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Zuchtfortschritt

Mehr als Ertrag

von , am
07.09.2017

München - Durchschnittlich 77 dt/ha wurden heuer auf bayerischen Weizenfeldern geerntet – ein sehr gutes Ergebnis.

Karola Meeder
Ein Kommentar von Karola Meeder, Wochenblatt-Volontärin, karola.meeder@dlv.de © Archiv/BLW

Nur in den Jahren 2004, 2014 und 2015 war der Durchschnittsertrag höher. Aber Moment – 2004? Also vor 13 Jahren? Wo bleibt denn da der Zuchtfortschritt? Tatsächlich stagnieren die Winterweizenerträge seit einigen Jahren und es gibt Experten, die davon ausgehen, dass das genetische Limit erreicht ist. Was sie dabei aber nicht berücksichtigen, ist, dass sich auch die Rahmenbedingungen des Weizenanbaus verändert haben: Seit 1994 ist die Anbaufläche um fast eine Million Hektar gestiegen, der Weizen steht also nicht mehr nur auf den guten Standorten. Auch innerhalb der Fruchtfolge steht er oftmals an ungünstiger Stelle. Hinzu kommt der fortschreitende Klimawandel mit Trockenperioden und Hitze. Alle Faktoren zusammen lassen die Erträge stagnieren, obwohl es einen Zuchtfortschritt gibt – so lautet die Erklärung von Züchterseite.
Worum es aber eigentlich geht: Der Bedarf an Weizen, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, wird steigen – die Probleme im Anbau durch Hitze und Dürre aber leider auch. Höhere Erträge müssen die Züchter weiterhin liefern, Sorten, die mit den Auswirkungen des Klimawandels besser zurechtkommen ebenso. Aber nicht in allen Regionen zeigen sich Hitze, Dürre und Starkregen im selben Ausmaß – deshalb brauchen wir Sorten, die an die regionalen Bedingungen angepasst sind. Und wer könnte das besser bewerkstelligen als die heimischen Züchter? Bisher haben sie das jedenfalls gut hinbekommen und ihr Vorteil liegt auf der Hand: Sie züchten – im Gegensatz zu den Konzernen – ihre Sorten dort, wo wir ernten. Um uns auch künftig leistungsfähige und standortangepasste Sorten zu bieten, müssen sie allerdings die teure Sortenentwicklung stemmen können. Und ob sie dazu in der Lage sind, entscheiden auch die Landwirte mit. – Von welchem Züchter kommt ihr nächstes Z-Saatgut?

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