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Ökofeldtage

Pionier werden

Ökolandbau
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
11.07.2019

Öko-Feldtage locken viele tausende Besucher an .

Karola Meeder

Ökopioniere dürfte das mehr als stolz machen: Einst wurden sie als Spinner abgetan, heute locken die Öko-Feldtage viele tausende Besucher an – auch konventionelle Kollegen. Und das ist gut so.

Die Besucherzahlen zeigen, dass die Öko-Feldtage den Nerv der Zeit treffen – auch in die politische Strategie passen sie gut. Denn wer auf Wählerjagd ist, setzt neuerdings auf den Themenkreis Nachhaltigkeit, Artenvielfalt, Ökologie und Regionalität. Aber wen nimmt man da in die Pflicht? Industrie und Automobilbranche? Eher nicht. Wie „entschieden“ die Politik hier durchgreift, hat der Abgasskandal gezeigt – Lobby sei Dank. Die Annehmlichkeiten der Verbraucher sollte man auch nicht zu stark berühren, denn das kostet Stimmen.

Was bleibt da noch? Klar, die Landwirtschaft – kleiner Wählerkreis und nicht allzu viele Fürsprecher. Und so kommt es zu Entscheidungen, die nicht immer nachvollziehbar sind – macht aber nichts. Denn um zu verstehen, dass das Verbot des einen Wirkstoffs mit höheren Ausbringmengen anderer Wirkstoffe einhergeht, fehlt ja dem Großteil der Wähler der fachliche Hintergrund. Das Mercosur-Abkommen zeigt, dass man den Wählern auch geringe Tierschutz-, Umwelt- und Sozialstandards gut verkaufen kann, wenn man im Gegenzug mit günstigen Lebensmittelpreisen und Exportvorteilen für die Industrie winkt. Und ganz plötzlich sind Artenschutz, Nachhaltigkeit, Ökologie und Regionalität nicht mehr so wichtig.

Jetzt können wir uns entweder maßlos ärgern – oder selbst für unseren Berufsstand kämpfen. Die Politik reagiert auf die Stimmung der Verbraucher. Also müssen wir es schaffen, in den Köpfen der Verbraucher ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu zeichnen – mit all unseren Leistungen und Problemen. Und da ist jeder Landwirt gefragt, denn die Menschen erreicht man am besten auf der persönlichen Ebene. Das ist eine Mammutaufgabe ohne Erfolgsgarantie – einen Versuch ist es aber wert. Oder meinen Sie, die Ökopioniere haben damit gerechnet, dass konventionelle Landwirte einmal scharenweise zu einem Ökofeldtag kommen werden?

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