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Pflanzenschutz

Nur gemeinsam gegen den Zünsler

Falter-des-Maiszünslers
Dieter Proff, AELF Ansbach, Fachzentrum Pflanzenbau
am
13.06.2018

Er bereitet immer mehr Landwirten Probleme – und das Thema wird sich weiter aufschaukeln, wenn nicht alle Landwirte konsequent gegen den Maiszünsler vorgehen. Beim Wurzelbohrer hingegen reicht die Fruchtfolge zur Bekämpfung.

Drohne-mit-Trichogrammakugeln

Letztes Jahr überraschte der Maiszünsler viele Landwirte mit deutlich sichtbaren Schäden – und verdeutlichte in vielen Regionen Bayerns, dass immer noch er der wirtschaftlich bedeutendste Maisschädling ist. Wie es dazu kam? Die trockene Herbst- und Winterwitterung in den Vorjahren in Verbindung mit einer reduzierten Maisstoppel- und Bodenbearbeitung ließ den Befall ansteigen. Eine stärkere Windbelastung vor der Ernte führte dann zum Abknicken der befallenen Maisstängel.

Maiszünslerraupe-in-Stoppeln-nach-Ernte

Nur wenn alle Anbauer in der gesamten Flur gemeinsam mit der Bodenbearbeitung gegen den Zünsler vorgehen, kann ein weiteres Aufschaukeln verhindert werden. Gelingt dies nicht, wird der Befallsdruck zunehmen – und eine direkte Bekämpfung wird immer häufiger nötig sein.

Schadbild-Maiszuensler-Staengelbruch

Den Wurzelbohrer dagegen kann jeder Anbauer eigenständig über seine Fruchtfolge gut in Schach halten. Beide Schädlinge werden in Bayern mittels spezieller Fallen überwacht, um den Landwirten angepasste Entscheidungshilfen geben zu können.

Keine Maisstoppeln, keine Verpuppung

Aber warum ist die Boden- und Stoppelbearbeitung bei der vorbeugenden Bekämpfung des Maiszünslers so wichtig? In Heft 49/2017 des Wochenblattes wurde dieses Thema ausführlich behandelt, die Kurzfassung lautet: Die Larven des Maiszünslers überwintern in den Ernterückständen des Maises – entweder auf oder im Boden. Auch in Stängelresten vergrabene Larven wandern zur Bodenoberfläche und müssen sich dort im Frühsommer in vorhandenen Maisstoppeln und -stängeln verpuppen.

Der Maiszünsler ist also zur Verpuppung unbedingt auf intakte Stängel- und Stoppelreste an der Bodenoberfläche angewiesen. Fehlen diese, sterben die meisten Larven ab und der Zünsler kann keine schädliche Befallsdichte aufbauen.
Der Befallsdruck in der Flur kann anhand der vorhandenen intakten Stoppelreste an der Bodenoberfläche beurteilt werden: Je mehr zu finden sind – und hier genügen 3 bis 4 cm lange Stücke, wie unsere Versuche zeigen – desto mehr Zünsler können sich zum Falter entwickeln und ab Juni in die nächstgelegenen Maisfelder einfliegen.
Dort legt der Schmetterling dann seine Eier ab, nach rund acht bis zwölf Tagen schlüpfen die Larven, die sich nach einigen Tagen in den Maisstängel einbohren.
Sobald jede dritte bis zweite Pflanze befallen ist, muss mit messbaren Ertragsverlusten gerechnet werden. Unabhängig davon fressen die Zünslerlarven auch häufig im Kolben und verursachen damit eine höhere Belastung mit Pilzen und Toxinen.
In unseren Versuchen sind im Schnitt immer rund zwei Drittel der Kolben befallen.

Insektizide: Coragen zeigt beste Ergebnisse

Insektizide bekämpfen nicht den Falter, sondern die frisch schlüpfenden Larven des Zünslers. Deshalb sollte der Termin der Behandlung mit dem Schlupf der ersten Raupen übereinstimmen. Erfahrungsgemäß ist dies zum Flughöhepunkt der Fall. Zu diesem Zeitpunkt wurden in unseren Versuchen die besten Wirkungsgrade erzielt.
Flug, Eiablage und Larvenschlupf erstrecken sich über einen längeren Zeitraum, sodass vor allem zu frühe Behandlungen aus Gründen der besseren Befahrbarkeit des Bestandes einen großen Teil der Wirkungsdauer verschenken und deutlich schlechter abschneiden.
Das Produkt Coragen reduzierte die Zahl der Zünslerlarven in unseren Versuchen mehrjährig mit über 90 % Wirkungsgrad am nachhaltigsten und verhinderte vollständig ein Abbrechen der Stängel. Auch der Fraß des Zünslers im Kolben wurde sicher unterbunden. Die anderen geprüften Produkte können dieses Niveau derzeit nicht erreichen.
Die Durchfahrtverluste sind nach Untersuchungen der Firma DuPont gemeinsam mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf von folgenden Faktoren abhängig: Arbeitsbreite, verwendete Technik und Jahrgangsbedingungen (Maishöhe, Elastizität der Stängel).
Die Verluste bewegten sich bei Verwendung eines Standardschleppers mit Anhängespritze, einer Maishöhe von 175 cm bis 200 cm und einer Arbeitsbreite von 24 Metern zwischen 0 und 3,8 %. Beim Einsatz von Selbstfahrern mit höherem Durchgang sind sie noch geringer und beschränken sich meist auf das Vorgewende.

