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Luzerne

Königliches Futter vom Acker

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
09.06.2016

München - Die Luzerne hat als Ackerkultur und als Futterpflanze so viele Vorteile, dass es fast verwundert, wie wenig Aufmerksamkeit sie bekommt. Das kann sich ändern.

Luzerne ist eine Expertin für trockene Standorte: Mit ihren Wurzeln erreicht die Luzerne Wasser und Nährstoffe bis in sechs Meter Tiefe. Das verschafft der Futterpflanze dort, wo der Regen nicht immer zuverlässig Wasser bringt, einen immensen Wettbewerbsvorteil. Aber: Das gilt natürlich nur dort, wo der Boden auch tatsächlich tief zu durchwurzeln ist. Wo Stein und Fels den Wurzeln schon bald im Weg stehen, kann auch die Luzerne keine Trockenwochen überstehen.
Diese Einschränkung machte der LfL-Gräser- und Futterpflanzenexperte Dr. Stephan Hartmann beim Luzernetag der Trocknungsgenossenschaft Ellingen (Lks. Weißenburg-Gunzenhausen) und des Landwirtschaftsamts Weißenburg. Anfang Juni informierten sich dort rund 50 Landwirte über Anbau, Trocknung und Einsatz der Luzerne als Futter in der Milchviehhaltung.
In den eher trockenen Lagen Frankens hat die Luzerne immer schon ihre Berechtigung und auch einen natürlichen Anbauschwerpunkt. Hier kann sie ihre Vorteile am besten ausspielen, hier bleibt sie stabil am Acker und liefert auch dann noch zuverlässig das Futter, wenn andere Pflanzen schon beginnen auszufallen. In anderen Futterbauregionen und in den Grünlandlagen sind Gräser oft zu konkurrenzstark.
Aber anders als man meinen könnte, ist die Luzerne im bayernweiten Anbau in den letzten Jahrzehnten nicht zurückgegangen. Sie ist nach wie vor in den meisten Futtersaatmischungen enthalten. In den Statistiken verbirgt sie sich allerdings meist hinter dem Stempel „Kleegras“. Trotzdem gibt es eine Art Wiederbelebung: Der Luzerne-Reinanbau nimmt derzeit an Fahrt auf. Das liegt auch an der bayerischen Eiweißinitiative, das heimisches Futtereiweiß unterstützen will und importiertes Eiweiß, vor allem Soja und Sojaschrot, zurückdrängen.
In diese Initiative passt die Luzerne hervorragend und sie spielt darin ihre wichtige Rolle. Mit 7500 ha hatte sie 2015 auch immer noch eine höhere Anbaufläche als die derzeit so populäre Sojabohne. Dass die großkörnigen Leguminosen Erbse und etwas weniger die Ackerbohne im letzten Jahr einen Sprung nach vorne gemacht haben, lag vor allem am Rückenwind durch das Greening.
Dabei spricht viel für die Luzerne. Sie liefert je Hektar mehr Eiweiß als jede großkörnige Leguminose. Das ist, wie der LfL-Fachmann Hartmann sagte, auch nicht verwunderlich. Denn sie wird als ganze Pflanze verwertet, bei Erbsen und Bohnen sind es nur die Körner.
Dass das ganze Eiweiß auch im Futter ankommt, ist einer der wichtigen Vorteile, womit die Futtertrocknungen auf ihre Leistungen aufmerksam machen. Denn Luzerne ist nicht ganz einfach zu konservieren: In der Heuwerbung gehen viele der besonders wertvollen Blätter verloren. Die Bröckelverluste können enorm sein. Leider lässt sich die Luzerne auch nicht einfach silieren. Die feuchten Stängel, die hohe Pufferkapazität der Luzerne und ganz besonders Schmutzanteile, wenn nicht sorgfältig geerntet wurde, verhindern eine saubere Milchsäuregärung. Die Buttersäure übernimmt dann das Regime. Hier können also die Trocknungen punkten: Sie machen aus dem frischen Material entweder Cobs oder Heuballen.
