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Soja-Alternative

Süßlupine als Eiweißlieferant

Süßlupine
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
16.04.2019

Lupinen können durch eine Symbiose mit Knöllchenbakterien auf einem Hektar bis zu 400 kg Stickstoff pro Jahr im Boden binden.

Lupinen gehören zur Familie der Leguminosen (Hülsenfrüchtler), die mit über 650 verschiedenen Gattungen und 18.000 Spezies eine der artenreichsten Pflanzenfamilien darstellt. Dazu gehören auch Soja, Linsen, Bohnen und Erbsen. Im Vergleich enthalten die Samen der Lupine allerdings deutlich mehr Eiweiß als andere Leguminosensamen. Insbesondere das Eiweiß der Süßlupine ähnelt dem Milcheiweiß.

Wie alle Leguminosen gedeiht auch die Süßlupine besonders gut auf sandigen, nährstoffarmen Böden, wo sie in keinerlei Wettbewerb mit anderen Nutzpflanzen steht. Allerdings wächst sie im Gegensatz zur wärmebedürftigeren Sojabohne in allen Klimalagen – und somit auch in Europa beziehungsweise Deutschland. Während sie hierzulande noch relativ unbekannt ist, gilt die Lupine für die indigene Bevölkerung in Bolivien seit vielen 100 Jahren als Kulturgut. In den Vereinigten Staaten hat der Bundesstaat Texas die Wildlupine sogar zu seiner offiziellen Staatsblume ernannt.

Bodenverbessernde und gentechnikfreie Zwischenfrucht

Die Lupine hat ihre Anspruchslosigkeit vor allem ihren Wurzeln zu verdanken. Diese können bis zu zwei Meter tief in den Boden eindringen und schwer lösliche Phosphate mobilisieren. Werden nach der Lupinenernte auf dem gleichen Feld andere Pflanzen gesät, profitieren diese nicht nur von den gelösten Phosphaten: „Lupinen können durch eine Symbiose mit Knöllchenbakterien auf einem Hektar bis zu 400 kg Stickstoff pro Jahr im Boden binden“, erklärt Dr. Peter Eisner, der sich seit Jahren mit der Süßlupine und ihren unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten beschäftigt. „Da sie selbst nur ein Drittel davon benötigen, bleibt für die nächste Pflanze mehr als genug Stickstoff übrig.“

Nach der Ansicht von Peter Eisner, der stellvertretender Leiter des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung ist und als Privatdozent die Vorlesung „Pflanzenprotein“ an der Technischen Universität München hält, empfinden viele Verbraucher die gentechnischen Veränderungen von Soja als negativ. Die Lupine kommt ohne Gentechnik aus: Weltweit gibt es mittlerweile über 500 verschiedene Lupinenarten, die auf natürliche Weise durch Selektion gezüchtet wurden. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrem Gehalt an Proteinen und Bitterstoffen. Wie der Name bereits verrät, zeichnet sich die Süßlupine durch einen geringen Anteil an Bitterstoffen aus und eignet sich daher nicht nur als nachhaltiges Futtermittel sondern auch als Rohstoff für rein pflanzliche Lebensmittel.

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