Trichogramma: Die Wirkung schwankt

Die biologische Bekämpfung mit Trichogramma-Schlupfwespen erlebt mittlerweile durch die Ausbringungsmöglichkeit mittels Drohnen (Mulitcoptern) einen Aufschwung. So organisiert eine zunehmende Zahl an Maschinenringen, Landhändlern und weiteren Dienstleistern eine Ausbringung der Trichogramma-Kugeln. Aus den abgeworfenen Kugeln schlüpfen dann die Trichogramma-Schlupfwespen und parasitieren die Eigelege des Maiszünslers.
Nach unseren Erfahrungen ist eine zweimalige Ausbringung der Kugeln anzuraten. Der erste Termin sollte zu Flugbeginn sein und ist damit meistens schon durchgeführt, der zweite sollte rund 10 bis 14 Tage später folgen.
Die Kosten für die Ausbringung der Trichogramma-Kugeln liegen mittlerweile nur geringfügig über denen einer überbetrieblichen Insektizidbehandlung. Allerdings kommt der Wirkungsgrad nicht an die chemische Bekämpfung heran und ist größeren Schwankungen unterworfen.
Dies belegen auch die beiden zurückliegenden Versuchsjahre: 2016 reduzierten die Schlupfwespen die Larvenzahl um mehr als 80 % im Vergleich zur unbehandelten Variante, was ein sehr gutes Ergebnis darstellt. Dagegen war die Wirkung im Jahr 2017 aufgrund des massiven, konzentrierten Zünslerzufluges und der ungünstigen Witterung nach der ersten Ausbringung mit einer Wirkung von unter 50 % enttäuschend. Mehrjährig kann mit einer Reduzierung des Befalls um 60 – 70 % kalkuliert werden.

Heuer wird ein hoher Befallsdruck erwartet

Um sowohl den Einsatz der Nützlinge als auch den des Insektizids optimal zu terminieren, wird der Flug des Maiszünslers von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und einigen Landwirten in Bayern mittels Fallenfängen flächendeckend überwacht. Dabei haben sich spezielle Schlupfkäfige besonders bewährt, so kann neben dem Flugbeginn auch die Eiablage und der Larvenschlupf gut überwacht werden.
Im heurigen Jahr hat der Zuflug des Zünslers aufgrund der überdurchschnittlichen Temperaturen schon Anfang Juni eingesetzt. Die aktuellen Zahlen finden Sie im Internet unter www.lfl.bayern.de.
Zum Behandlungszeitpunkt kann der Befall zur Ernte leider nicht vorhergesagt werden, eine Schadschwelle „gefangene Falter pro Falle“ gibt es leider nicht. Der stärkere Befall aus dem Vorjahr in Verbindung mit der bisherigen Witterung lässt aber vermuten, dass der Befallsdruck auch 2018 eher hoch bleibt.

Wurzelbohrer: Problem ist hausgemacht

Die Biologie des Maiswurzelbohrers unterscheidet sich deutlich von der des Zünslers: Beim Wurzelbohrer handelt es sich um einen Käfer, der zwar auch im Sommer erscheint, aber seine Eier in den Boden der Maisschläge ablegt. Daraus schlüpfen im Gegensatz zum Zünsler aber erst im Jahr darauf – ab Ende Mai –die Larven, die dann bis Juli im Boden wieder an neuen Maiswurzeln fressen müssen, um ihre Entwicklung abschließen zu können. Sie benötigen also Mais auf Mais – ansonsten sterben sie ab.
Ohne den häufigeren Anbau von Mais auf Mais auf demselben Schlag kann der Wurzelbohrer keine schädliche Befallsstärke aufbauen. Deshalb ist hier die wirksamste Gegenmaßnahme und Beratungsempfehlung, in drei Jahren maximal zweimal Mais auf derselben Fläche anzubauen. Noch sicherer ist natürlich ein jährlicher Fruchtwechsel und Mais auf Mais generell zu vermeiden.
Hier hat es also jeder Anbauer selbst in der Hand, Befall auf seinen Feldern zu fördern oder zu unterbinden. Selbst wenn der Käfer in das fremde Maisfeld des Nachbarn einfliegt, kann sich der Wurzelbohrer dort bei der jetzigen geringen Besatzdichte in Bayern auch nur weiterentwickeln und schädigen, wenn im kommenden Jahr wieder Mais auf den heurigen Mais folgt.

Die derzeitige Ausbreitung des Wurzelbohrers können Sie der Karte entnehmen. Die meisten Käfer werden in Südostbayern gefangen – dort allerdings mit deutlich steigender Tendenz. Nur wenn die Empfehlungen zur Fruchtfolgegestaltung sorgfältig befolgt werden, wird der Wurzelbohrer keine nennenswerten Schäden in Bayern anrichten können. Einen anderen, genauso zuverlässigen Weg gibt es nach den bisherigen Erfahrungen aus den östlichen Nachbarstaaten nicht.

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