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"Pfingstgewitter"

Ein „klassischer“ Unwetterzug

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Redaktion Wochenblatt, Wochenblatt
am
12.06.2019

Erste Bilanz der Hagelversicherung: Hagelkörner mit einem Durchmesser von mehr als vier Zentimetern führen zu Umbruchschäden in Bayern.

Ein Unwetter auf der fast schon „klassischen“ Zugbahn in Südwest-Nordost-Richtung hat am Pfingstmontag erhebliche Schäden in Bayern angerichtet. Vom Bodensee kommend bis nach Regensburg erstreckt sich das Schadengebiet. Die Kreise Landsberg am Lech, Ostallgäu, Freising, Landshut, Mühldorf sowie die Landeshauptstadt München wurden dabei am schwersten getroffen.

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Schwere Schäden entstanden an Ackerbau-, Gemüse- und Obstkulturen. „In einigen Regionen sind die Pflanzen derart geschädigt, dass eine Ernte kaum noch zu erwarten ist“, teilt die Vereinigte Hagel mit. Soweit möglich würden derartig geschädigte Flächen zum Umbruch und ggf. zur Neuansaat freigegeben.

Vorläufige Bilanz in den Bezirken

Bis zum 12. Juni - zwei Tage nach den "Pfingsgewittern" - lagen der Vereinigten Hagel Schadenmeldungen von knapp 10 000 ha Fläche vor. Bezirksdirektor Dr. Philipp Schönbach befürchtete jedoch, dass diese Zahl während der viertägigen Meldefrist noch auf rund 15 000 ha ansteigen kann. Korngrößen von über 4 cm wurden festgestellt.

Bei der Versicherungskammer Bayern rechnet man nach einer ersten Einschätzung mit bis zu 1000 Schadenmeldungen und einem Schadenaufwand im mittleren einstelligen Millionenbereich. Es war bereits das zweite große Schadenereignis 2019. Im Frühjahr wurden der Versicherungskammer Bayern bereits Frostschäden an Wein und Obst in Höhe von rund 2 Mio. Euro gemeldet.

Laut Marianne Heidner vom AELF Fürstenfeldbruck solle man bei den Kulturen Mais und Zuckerrübe, wenngleich von Pflanzen nur noch Wurzelansätze zu sehen sind und vollständig entlaubt sind. Solange der Vegetationskegel noch nicht völlig zerstört sei, würden die Pflanzen neue Blätter bilden. Man soll also Wiederaustrieb in den darauffolgenden Tagen abwarten. „Diese Kulturen haben hohes Kompensationspotenzial und können die Schäden womöglich überwiegend ausgleichen“, sagte sie dem Wochenblatt. Sollte sich die Flächennutzung ändern, seien einige förderrechtliche Aspekte zu beachten, betonte Heidner und bat darum dass Landwirte neben der Schadensmeldung bei der Versicherung auch Kontakt zum AELF aufnehmen sollten.

Vergleichsweise glimpflich verlaufen ist der Hagelzug vom Pfingstmontag in Schwaben. Daniel Dörfler vom AELF Kaufbeuren hat lediglich einen Anruf eines Landwirts bekommen, der einen vom Hagel betroffenen, niedrigen Maisbestand melden wollte. Auch im Dienstgebiet des AELF Kempten sind keine größeren Schäden aufgetreten. Man könnte somit sagen, dass sich das Unwettergeschehen von West nach Ost, von Schwaben nach Oberbayern mehr und mehr aufgeladen hat und dann seine größte Kraft westlich von München mit Hagelkörnern von Golfballgröße entfaltet hat.

Die für Oberfranken am Pfingstmontag angekündigten Unwetterwarnungen haben sich offenbar nicht bewahrheitet. Ein Hagelzug ist am Montagabend Richtung Sachsen abgezogen und hat sich im Raum Dresden entladen. Regenfälle waren in allen Teilen Frankens durchaus willkommen. Ob auch Starkregenfälle dabei waren, die punktuelle Schäden anrichteten, war bis Redaktionsschluss offen.

Auch durch Ostbayern zog das Unwetter, wenn auch in einem relativ eng begrenzten Raum. Während der größte Teil der beiden Regierungsbezirke keine oder nur punktuelle und dann auch sehr geringe Schäden verzeichnete, gab es auch Flächen, die vor allem von schwerem Hagel betroffen waren. So waren in Teilen des Landkreises Landshut, vor allem an der Grenze zum Landkreis Freising, an Ackerbau- Gemüse- und Feldkulturen schwere Schäden durch Hagel und schweren Regen entstanden, ein ähnliches Bild zeigte sich in der Oberpfalz im Landkreis Regensburg in begrenzen Bereichen. Auch im Kreis Cham zeigte der Hagelsturm seine Auswirkungen. Eine genauere Schadenshöhe ist in Ostbayern noch nicht erfasst, die Hagelversicherung wartet hier noch den Eingang aller Meldungen ab.

Größere Sachschäden an Gebäuden wurden bislang noch nicht bekannt. In einzelnen Orten Ostbayerns kam es zu Stromausfällen, nachdem Bäume auf Stromleitungen gestürzt waren.

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