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Lieber Leser

Wer den Schaden hat, der …

Mais Gewitter
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
07.06.2018

Wenn das Gewitter die Bestände zerfranst und Boden abschwemmt und dann soll man noch bezahlen, das ist hart.

Sepp Kellerer

Mittwoch, später Nachmittag. Ein Donnerschlag weckt mich aus dem Büroschlaf. Ach, ja der „liebe Leser“ muss noch geschrieben werden. Das passt gerade. Das Licht eingeschaltet, weil die Wolken tief und schwarz und bedrohlich über der Landeshauptstadt hängen. Aber alles gut, es regnet zwar kräftig, aber kein Wolkenbruch und kein Hagelschauer, nach der Hitze der letzten Tage ein wohltuend kühles Nass.

So war es bei Gewittern vielleicht mal die Regel, auf die man sich bayernweit verlassen konnte. Und heute? Es gibt immer noch Gegenden in Bayern, die sehnsüchtig auf Regen warten, wobei diese Hot spots oft nur ein paar Kilometer Durchmesser haben. Es gibt aber auch Gegenden in Bayern, wo die Fluten und die Hagelkörner niedergeprasselt sind.

Eine braune Woge wälzt sich durchs Dorf. Selbstverständlich sind Sie mit Ihrer Familie und den Feuerwehrkameraden im Einsatz, um Schäden so weit wie möglich zu verhindern und die Hinterlassenschaften des Unwetters zu beseitigen. Sie fahren nach so einem Ereignis hinaus in die Flur, um zu überprüfen, was das Unwetter dort angerichtet hat.

Im Radio wird berichtet, dass knapp hundert Liter pro Quadratmeter niedergegangen sind, und das in einer Stunde. Sie ahnen, was auf Sie zukommt. Im Maisacker hat das Wasser tiefe Rinnen ausgerissen und am Hangfuß sind die Pflanzen von einem Gemisch aus Pflanzenmulch und Erde bedeckt. Die Schlammschneise zieht sich bis zur Straße und von dort eben bis ins Dorf.

Dabei haben sie letztes Jahr nach der Getreidernte sorgfältig die Zwischenfrucht bestellt, dabei penibel darauf geachtet, dass der Bestand auch schön dicht wird, damit einerseits die Mulchwirkung ausreichend ist, andererseits im Frühjahr auf Glyphosat verzichtet werden konnte. Auch eine Bearbeitung im Frühjahr haben sie vermieden und direkt in den Mulch gesät. Und jetzt das!

Ein paar Wochen später – der Mais hat sich gerade wieder ein wenig zusammengewachsen – flattert Ihnen eine Rechnung der Gemeinde ins Haus. Sie sollen für die Aufwendungen der Feuerwehr bei dem Unwetter bezahlen. Schließlich hat der Schlamm von Ihren Feldern den Einsatz ausgelöst.

Jetzt spinnt er direkt, denken Sie? Nein, die Fälle hat es schon gegeben. Gott sei Dank, gibt es Richter, die die Kirche noch im Dorf lassen. Aber ob man sich darauf noch immer verlassen kann?

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