Login
Lieber Leser

Von Normen und von Extremen

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Weidenkätzchen
Mit den Weidenkätzchen sind schon die ersten Frühlingsboten unterwegs. © Ulrich Graf
von am
11.01.2018

Frohe Ostern allerseits – aber halt! Haben wir nicht an dieser Stelle erst vorletzte Ausgabe ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr gewünscht?

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer, Chefredakteur © BLW/Archiv

Entschuldigung, ein Blick aus dem Fenster und auf das Thermometer könnte einen schon zu den verfrühten Osterwünschen verleiten. Das Wetter spielt mal wieder verrückt, kein Wunder, dass da auch die Natur durcheinanderkommt.

Aber halt, lasse ich mich jetzt von der allgemeinen Hypeeritis anstecken? Sobald etwas ein bisschen von der Norm abweicht, wird das Ganze zur Sensation oder zur Katastrophe hochstilisiert. Und gerade beim Wetter gibt es eigentlich gar keine Norm. Da muss man schon lange Zeiträume addieren, um einigermaßen belastbare Durchschnittswerte herauszubekommen.

Unsere Wetterexperten aus Weihenstephan setzen das abgelaufene Jahr deshalb in Bezug zum Durchschnitt des Zeitraums 1980 bis 2010. Und da war 2017 nur um 0,7 Grad wärmer als eben dieser 30-jährige Mittelwert. Keine Angst, die vermeintlich geringe Abweichung wird uns nicht dazu verleiten, dass wir den Klimawandel leugnen.

An ein paar Extreme aus dem letzten Jahr möchten wir aber dann doch erinnern. Die Spätfröste Ende April hatten für die Obstbauern verheerende Folgen. Stürme haben, auch wenn sie nur lokal aufgetreten sind, dort riesige Löcher in die Wälder gerissen. Die Bilder von Kolle in Passau und Freyung-Grafenau haben wir noch alle in den Köpfen. Und auch, wenn wir 2017 gar nicht so heiß und trocken empfunden haben, die Wärme hat ausgereicht, dass der Borkenkäfer ab Juli nochmal so richtig hat Gas geben können.

Wenn wir gerade bei den Abweichungen von der Norm sind: Wir haben die Umweltprogramme Kulap und VNP im Heft. Wir stellen die Sortenversuche zu Ökobraugerste vor. Wir bringen die Erfahrungen mit bienenfreundlichen Spritzdüsen. Wir berichten über eine Hähnchenmästerfamilie, die nach den Vorgaben des Deutschen Tierschutzbundes produziert  und letzte Woche hatten wir Erfahrungen mit behornten Kühen im Heft. Keine Angst, wir sind nicht zu den Ökoaktivisten übergelaufen, aber wir müssen auch schauen, was sich außerhalb der eingefahrenen Gleise tut. Wie war das nochmal? Der Baum, der sich dem Wind entgegenstemmt, wird gebrochen, der Grashalm, der sich dem Sturm beugt, steht nachher wieder fest am alten Standort.

Auch interessant