und Ölrettich. Leguminosen und Senf kommen selten zur Samenreife. Aber selbst wenn: Ihre Samen gehen meist am und im Boden kaputt.
Wer in der Fruchtfolge Ackerbohnen und Erbsen kultiviert, sollte auf sie als Zwischenfrüchte eher verzichten. So wird die gefürchtete Leguminosenmüdigkeit nicht noch befördert.
Nicht nur Fruchtfolgekrankheiten, auch die Ansprüche der Folgefrucht bestimmen, was die Zwischenfrüchte leisten und wie sie sich im Frühjahr präsentieren sollen. Folgt Mais, können die Zwischenfrüchte ruhig jede Menge Masse bilden. Die Technik in der Bodenbearbeitung kommt damit locker zurecht. Auch die Maisherbizide sowie die Gülleeinarbeitung mit Grubber und Kreiselegge passen zu den Zwischenfrüchten.
Folgen im Frühjahr Kartoffeln, müssen sich die Zwischenfrüchte sicher einarbeiten lassen. Darauf muss die Technik abgestimmt sein. All-in-One-Geräte haben kein Problem damit. Wenn einzelne Zwischenfruchtpflanzen nicht abgefroren sind, machen sie meist noch keinen Schaden.
Bei Zuckerrüben muss die nochmals um einige Wochen frühere Saatzeit bedacht werden. Die Bodentemperaturen sind noch niedrig, die Bodenfeuchte höher und die Bodenbearbeitung weniger intensiv. Auch die Wirkung von Glyphosat ist nicht so hoch, weil die Blattfläche der überlebenden Altpflanzen noch nicht sehr groß ist. Deshalb sollten allzu frühe Zwischenfruchtsaaten in diesem Fall vermieden werden und auch die Güllemenge zu den Zwischenfrüchten nicht zu hoch bemessen sein. Nach Wintergerste und vor Zuckerrüben machen Senf und Kresse unter Umständen zu viel Masse und sollten deshalb dann nicht ausgewählt werden.
 

Zwischenfrüchte und Greening
Wer mit Zwischenfrüchten die Greeningauflagen befolgen will, muss Folgendes beachten. Vorgeschrieben sind Mischungen mit mindestens zwei Arten, von denen eine höchstens 60 % Anteil haben darf (Bezug: Anzahl der Samenkörner/m²). Auch der Anteil von Gräsern darf insgesamt 60 % nicht überschreiten. Die kostengünstigste Greening-fähige Mischung dürfte damit Gelbsenf/Sareptasenf sein. Sie kommt dem bisher verbreiteten reinen Senfanbau am nächsten und dürfte sich für die Ziele Stickstoffbindung und Erosionsschutz durchaus eignen.
Landwirte sollten Belege über den Saatgutbezug für etwaige Kontrollen aufbewahren. Auch eine aussagekräftige Rückstellprobe kann nicht schaden.
Gesät werden darf zwischen dem 16. Juli und dem 1. Oktober. Mitte Oktober sollen mindestens 40 % des bestellten Schlags bedeckt sein, weshalb eine verspätete Aussaat nicht zu empfehlen ist. Der früheste Umbruchstermin ist der 16. Februar. Zuvor darf ein Bestand nur gewalzt oder geschlegelt werden, etwa um eine Samenreife zu verhindern. Nach der Getreideernte ist kein Herbizideinsatz erlaubt. Stickstoff darf organisch, aber nicht mineralisch gedüngt werden. Kalk, auch Carbo- und Schwarzkalk, ist erlaubt. Aufpassen muss man bei den Mischungskomponenten Erbse und Hafer. Es sind nur blattreiche Erbsentypen erlaubt, keine Körnererbsen. Bei Hafer steht nur der Sand-/Rauhafer in der genehmigten Artenliste, nicht der herkömmliche Rispenhafer.

Folgende Ziele können mit Zwischenfrüchten erreicht werden:

  • Erosionsschutz und Wasserspeicherung.
  • Zugänglichkeit des Unterbodens erhöhen sowie den Unterboden stabilisieren und lockern. Die Wurzeln von Ackerbohne, Ölrettich, Wicken, Klee können innerhalb von sechs Wochen bis zu einem Meter tief wachsen. Sie nutzen Trockenrisse, um noch tiefer zu kommen. Ihre vertikalen Röhren (ebenso wie Regenwurmröhren) durchlüften den Boden bis in tiefe Schichten und dränieren die Äcker.
  • Strukturbildung des Bodens (wie der Frost). Im Frühjahr zeigt die Spatenprobe einen lockeren, krümeligen Boden.
  • Förderung der biologischen Aktivität des Bodens; Stichwort Schattengare. Nur ein bewachsener Boden ist dauerhaft biologisch aktiv. Zwischenfrüchte werden so zu einem teilweisen Ersatz für das früher verbreitete Kleegras. Den Humusaufbau fördert die Wurzelmasse mehr noch als der oberirdische Bewuchs. Zu bedenken ist auch, dass Bodenlebewesen wie der Regenwurm auch gefüttert werden müssen. Sie brauchen also dauerhaften Nachschub an organischem Material, das nur vom Bewuchs stammen kann.

