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Ökolandbaufeldtag

Klare Aussagen für Ökobauern

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
21.07.2016

Hohenkammer - Beim Ökolandbaufeldtag rund um Hohenkammer erhalten fast 200 Teilnehmer handfeste Informationen zu den LfL-Versuchen.

Zum Beispiel, wann sie vor dem Getreide welche Kleeart oder Kleegrasmischung ansäen sollten.
Ökoackerbauern haben kaum  Werkzeuge, um kurzfristig Fehler korrigieren zu können. Also sollten sie sich auch keine grundlegenden Anbaufehler erlauben. Das macht den Ökoanbau komplizierter als den konventionellen – was gleichermaßen für die anwendungsbezogenen Versuche der LfL gilt. Das zeigte sich wieder einmal beim Ökolandbau-Feldtag Anfang Juli in Hohenkammer.
Beinahe 200 Interessenten begaben sich auf die Tour zu den LfL-Versuchen und landeten unter anderem auch bei Georg Salzeder, der ihnen einen in sich verschachtelten Versuch und seine Ergebnisse erklärte. Der LfL-Experte, der vor etwa 20 Jahren mit als erster mit den Ökolandbauversuchen betraut wurde und demnächst in den Ruhestand geht, prüfte verschiedene Kleearten und Kleegrasmischungen auf ihre Ertragswirkung auf die Folgefrüchte Weizen und Triticale. Dabei wechselte er zudem die Saatzeitpunkte des Klees sowie die Nutzungsart. Und nicht zuletzt schaute er darauf, ob der Klee nicht auch noch sich auf die sogenannte Leguminosenmüdigkeit insbesondere auf die Fußkrankheiten beim Erbsenanbau auswirkt.
Eine Menge Fragen und Wechselwirkungen, die Salzeder jedoch in verschiedene klare Aussagen münden ließ. Zunächst muss der Versuch jedoch kurz näher beschrieben werden:
In der Fruchtfolge folgte auf Wintertriticale der Klee/das Kleegras (im Weiteren als „Klee“ zusammengefasst), dann Winterweizen, Wintertriticale und die Futtererbsen.
Der Klee wurde eingesät als Untersaat, als Stoppelsaat nach der Triticaleernte und als Blanksaat im Frühjahr.
Verglichen wurden als Untersaat (zu BBCH 31/32 = Anfang Mai) und Stoppelsaat (Ende August) Rotklee, Luzerne, Weiß-/Gelbkleemischung und die Kleegrasmischung FM4 sowie in der Frühjahrs-Blanksaat Perserklee, Alexandrinerklee, Sommerkleegras BSV-Saaten, Kleegrasmischung FM4.
Auch die Nutzung wurde variiert: Zum einen wurde der Kleeaufwuchs auf der Fläche gemulcht, zum anderen gemäht und abgefahren (ohne Rückführung).

Was kam bei den Versuchen heraus?
1. Der Klee: Zunächst wenig überraschend: Je länger der Klee/das Kleegras auf der Fläche steht, umso mehr Ertrag – sowohl Trockenmasse, wie Rohprotein – kann erzielt werden. Als Untersaat schafft der Klee im Herbst noch einen Schnitt. Die Abstufung ist in etwa:
Untersaat: 160 dt TM/ha
Stoppelsaat: 120 dt TM/ha
Frühjahrssaat: 95 dt TM/ha.
Der Rotklee erzielt dabei am Standort in Hohenkammer die höchsten Erträge, gefolgt vom Kleegras, der Luzerne und dem Weiß-/Gelbkleegemisch. Das gilt für die Untersaat wie für die Stoppelsaat. Bei der Frühjahrssaat gilt für den TM-Ertrag die Abfolge Alexandrinerklee ist besser als die FM4-Kleegrasmischung, dann folgen die BSV-Mischung und der Perserklee. Von der BSV-Mischung zeigte sich Salzeder sehr enttäuscht, hier konnten die eingesetzten Sorten offenbar nicht überzeugen.

