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Raps

Später dreschen lohnt sich

Bernhard Fuchs und Robert Baumgartner
am
17.08.2017

Wenn Sie beim Rapsdreschen warten, ernten Sie mehr und verbessern zugleich die N-Effizienz.

Rapsertrag mit spätem Druschzeitpunkt erhöhen

Auch dieses Jahr hat wieder gezeigt: Immer den optimalen Erntezeitpunkt von Raps und Weizen zu treffen, stellt eine große Herausforderung dar und unterliegt vielfältigen Einflussgrößen – allen voran natürlich dem Wetter, den verfügbaren Maschinen und den nötigen Arbeitszeitfenstern. Wenn die Kampagne startet und die ersten Mähdrescher im Raps unterwegs sind, gibt es oft kein Halten mehr. Jedoch ist nicht immer der frühe Erntezeitpunkt auch der Richtige. Im Hinblick auf Mähdrescherleistung, Ertrag und nicht vergessen die N-Effizienz gilt es genau abzuwägen, wann man die Ernte vornimmt.
In der Praxis gibt für den Erntebeginn die Kornfeuchte den Ausschlag – fällt sie unter 9 % und platzen die ersten oberen Schoten auf, geht es los.

Aber: Zu diesem Zeitpunkt sind noch nicht alle Schoten ausgereift und deren Körner kommen nicht im Korntank an. Andererseits bewerten viele Landwirte häufig die Ausfallverluste durch Platzen der oberen Schoten zu stark – meist gilt es noch zu warten.
Betrachtet man zu diesem Zeitpunkt den  Rapsbestand, so lässt sich oft erkennen, dass sich im mittleren und vor allem im unteren Bereich der Rapspflanze noch viele unausgereifte gelb-grüne Schoten befinden. Diese „Gummischoten“, die sich leicht biegen lassen, öffnen sich bei zu früher Ernte nur schwer im Dresch­werk des Mähdreschers. Oder sie lassen sich gar nicht dreschen und gelangen anschließend mit dem Rapsstroh wieder aufs Feld. Die Folge sind Ertragsverluste.
Die Gründe für die uneinheitliche Abreife des Rapses liegen in der unterschiedlichen Einlagerung der aufgebauten Inhaltsstoffe. Ausgehend von den ältesten Knospen des Haupttriebs bis zu den jüngsten Knospen der unteren Verzweigungen blüht die Rapspflanze rund vier Wochen lang. Daraus ergibt sich ein entsprechender Altersunterschied der Schoten vom Haupttrieb zu den Seitentrieben 1. und 2. Ordnung. Dieser Altersunterschied schrumpft zwar während der Kornfüllungsphase zusammen auf nur mehr zehn bis 14 Tage – aber nicht auf Null.
Während die oberen Schoten des Haupttriebs schon druschreif sind, assimilieren oft im unteren Teil der Pflanze noch grüne Schoten weiter und tragen damit zur Ertragsstruktur bei.

Die Abreife als pflanzenphysiologischer Prozess unterliegt den Sorteneigenschaften des Rapses. Die heutigen Hybridsorten sind sehr robust, reifen aber teilweise später und vor allem ungleichmäßiger ab. Sorten mit einer genetisch fixierten Schotenplatzfestigkeit haben zudem ein um fünf bis sieben Tage verlängertes Erntefenster. Auch der Einsatz von Fungiziden verlangsamt den Alterungsprozess und muss bei der Wahl des Erntetermins berücksichtigt werden.
 

Was hat das mit dem Düngen zu tun?

Wegen der schlechteren N-Ausnutzung von Raps im Vergleich zu Getreide und auch im Hinblick auf die neue Düngeverordnung ist eine Überprüfung des optimalen Erntezeitpunkts von besonderer Relevanz. Dabei muss der Einfluss der Drusch­reife bzw. des Druschtermins und der Düngung auf den Ertrag und die
N-Effizienz betrachtet werden. Aus diesem Grund wurden Düngungs- und Druschzeitenversuche in Sachsen (2010 + 2011) sowie in Thüringen (2014 + 2015) angelegt. Beide mehrfach wiederholten Exaktversuche beinhalten:
Kontrolle ohne N-Düngung
Varianten mit 90 kg N/ha N+S zu Vegetationsbeginn und ca. 3 Wochen später 90 kg N/ha KAS.
Die Ernte der Varianten erfolgte jeweils in zwei Ernteterminen:
Der erste Druschtermin wurde so gewählt, dass die Mehrzahl der Praxisbetriebe in der Umgebung mit der Ernte begonnen hatte.
Der zweite Druschtermin erfolgte acht bis zehn Tage später – je nach Wetter.
Das Druschergebnis belegt einen Ertragsanstieg bei dem späterem Ernte­termin. Der Mehrertrag beträgt bei der ungedüngten Kontrolle 0,9 dt/ha, und bei der Düngungsvariante 2,4 dt/ha. Daraus lässt sich ableiten, dass ein gut gedüngter Rapsbestand mit einem hohen N-Düngungsniveau ein verlängertes Ausreifeverhalten hat. Je nach Düngungsniveau und Düngersystem können Mehrerträge von 2 bis 6 % erzielt werden.
Betrachtet man zusätzlich die Ausnutzung des eingesetzten Stickstoffs, so ergeben sich Vorteile durch eine höhere. Je Dezitonne Ertrag benötigt der Raps 3,35 kg N/ha. In diesem Fall bedeutet es, dass beim späten Druschtermin 8 kg mehr Stickstoff vom Feld abgefahren wurde. Damit wird im Hinblick auf die Bestimmungen der neuen Düngeverordnung der – für die Kultur Raps immer schon kritische – Nährstoffvergleich entlastet.  
 

Das bleibt als Fazit

Düngungsversuche belegen, dass es sinnvoll ist, den Druschzeitpunkt bei Winterraps hinauszuzögern. Dies kann vor allem in den Spätdruschgebieten Bayerns von Relevanz sein. Selbst wenn bereits die ersten Schoten im oberen Bereich des Schotenpakets beginnen aufzuplatzen, kann für den optimalen Ertrag der Druschzeitpunkt noch hinausgezögert werden.

Denn die entscheidende Ertragstruktur wird durch die

  • Schotenanzahl,
  • die Kornzahl je Schote und der
  • Tausend-Korn-Masse des Schotenpakets

im mittleren und unteren Bereich gebildet.
Der spätere Druschtermin erweist sich in der Düngungsvariante (180 kg N/ha) eindeutig als ertragsstärker. Gleichzeitig erhöht sich damit der N-Entzug der Kultur und reduziert den im Rapsanbau kritisch  zu betrachtenden N-Bilanzüberschuss.

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