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Wenn Politiker das Wetter machen

Wetter
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
05.07.2018

Schon wieder ein Jahr, das sich mit extremem Wetter in die Erinnerung einbrennt. Doch an verrückte Wetterjahre werden wir uns wohl gewöhnen müssen.

Wolfgang Piller

Schlechtes Wetter hat es immer schon gegeben, wird jetzt mancher einwerfen. Und laut anfügen oder im Stillen denken: Gut, dass wir Menschen nicht auch noch das Wetter machen können. Oder noch schlimmer: die Politiker. Stellen wir uns das einmal vor.

Die CSU hätte als Regionalpartei natürlich einen Vorteil. Zwar müssten die Söders, Seehofers und Co. nicht auch an die Menschen im Ruhrpott denken oder an die Seefahrer, dafür aber an all ihre vielen Spezln und Amigos. Und angesichts der aktuell zu beobachtenden Lust am Entfachen von Gewittern und Orkanen muss jedem ein Stoßseufzer entfahren: Oh Gott, bloß kein CSU-Wetter.

Die SPDler hätten’s da schon leichter – so viele Spezln haben sie ja gar nicht mehr. Aber ihr Oberbürgermeister im Millionendorf München würde sich beim Abwägen schon schwertun: Sonnenschein von April bis Oktober für die Biergartenwirte und die Spaziergänger im Englischen Garten oder doch ab und zu Regen für die Bauern?

Ein klarer Vorteil für den Schweinehalter Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. Doch andererseits will der ja noch was werden in der Politik und ob er da immer als Erstes an sich selbst denken darf?

Bleiben die Grünen, die FDP und neuerdings die AfD. Bei den Grünen könnte es vielleicht am besten klappen mit dem Wetter. Immerhin haben sie ja nicht weniger als das Wohl der Menschheit und der ganzen Welt im Blick. Aber wie ist das mit den Kröten einerseits und den Trockenrasen andererseits?

Der FDP kann das alles völlig egal sein. Die Zahnärzte, Firmenchefs und sonstigen Neureichen brauchen vor allem ein sattes Grün auf den Golfplätzen. Da könnte also aus ganz unerwarteter Richtung doch noch das richtige Wetter für die Landwirte dabei sein.

Bei der AfD fällt mir zugegeben nur wenig ein. Was bitte schön sollte denn auch das typisch deutsche Wetter sein? Fritz-Walter-Wetter für die Fußballer vielleicht. Die haben’s noch nötiger als die Bauern.

Aber Spaß beiseite. 2018 ist nicht nur das Jahr mit einem viel zu trockenen Frühjahr, das sich in der früh begonnenen Getreideernte niederschlägt, es ist auch Wahljahr.

Zum Wetter werden wir die Politiker trotzdem nicht befragen. Warum auch. Mit Wetterunbilden zurechtkommen mussten Bauern schon immer und das ohne Hilfe der Politik. Dass Ihnen das weiterhin gelingt, wünscht

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