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Rapsanbau

Was, wenn Raps nicht mehr gelb wäre?

Raps
Catrin Hahn
am
04.07.2019

Auch beim internationalen Rapskongress war die Schädlingsbekämpfung ein heißes Thema – und auch hier gab es interessante Überlegungen.

Raps

Mitte Juni wehten auf dem Berliner Alexanderplatz viele gelbe Fahnen: Erstmals seit 45 Jahren fand der Internationale Rapskongress IRC wieder in Deutschland statt. Zu diesem 15. Kongress hatten sich 850 Teilnehmer aus 43 Ländern eingefunden.

Das größte Interesse der Besucher galt der Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen durch optimierte Anbautechniken und Züchtung, wie Prof. Wolfgang Friedt, Präsident des „Global Council for Innovation in Rapeseed and Canola“ (GCIRC), das den Kongress alle vier Jahre ausrichtet, rückblickend erklärte.

Eine junge Pflanze mit sehr vielen Feinden

Die schnelle Karriere der relativ jungen Rapspflanze, die aus der Kreuzung von Rübse (Brassica Rapa) und Gemüsekohl (Brassica Oleracea) hervorgegangen ist, basierte auf extremen Selektionsprozessen im Genpool der Pflanze. Für die bevorstehenden Herausforderungen braucht es nun aber eine große Vielfalt – also einen breiten Gen- pool, wie Prof. Rod Snowdon von der Justus-Liebig-Universität Gießen erklärte. Deswegen haben sich Wissenschaftler darangemacht, mit modernen Sequenziertechnologien so viele Genomvariationen wie möglich zu entschlüsseln. Auf diese Weise könnten noch Resistenzgene entdeckt werden, die sich bisher in verdeckten Genabschnitten versteckt halten. Interessante Aussichten also.
Prof. Andreas von Tiedemann von der Georg-August-Universität Göttingen ergänzte die Aussage seines Vorredners Snowdon: Der Raps sei nicht nur eine ungewöhnlich junge Pflanze, er hätte dazu auch noch eine Menge Feinde. Seit 30 Jahren würden die von Züchtern erzeugten Ertragszuwächse nicht in der Praxis sichtbar, weil Krankheiten und Schädlinge weltweit für Depressionen sorgen. Experten aus elf Ländern haben die weltweit wichtigsten Ursachen zusammengetragen und haben dabei 16 Krankheiten und 31 Schaderreger ausgemacht. Europa führt diese traurige Liste mit 12 Krankheiten und 16 Schaderregern an – die meisten davon kommen in allen Anbaugebieten vor, wie Tiedemann erklärte.
Die meisten dieser Kalamitäten haben in den vergangenen Jahren mehr oder weniger stark zugenommen und so ist auch der Behandlungsindex fast überall gestiegen – in Europa von 2,5 auf 3,5 Überfahrten. „Das ist offensichtlich nicht nachhaltig. Wir brauchen neue Kontrollstrategien. Aber wie könnten die aussehen?“, fragte er
Bei Insekten sei die Angebotspalette nicht sehr groß: Resistente Schaderreger, politische Restriktionen und wenig Forschungserfolg in der Pflanzenschutzindustrie zwingen zum Handeln. Weitere Anbauabstände seien hier ein Weg, der vielfach gefordert wird. Allerdings seien die Insekten ja durchaus sehr mobil. Weitere Fruchtfolgen in einzelnen Betrieben sind also nur begrenzt sinnvoll, da der Erreger ohne weiteres auf andere Schläge ausweichen könnte.

Fruchtfolgeanteil in der ganzen Region anpassen

Deswegen machte Tiedemann einen Vorschlag, der unter den Kongressteilnehmern für viel Gesprächsstoff sorgte: „Wir müssen regional denken. Wie wäre es, wenn ganze Regionen ihren Rapsanbau aufeinander abstimmen?“, fragte er. Es soll also nicht jeder Betrieb 25 % Rapsanbau in seiner Fruchtfolge haben, sondern Regionen von beispielsweise 10 km Umkreis. „Wir brauchen einen neuen Zugang zur Schädlingskontrolle. Es braucht nur Absprache und der gesamte Rapsanbau kann stabil bleiben“, verdeutlichte er.
Samantha Cook vom weltweit ältesten Agrarforschungsinstitut Rothamsted Research in Harpenden berichtete über ihre Forschungen zu Rapsglanzkäfer und Erdfloh. So hätte man herausgefunden, dass die Insekten temperaturabhängig sind: Je wärmer es ist, desto mehr fressen sie.
Cook sprach verschiedene Überlegungen zur Käferbekämpfung an: Was, wenn sie auf den Geruch und die Farbe der Rapsblüten reagieren? Wäre es dann denkbar, beides zu verändern? Oder könnten anders aufgebaute Blattoberflächen die Käfer verwirren? Ein Ablenkanbau über Unter- oder Mantelsaaten könne auch hilfreich sein. Auch über das Versprühen sogenannter „Repellents“ – also Stoffen, die die Käfer vertreiben – denkt man nach. So sei bekannt, dass sie Lavendel nicht mögen.
Henning Kage von der Universität Kiel befasste sich mit dem CO2-Fußabdruck des Rapses. Anders als von gesellschaftlicher oder politischer Seite oft gefordert, sei eine Extensivierung des Anbaus nicht hilfreich. „Der Ertrag ist wichtig für die Senkung des Treibhausgasausstoßes. Wir brauchen eine nachhaltige Intensivierung statt einer Extensivierung.“
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