In Mittelfranken gibt es mit Ellingen, Windsbach, Hilpoltstein, Gunzenhausen und Neuhof an der Zenn fünf Trocknungsanlagen (www.trocknungen-mittelfranken.de). Beim Luzernetag in Ellingen konnten die Bauern einen Blick in die Anlage werfen. Die Ellinger machen im Jahr aus 3500 bis 4000 t Rohmaterial Gras- und Luzerne-Cops oder quaderförmige, etwa 300 kg schwere Luzerne-Heuballen. Zum Trocknen setzen sie Holzhackschnitzel ein, die zum Teil mit der Restwärme einer Biogasanlage vorgetrocknet sind: Dann bringen sie die nötige Energie, um auch feuchteres Material zügig trocken zu bekommen. Für die Luzerne-Erzeuger kostet das Trocknen inklusive Abholung und Mehrwertsteuer 23 €/dt.
Das Thema Kosten ist beim Luzernetag relativiert worden: Denn auch das Silieren oder eigene Heu-Machen kostet Geld. Vor allem, wenn die Verluste hoch sind und diese können schnell bis zu einem Drittel ansteigen. Beim Trocknen dagegen bleiben die wertvollen Bestandteile wie etwa auch die Zucker im Futter, „das macht das Futter schmackhaft“, warb die Fütterungsberaterin der Trocknung Windsbach Marlene Buchner für ihr Produkt. Sie ist selbst Luzerneerzeugerin und füttert sie in ihrem eigenen Milchviehbestand.
Das machen auch Franz-Josef und Johannes Horrer. Mit dem Luzerne-heu der Trocknung haben Vater und Sohn in ihren Milchvieh-Futterrationen schon seit Jahren gute Erfahrung. Nun bauen sie seit zwei Jahren selbst die Futterleguminosen an. Der Bestand am Ortsrand von Mischelbach (Markt Pleinfeld) wächst auf einem Sandboden. Der Acker hat nur etwa 25 Bodenpunkte. Doch die langjährige Gülledüngung hat zu einem humushaltigen, feinkrümeligen und bestimmt auch gut mit organischem Stickstoff versorgten Boden geführt. Aus der Kalk-Stroh-Matratze kommt regelmäßig Calcium nach - etwas, das die Luzerne sehr belohnt.
Der Bestand wartet auf seinen allerersten Ertragsschnitt, im Herbst gab es lediglich einen Schröpfschnitt. Die Pflanzen sind saftig grün, obwohl Johannes Horrer sie ohne Impfung gesät hat. Das Impfen ist nicht immer nötig, aber wenn doch lässt es sich nicht mehr nachholen. Dann kann es durchaus sein, dass die Luzerne hungert. Hier in Mischelbach ist das nicht der Fall, dabei finden sich auf ausgegrabenen Wurzeln nur ganz wenig der Knöllchenbakterien, die für die Leguminosen den Luftstickstoff sammeln und sie so vom Dünger unabhängig machen. Offenbar reicht aber hier der Bodenvorrat an Stickstoff aus, um den Bestand ausreichend zu ernähren. Magnesia-Kainit, das der Landwirt von der Grünlanddüngung her kennt, sorgt für Nachschub an den Nährstoffen Magnesium, Kalium und Schwefel sowie Natrium, das den Aufwuchs nochmals schmackhafter macht.
Die eigentlichen Vorteile in den Futterrationen liegen jedoch am Eiweiß. Es ist hochwertig und durch die Trocknung erhöhen sich die Anteile am sogenannten UDF-Eiweiß, das am Pansen vorbei in den Darm gelangt. Das Verhältnis aus Energie und Eiweiß passt soweit zusammen, dass die Pansenflora die Inhaltsstoffe gut in Milch umsetzen kann. Und das Beta-Carotin aus den grünen Pflanzen ersetzt teure Zusatzmittelchen komplett. Die Kosten für das Futter relativieren sich so ganz schnell. Alles zusammen macht die Luzerne zur „Königin der Futterpflanzen“, wie sie seit langem genannt wird. Und das sollte vielleicht auch den ein oder anderen Milchviehhalter oder Bullenmäster ansprechen, der sich außerhalb der bayerischen Trockengebiete befindet.

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