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Pflanzenschutz

In Nordbayern höheres Virusrisiko

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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Aufgelaufene Gerste
© Ulrich Graf
von , am
12.10.2017

Freising - Beim Virusbefall im Ausfallgetreide ist Bayern zweigeteilt: Im Süden sind wenig bis sogar gar keine Viren nachzuweisen, in Franken tragen Zikaden Viren mit sich.

Die Wintergerste ist bayernweit aufgelaufen, erster Winterweizen ist bereits gesät. Neben möglichen Herbizidmaßnahmen sollten Sie die Bestände ab dem 2- bis 3-Blattstadium auch auf Befall mit Blattläusen kontrollieren, denn diese können gefährliche Verzwergungsviren übertragen.

Stärkere Schäden durch Verzwergungsviren im Wintergetreide traten letztmalig im Anbaujahr 2014/2015 in einigen fränkischen Regionen auf sowie 2007/2008 als vor allem in Niederbayern im Frühjahr sogar Umbrüche nötig wurden. Dazu entscheidend beigetragen hatten

  • ein milder Herbst („goldener Oktober“) mit frühem und starkem Blattlausflug und
  • ein überdurchschnittlich warmer Winter, der ein Absterben der virusbeladenen Blattläuse verhinderte.

Die Witterung ist zwar ein wichtiger, jedoch nur ein indirekter Einflussfaktor. Entscheidend für mögliche Schäden ist das Vorkommen möglicher Virusquellen in der Region, sowie Zeitpunkt und Stärke des Auftretens der Virusübertäger, der sogenannten Vektoren.
Verzwergungsviren können durch

  • verschiedene Blattlausarten (z. B. Gerstengelbverzwergungsvirus, BYDV/CYDV) oder
  • durch eine Zwergzikadenart (Weizenverzwergungsvirus, WDV) auf Wintergerste oder früh auflaufenden Weizen übertragen werden.

Anders als ihr Name vermuten lässt, können die Viren jeweils sowohl Gerste, Weizen und auch andere Getreidearten befallen. Weitere Virusreservoire, an denen sich die übertragenden Insekten vor dem Zuflug in die Winterungen beladen können, sind zudem zahlreiche Gräser und für BYDV auch der Mais.

Damit können Blattläuse die Verzwergungsviren grundsätzlich auch vom Mais, der selbst kaum Symptome zeigt, nach der Ernte in die auflaufenden Winterungen übertragen. Von einem stärkeren Blattlausauftreten im Mais wird allerdings heuer kaum berichtet. Ein Blick in den benachbarten erntereifen Mais liefert hier eine sichere Einschätzung.

So ist der Befall im Ausfallgetreide 2017

Virus Ausfallgetreide
© Stephan Weigand, Dr. Luitgardis Seigner

Die mit Abstand wichtigste Virusquelle ist jedoch das Ausfallgetreide. Bevor die ersten Winterungen in der Flur auflaufen, sollte daher diese „grüne Brücke“ konsequent mechanisch beseitigt sein. Aus dem gleichen Grund hat auch die Ausfallgetreidebekämpfung im Raps eine vorbeugende Wirkung.

Einen ersten Hinweis auf das Risiko eines späteren Befalls mit Verzwergungsviren bieten die jährlichen Untersuchungen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes am Ausfallgetreide. Bis Mitte September wurden dabei bayernweit von insgesamt 42 Schlägen je zehn zufällig ausgewählte Pflanzen entnommen und an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft per ELISA-Methode einzeln auf Virusbefall untersucht (siehe Grafik).

Während 2016 noch fast jede zweite Pflanze einen Virusbefall zeigte und dabei BYDV dominierte, ist die Situation heuer deutlich entspannter. Bei nur 24 % aller Pflanzen ließ sich überhaupt ein Virusbefall nachweisen, vorwiegend das zikadenübertragbare WDV. Allerdings zeigte sich ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle. Während in Unter- und Mittelfranken rund jede zweite Ausfallgetreidepflanze und jeder beprobte Schlag befallen war, trat dies im Süden wesentlich seltener auf. Hier waren im Mittel zwei von drei Schlägen sogar komplett virusfrei.

Das Ausfallgetreide ist nur ein früher Indikator. Entscheidend ist nun, ob die Witterung der nächsten Tage und Wochen einen Zuflug von Überträgern überhaupt zulässt. Überwiegen wie am vergangenen Wochenende nasskalte Bedingungen, dann bleibt die Lage weiterhin entspannt, folgen dagegen längere milde Hochdrucklagen ohne Nachtfröste unter minus 5 °C, sind Bestandeskontrollen zu empfehlen. Führen Sie die dazu nötigen Auszählungen am besten in sonnigen Nachmittagsstunden durch, weil sich dann die häufig auch am Blattgrund versteckten Läuse auf den Blättern zeigen.
Ab dem 2- bis 3-Blattstadium gelten folgende Bekämpfungsschwellen für Blattläuse als Virusvektoren:

  • Normalsaat: Blattlausbefall an 20 % der Pflanzen
  • Frühsaat (=Auflauf bis ca. 25. 9.): Blattlausbefall an 10 % der Pflanzen.

Besonders gefährdet sind die zuerst auflaufenden Bestände in einer Flur sowie wärmebegünstigte, windgeschützte Lagen (Waldränder, Hecken, Südhänge). Gegen die sehr mobilen Zikaden als Virusüberträger sind keine ausreichend wirksamen Insektizide zugelassen. Ackerbauern sollten in jedem Fall auf die Warndiensthinweise des amtlichen Pflanzenschutzdienstes und bei einer Behandlung insbesondere auf den Bienenschutz bei angrenzenden Blühflächen achten. Zu vermeiden sind unnötige Behandlungen, weil diese nur die Ausbreitung der Pyrethroidresistenz bei Blattläusen weiter fördern. Sonst drohen auch bei der Bekämpfung von Blattläusen Probleme wie bei Rapsschädlingen.

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