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LfL-Forschungsprojekt

Naturschutzprogramme sorgen für Biodiversität in der Kulturlandschaft

Blühfläche
pd
am
21.12.2016

Freising - Förderprogramme wie das bayerische Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) und das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) sind wirkungsvolle Instrumente, um die Artenvielfalt zu fördern.

Der Biodiversitäts-Verlust verlief in den bayerischen Kulturlandschaften genauso wie auf europäischer Ebene. Es ist ein deutlicher Artenrückgang zu beobachten. Eine wissenschaftliche Messeinheit der Biodiversität ist der sogenannte Farmland-Bird-Index. Der Farmland-Bird-Index zeigt, dass die Bestände charakteristischer Vogelarten der landwirtschaftlichen Flur in den vergangenen 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgingen. Erst in den letzten zehn Jahren deutet sich eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau an.

Historisch ein Mosaik an Nutzungsformen

Bei der Diskussion über Biodiversität ist der Blick zurück auf den Beginn der landwirtschaftlichen Nutzung der Menschen unverzichtbar. Die Spuren agrarischer Nutzung auf besten Böden in den sogenannten Gäulandschaften gehen bereits bis in die Jungsteinzeit zurück. Innerhalb der letzten 1.500 Jahre haben die Landschaften Mitteleuropas einen extremen Wandel erfahren. Menschen mit ihrer Landnutzung haben sich regelrecht in die bestehenden Urwälder gefressen. Am Anfang nutzten die Menschen Flächen entlang der Flusstäler bis hinein in die Mittelgebirgslandschaften und später auch Grenzertragsstandorte der Hochebenen. Großflächige Weidelandschaften machten sie allmählich wiesen- und ackerfähig. Diese regional sehr unterschiedliche Nutzung erzeugte ein Mosaik an Kulturlandschaftselementen und Landschaften beispielsweise Trockenrasen, Streuwiesen und Heidelandschaften. Die frühere Landwirtschaft hat durch die Nutzung somit eine hohe Biodiversität geschaffen, quasi als Nebenprodukt der räumlich und kulturhistorisch sehr differenzierten Nutzungsformen.

Intensivierungswelle der Nachkriegszeit

Die Intensivierungswelle der Nachkriegszeit hat die Agrarstruktur stark verändert, seit den 80er Jahren ist eine starke Ausdifferenzierung der Landnutzung erkennbar. Neben dem Flächenverbrauch durch Siedlungen und Infrastruktur, der gestiegenen Freizeitnutzung und der Klimaveränderung ist die Landwirtschaft einer der Hauptverursacher des Artenrückganges. Bewirtschaftungseinschränkungen auf Flächen, die für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung zu nass, zu trocken, zu steinig oder zu steil sind, führten zur Verbuschung und Wiederbewaldung (Sukzession) und damit zum Verlust von Arten. Diese Grenzertragsstandorte sind in der Zwischenzeit Vorranggebiete für den Naturschutz, erfordern aber eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung, oft unter dem Begriff der Landschaftspflege. Ertragreiche Flächen wurden intensiver genutzt und dort ist bereits durch die hohe Produktion der Kulturarten oft kein Platz für Biodiversität; es kommt z.B. kein Licht an den Boden für Ackerwildkräuter, es gibt kein Durchkommen für Rebhühner. Zusätzlich werden über das hohe Nährstoffniveau und den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln Arten verdrängt.

Staatlich verankerte Wildlebensraumberatung

Mit der staatlich verankerten Wildlebensraumberatung beschreitet Bayern seit dem Jahr 2015 einen neuen Weg. In jedem Regierungsbezirk steht ein Wildlebensraumberater als Ansprechpartner bereit. Ziel der Wildlebensraumberatung ist die Förderung der biologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft durch die fachkundige Beratung von Landwirten, Jägern, Jagdgenossen, Gemeinde- und Naturschutzvertretern. Gemeinsames Handeln schafft wertvolle, neue Lebensräume, diese bieten z.B. Feldhase, Rebhuhn und Goldammer sowie zahlreichen blütenbestäubenden Insekten wertvolle Nahrungs- und Rückzugsräume.

Ein essentieller Erfolgsbaustein der Wildlebensraumberatung ist, dass Kulap-Maßnahmen und die Möglichkeiten, die das Greening bietet, praxisgerecht und maßgeschneidert an die Bedürfnisse des jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebes angepasst werden. Die Beratung ist zudem praxisbezogen und kostenfrei.

Durch die Kulap-Maßnahme B48 „Blühflächen an Waldrändern und in der Feldflur“ sind bayernweit in den intensiv genutzten Ackerbauregionen fast 10.000 Hektar an fünfjährigen Blühflächen entstanden. Die hohe ökologische Wertigkeit der fünfjährigen Kulap-Blühflächen auf blütenbestäubende Insekten, Vogelarten der Agrarlandschaft und Niederwild kann jeder sofort erkennen. Den Beweis dieser Biodiversitätsleistung unserer Landwirtschaft liefert das Forschungsprojekt „Faunistische Evaluierung von Blühflächen“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

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