Im Herbst stehen lassen.
Max Stadler empfiehlt auf alle Fälle, einen etablierten Zwischenfruchtbestand über den Winter kommen zu lassen. Im Oktober und November können die Pflanzen noch „ein Riesenwachstum“ machen und zwar nicht nur oberirdisch, sondern auch unterirdisch. Der Boden ist geschützt und die Wurzeln können ihre Struktur bildende Arbeit leisten. Die biologische Bodenlockerung durch die Wurzeln ist eine absolut ernst zu nehmende Alternative zum Frost, der mittlerweile so unzuverlässig für Bodengare sorgt.
Zudem ernähren die Zwischenfrüchte mit abgestorbenen Blättern und mit ihren Wurzelausscheidungen, den sogenannten Exsudaten, in dieser Zeit die Bodenlebewesen. Ein brauner Acker kann dies alles nicht. Grüne Pflanzen dagegen sammeln wie eine Photovoltaikanlage Energie.
Zwischenfrüchte stabilisieren den Boden. Ein Regensimulator zeigt klare Bilder: Unter einem Zwischenfruchtbestand fließt das Wasser klar und sauber ab, ohne Bewuchs hingegen nimmt der Durchfluss Bodenpartikel mit, das abfließende Wasser ist braun und dreckig. Zwischenfrüchte halten das Wasser auch auf der Fläche, sie nehmen zum Teil die Winterfeuchte noch auf, auch den Tau sollte niemand unterschätzen. Kurz und bündig: Was bei zuviel Wasser gut ist als Erosionsschutz, ist auch gut für zu wenig Wasser.
Wer im Herbst die Zwischenfrüchte umackert, muss auch befürchten, dass der gespeicherte Stickstoff in warmen Herbst- und Wintertagen wieder mineralisiert. Noch ein Aspekt, der hier und dort wichtig sein kann, ist die Deckung für das Wild.
Ein paar Worte zum Thema Mulchen im Herbst: Der bewachsene Acker hält das Wasser oben, auch wenn es ansonsten trocken ist. Die Gefahr beim Mulchen im Herbst, den Boden kaputt zu fahren, ist damit hoch. Ideal wäre es also, wie Stadler sagt, die Zwischenfrüchte genau einen Tag vor dem Wintereinbruch zu mulchen. Doch wer kennt diesen schon? Für Rübenanbauer, die ihre Säarbeit zuverlässig erledigen wollen, ist womöglich folgende Strategie passend: Sie mulchen eine Hälfte im Herbst und die zweite bearbeiten sie erst im Frühjahr. Dann können sie zur Saat die sich schneller erwärmenden, freien Flächen vormittags in Angriff nehmen und bei den Mulchflächen den wärmeren Nachmittag abwarten.

Ein paar Worte zu Voraussetzungen, damit der Anbau gelingt
Die Böden sollten ausreichend mit Kalk versorgt sein, der pH-Wert nicht zu tief sein. Gerade viehlose Betriebe sollten sich um die N-Fixierung der Leguminosen kümmern. Die Knöllchenbakterien brauchen pH-Werte über 6,5. Unter 6,0, manchmal 6,3 funktioniert die N-Fixierung nicht und die Zwischenfrüchte kümmern. Zum anderen sollte die Mähdrusch­qualität hoch, das Stroh gut verteilt sein. Zwischenfrüchte machen jeden Fehler sichtbar.

Das waren – zusammengefasst – einige Grundsätze für den Anbau von Zwischenfrüchten. Natürlich gibt es auch Probleme, Schnecken etwa oder das Risiko, dass Pflanzen überleben, wenn der Winter keinen Frost bringt.Landwirte müssen das natürlich abwägen. Das vergangene Zwischenfruchtjahr stellte dahingehend sicher eine Besonderheit dar. Der trockene Sommer 2016 hat viele Bestände nicht richtig etablieren lassen, sodass vielerorts nach dem Winter das Ausfallgetreide dominierte. Anderswo war das Problem eher der Ölrettich, der nicht abgefroren ist. Sommer und Winter waren also nicht förderlich für den Zwischenfruchtanbau – das wird eher nicht so häufig zusammentreffen. Im kommenden Wochenblatt wollen wir die wichtigsten Arten von Zwischenfruchtmischungen mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen.

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