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Tagung

Mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft – was tun?

Zwischenfrucht
pd
am
07.04.2017

Berlin - Auf einer Tagung in Berlin diskutierten über 200 Landwirte, Fachleute und Politiker über praktikable Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) hatte gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) und dem Expertendialog Biodiversität & Landwirtschaft ins Umweltforum Berlin eingeladen. Eine aktive Rolle kam dabei etwa 50 Landwirten aus dem gesamten Bundesgebiet zu. Die Landwirte setzen Ideen zum Biodiversitätsschutz im Ackerbau oder in Obst- und Sonderkulturen um und engagieren sich in Demonstrations- oder Modellbetriebsnetzwerken zur Förderung der Biodiversität. Vor der Tagung hatten die Landwirte ihre Erfahrungen zu biodiversitätsfördernden Maßnahmen wie Brach-, Extensiv- und Blühflächen, Hamster- und Greifvogel- oder Ackervogelschutzmaßnahmen in einem Workshop ausgetauscht. Darüber hinaus hatten sie über Hindernisse bei der Finanzierung, in der Administration oder beim Ordnungsrecht diskutiert.
„Es geht nicht ohne die Landwirtschaft, es geht nicht ohne die anderen Akteure des Naturschutzes, es geht aber auch nicht ohne den Bund und die Länder. Nur mit vereinten Kräften können wir die Biodiversitätsziele, die wir uns gesteckt haben, erreichen. Dazu müssen wir die vielfältigen Aktivitäten bündeln und weiterentwickeln“, erklärte BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden bei der Eröffnung der Tagung.

DBV: Landwirte auf Augenhöhe einbinden

Für den Deutschen Bauernverband betonte Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd und Umweltbe-auftragter des DBV, die Landwirte leisteten in Deutschland bereits über Agrarumweltmaßnahmen, das Greening im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik und den Vertragsnaturschutz einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Verschiedene DBV-Biodiversitätsprojekte belegten, dass mehr Förderung der Biodiversität und erfolgreicher Natur- und Artenschutz gelingen können, wenn die Landwirte auf Augenhöhe eingebunden werden, die Maßnahmen in die Betriebsabläufe passen, wirtschaftlich tragfähig sind und Hemmnisse ausgeräumt werden. Das Projekt FRANZ von der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und dem DBV wird dies gemeinsam mit Demonstrationsbetrieben umsetzen. „Ein zu rigides Kontrollsystem der EU und mangelnde Flexibilität sind heute die Haupthindernisse für mehr Natur- und Artenschutz in der Agrarland-schaft. Ebenso dürfe der kooperative Natur- und Artenschutz nicht durch mehr ordnungsrechtlichen Schutz gefährdet werden“, erklärte Hartelt die Notwendigkeit des Austausches über die Zukunft der Biodiversitätsförderung.

Expertendialog Biodiversität: „Moderne Landwirtschaft und Umwelt-schutz sind kein Widerspruch“

Als forschendes Pflanzenschutzmittelunternehmen untersucht und fördert BASF seit mehreren Jahren Biodiversitätsmaßnahmen auf 53 landwirtschaftlichen Betrieben des BASF-FarmNetzwerkes Nachhaltigkeit. Die Untersuchungen bestätigen, dass zur Förderung der Biodiversität die Bereitstellung von Lebensräumen eine große Rolle spielt. Gezielte biodiversitätsfördernde Maßnahmen, die in den Betriebsablauf der Land-wirte integriert sind, erzielen schnell positive Effekte. Ziel muss es sein, produktive landwirtschaftliche Flächen zu erhalten und gleichzeitig die weniger produktiven Flächen als zusätzliche Lebensräume zur Förderung der Artenvielfalt zu nutzen.
Dr. Harald Schwager, Mitglied des BASF-Vorstandes, betonte: „Ein Landwirt muss, wenn er langfristig erfolgreich wirtschaften will, gleich-zeitig Ökonom und Ökologe sein. Dies in Einklang zu bringen ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft und hierbei unterstützen wir als Industrie mit Innovationen im Pflanzenbau und in der Technik. Moderne Landwirtschaft und Umweltschutz sind kein Widerspruch“.
„Mit dieser Veranstaltung will der Expertendialog einen Beitrag leisten, um alle relevanten Akteure zusammenzubringen. Diese müssen jetzt handeln und ihre vorhandenen Spielräume nutzen, um die Artenvielfalt zu erhalten. Aber das allein wird nicht reichen. Vor allem die Politik ist gefordert, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen um diese Spielräume deutlich zu erweitern.“, betont Dr. Johannes Merck, Vorstand der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz.

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