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Lagerung

Nasse Kartoffeln rasch trocknen

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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Kartoffelvollernter
© imago/Bild13
von , am
12.10.2017

Dethlingen - Die Kartoffelernte endet feucht und schwierig. Das ist jetzt zu tun.

In den meisten Regionen sind Anfang Oktober noch mehr oder weniger Kartoffeln auf dem Feld. Dies ist eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch in diesem Jahr könnte der für einen guten Abschluss der Ernte so wichtige goldene Herbst ausbleiben. Das erfordert nicht nur beim Roden, sondern vor allem beim Abtrocknen der Kartoffeln im Lager angepasste Lösungen.

Unter feuchten Bedingungen gerodete Knollen sind mehr oder weniger mit Erde einpaniert, sodass neben dem Feuchtigkeitsfilm auf der Oberfläche auch der anhaftende Boden zu trocknen ist. Dabei enthält ein sandiger Lehm etwa doppelt so viel Wasser wie ein reiner Sandboden. Das führt zu deutlich längeren Abtrocknungszeiten, die bei einem höheren Anteil loser Erde im Lager noch weiter ansteigen. Eine gute Enterdung der Kartoffeln vor der Einlagerung ist daher unter diesen Bedingungen noch wichtiger als sonst.

Viel mehr Zeit und eine intensive Beobachtung ist bei Partien erforderlich, die nassfaule Knollen aufweisen. Diese geben über einen längeren Zeitraum Feuchtigkeit ab und in den ersten Wochen kommen häufig weitere Fäulnisknollen hinzu. Dann muss auch in der Wundheilungsphase und evtl. noch darüber hinaus Wasser über einen vermehrten Umluftbetrieb abgeführt werden, um eine Ausbreitung von Fäulnisherden zu verhindern.

Zwangsbelüfter sind jetzt im Vorteil

Unter diesen Erntebedingungen zeigen Zwangsbelüftungssysteme ihre großen Vorteile, denn das aktive Durchströmen der eingelagerten Kartoffeln erhöht die Austauschfläche für Feuchtigkeit und Wärme um das Zehnfache gegenüber einer Raumbelüftung. Außerdem können einzelne Bereiche in einem Lager bei Bedarf gezielter belüftet werden.

Diese schnellere und wirkungsvollere Abtrocknung kann auch bei offenen Großkisten erreicht werden, wenn diese z. B. mit Hilfe von mobilen Zwangsbelüftungseinrichtungen oder durch das Aufstellen über Unterflurkanälen ausreichend vorgetrocknet werden. Hier sind kreative Lösungen gefragt, die sich eventuell im Selbstbau mit vertretbarem Zeitaufwand umsetzen lassen.

Trocknen ohne allzu schnell abzukühlen

Die Ernte kalter und feuchter Knollen erfordert ein Umdenken im Belüftungsregime, da vor allem Feuchtigkeit abgeführt, aber die Temperatur der Kartoffeln wegen der späteren Wundheilung möglichst langsam absinken soll. Dies kann erreicht werden, indem die Temperaturdifferenzen deutlich geringer eingestellt werden. So kann die Differenz zwischen Außenluft und Kartoffeln (Produkt) bei zwangsbelüfteten Systemen auf 0,5 °C reduziert und die Differenz zwischen Kanal und Produkt auf 1,5 °C begrenzt werden. Dies ermöglicht einem früheren Belüftungsbeginn mit Außenluft, die durch die Wärme des Gebläsemotors zwar nicht kälter, aber trockener als die Stapelluft ist.

An wärmeren Tagen kann auch durch den halbtäglichen Wechsel von Anwärmen und Abkühlen der eingelagerten Knollen die Abtrocknung fortgeführt werden. Eine sehr wirkungsvolle Maßnahme zur Abtrocknung ist auch der Einsatz warmer, trockener Luft, z. B. über die Nutzung eines Heizlüfters bei Umluftbetrieb. Um das dabei bestehende Risiko einer Fehlbelüftung zu minimieren, sind betriebsindividuelle Lösungen erforderlich. Deshalb immer Beratung einschalten. Regelmäßiges Graben in den obersten Kartoffelschichten hilft. Sichere Erkenntnisse gibt aber erst eine Widerstandsmessung.

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