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Zulassung

Mit Mesurol gebeiztes Saatgut bald Sondermüll?

Krähenfraß
pd
am
16.11.2017

Der Mesurol-Schutz steht auf der Kippe: Vielleicht ist bereits die Aussaat von Mais, der mit Mesurol gebeizt ist, zur Saat 2019 verboten.

Maisanbauer können bisher ihr Saatgut durch die Mesurolbeize vor Krähen-, Tauben- und Fasanenfraß oder vor der Fritfliege schützen. Doch dieser Schutz steht auf der Kippe: Vielleicht ist bereits die Aussaat von Mais, der mit Mesurol gebeizt ist, zur Saat 2019 verboten. Daher hat der Hersteller Bayer CropScience alle Landwirte aufgerufen, das Saatgut für 2018 bedarfsgenau beim Handel zu bestellen und das komplette mit Mesurol gebeizte Saatgut aufzubrauchen. Denn 2019 könnte es unter Umständen nur noch Sondermüll sein, dessen Entsorgung teuer wäre.

Ob das so kommen wird, kann derzeit aber noch niemand sagen. Die Lage sieht so aus: In Deutschland ist Mesurol flüssig bis zum 31. 7. 2019 zugelassen. Entscheidend ist aber nicht die nationale Produktzulassung in Deutschland, sondern die Europäische Annex-Listung des Wirkstoffs Methiocarb, die bereits am 31. 7. 2018 ausläuft. Wenn diese Listung nicht verlängert wird, erlischt auch die nationale Zulassung von Mesurol flüssig. Aufgrund dieser Ausgangslage können die folgenden Situationen eintreten:

  1. Der Wirkstoff Methiocarb wird in der EU erneut gelistet und Mesurol geht in den nationalen Wiederzulassungsprozess. Dann wäre die Aussaat 2019 gesichert. Ob eine langfristige Re-Registrierung stattfinden wird, lässt sich derzeit nicht abschätzen.
  2. Der Wirkstoff Methiocarb verliert Mitte 2018 die europäische Annex-Listung, Damit erlischt die nationale Produktzulassung von Mesurol ebenfalls im Jahresverlauf 2018. In diesem Fall gelten in der Regel Aufbrauchfristen, die Abverkauf und Beizen von Mesurol bis 2019 ermöglichen. Gebeiztes Saatgut wäre frei handelbar ohne zeitliche Begrenzung.
  3. Der Wirkstoff Methiocarb verliert Mitte 2018 die europäische Annex-Listung und es wird ein Anwendungsverbot ab Mitte 2018 ausgesprochen. Mesurol wäre ab einem Stichtag nicht mehr handelbar, Mesurol dürfte nicht mehr gebeizt und mit Mesurol behandeltes Saatgut dürfte nicht mehr ausgedrillt werden. Dies wäre der schlimmste Fall.
  4. Der EU gelingt es nicht, die Wirkstoffverlängerung fristgerecht zu bearbeiten, und der Wirkstoff bleibt ein weiteres Jahr gelistet. Dann gäbe es im Herbst 2018 die gleiche Unsicherheit im Hinblick auf die Saison 2020.

Die Eintrittswahrscheinlichkeiten der Szenarien sind zurzeit nicht abschätzbar. Eine Entscheidung vor dem zweiten Quartal 2018 gilt als unwahrscheinlich.

Laut Landesanstalt für Landwirtschaft wird im Schnitt auf 30-40 % der bayerischen Maisanbauflächen mesurolgebeiztes Saatgut ausgebracht. Ein Mesurol-Verbot würde laut in den meisten Jahren kein größeres Problem darstellen. Allerdings müsse man damit rechnen dass es in Einzelfällen durch Vogelfraß zu deutlichen Schäden bis hin zum Totalausfall kommen kann. Besonders gefährdet sind Gebiete mit eher geringem Maisanteil, denn dort konzentrieren sich Krähen und Tauben stärker auf die einzelnen Maisschläge.

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