2. Die erste Folgefrucht Weizen: Bleibt der Aufwuchs des Klees am Feld, hat der Weizen natürlich auch mehr der Nährstoffe zur Verfügung. Die Mulchvarianten liegen gegenüber den Parzellen mit Abfuhr (ohne Nährstoffrückführung) in etwa 10 % vorne. Das ist nicht verwunderlich, denn wie Salzeder sagte, nicht nur Erbse und Ackerbohne, auch „die kleinkörnigen Leguminosen sind eine unverzichtbare Stickstoffquelle im Ökolandbau“.
Sowohl für den Kornertrag wie für den Klebergehalt zeigt der Versuch folgende Abfolgen:
Je länger der Klee wachsen kann, umso mehr profitiert der Weizen.
Mulchen ist besser als die Abfuhr des Kleeaufwuchses (es sei denn, es gibt die Möglichkeit, Nährstoffe zurückzuführen).
Das Weiß-/Gelbkleegemisch ist für den Weizen die beste Kleevorfrucht. Dann folgen für den Kornertrag gleichauf Rotklee, Luzerne und das Kleegrasgemisch, für die Qualität liegen das Kleegras und die Luzerne noch vor dem Rotklee.
Die Sommerkleearten sind laut Salzeder „eher enttäuschend“.
Die beste Vorfruchtwirkung war damit das Weiß-/Gelbkleegemisch gemulcht in Untersaat.

3. Die zweite Folgefrucht Triticale: Was für die erste Folgefrucht gilt, trifft in etwa auch auf die zweite Nachfrucht zu. Also: Je länger die Standzeit des Klees, umso mehr profitiert die Fruchtfolge. Das gleiche gilt, wenn die gesammelten Nährstoffe auf der Fläche bleiben. In der Untersaat wie in der Stoppelsaat liegt Weiß-/Gelbklee gemeinsam mit der Kleegrasmischung vor Luzerne und diese noch vor dem Rotklee. Bei der Frühjahrssaat schlägt die normale FM4-Kleegrasmischung jede Sommerklee-Art.

4. Die Erbsen: Am Standort in Hohenkammer sind offenbar auch nach zehn Jahren, als zum letzten Mal dort Erbsen wuchsen, noch Fruchtfolgeschäden im Erbsenwachstum zu erkennen. Aber der Versuch lässt laut Salzeder keine direkten Aussagen über Wechselwirkungen zwischen dem Kleeanbau und der Erbsenmüdigkeit zu – auch wenn diese nicht unwahrscheinlich sind, wie es im Umfeld der Versuchsbesichtigung hieß.
Das Thema Leguminosenmüdigkeit stellte Salzeder trotzdem explizit heraus. Kein Wunder, die Erbsen­erträge sind auf im Schnitt rund 25 dt/ha gefallen – mit der Tendenz weiter sinkend. „Erbsenerträge von nur mehr 20 dt/ha sind alarmierend“, sagte der LfL-Experte und riet dringend dazu, die Anbaupausen zu verlängern. Das bedeutet für ihn, die Erbsen weit länger als sechs Jahre auseinanderzustellen und auf alle Fälle Erbsen und Bohnen auch nicht als Zwischenfrüchte oder Bestandteile von Zwischenfruchtmischungen anzubauen. Eine Möglichkeit besteht in einem Artenwechsel, also alle sechs Jahre Erbsen und Ackerbohnen abzuwechseln.
Bekannt ist, dass viehlose oder vieh­arme Betriebe mit dem Erbsenanbau größere Schwierigkeiten haben als viehhaltende Betriebe. Vermutet wird, dass mit dem am Acker bleibenden Stroh auch Fusariumarten und andere Schadpilze vermehrt werden.
Wichtig ist auch, die Produktionstechnik sorgfältig durchzuführen. Also: Im Herbst trocken pflügen und damit im Frühjahr unter Umständen einige Tage früher säen. Dazu auch bei der Bodenbearbeitung vor der Saat zurückhaltend bleiben. Ein Arbeitsgang sollte genügen – ein verdichteter Boden ist für die Erbsen ganz schlecht.

5. Der Deckungsbeitrag: Wer den Klee nutzen kann, hat gegenüber dem Mulchen Vorteile im Deckungsbeitrag, auch wenn die Folgefrüchte vom gemulchten Klee profitieren. Beachtet werden muss die Phosphatversorgung. Noch besser ist es natürlich, wenn die Nährstoffe auf die Fläche zurückgeführt werden können.

Die Frühjahrssaaten waren immer schlechter als die Untersaat und auch als die Stoppelsaat. Bei der Mulchnutzung war der Weiß-/Gelbklee vorteilhaft und schob sich in den Deckungsbeiträgen sogar an den gesamten Blöcken Frühjahrssaat und Stoppelsaat mit Abfuhr vorbei. Insgesamt am profitabelsten war in diesen Versuchen der Rotklee in der Untersaat mit Abfuhr.

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