Login
Unwetterschäden

Was tun mit dem Mais?

Mais Hagelsturm
Petra Rauch LfL Tierernährung, Grub
am
31.08.2017

Grub - Durch Unwetter und Hagelschlag wurden die Maisbestände in einigen Gegenden Bayerns, vor allem im Raum Passau, stark beschädigt.

Je nach Ausmaß des Unwetters gehen die Schäden von leichtem Lager und etwas aufgeschlitzten Blättern bis zu Totalschäden, bei denen nur noch Stängelreste übrig sind. Doch wie soll man jetzt mit solchen geschädigten Beständen weiter verfahren? Aufgrund der unterschiedlichen Schadbilder kann keine pauschale Empfehlung abgeleitet werden. Der Einzelbestand muss genau in Augenschein genommen werden.
Keine Probleme bereiten in der Regel Flächen, auf denen die Pflanzen umgedrückt wurden oder die Blätter durch die Hagelkörner nur leicht aufgeschlitzt wurden. Falls die Pflanzen nicht sichtbar abgebrochen sind, können sie sich zu einem großen Teil wieder aufrichten und weiter Nährstoffe einlagern. An den Wachstumszonen der Stängelknoten bilden sich in solchen Fällen sogenannte Säbelbeine. Eine gewisse Ernteerschwernis und Ertragseinbußen sind somit zwar unausweichlich, eine ausreichende Abreife ist aber durchaus noch zu erwarten. Falls eine Nutzung als Körnermais angedacht war, ist zu prüfen, ob eine Verwertung als Silomais sich nicht eher anbietet.

Hagelschaden Mais

Pflanzen mit geknickten oder gebrochenen Stängeln werden in eine Notreife übergehen. Es lohnt sich, mit der Ernte noch etwas zu warten, sodass die Trockenmassegehalte ansteigen können und weniger Sickersaftverluste anfallen (Nagelprobe am Korn). Die Bestände sollten aber regelmäßig überprüft werden, denn an abgestorbenen Pflanzenteilen können sich Pilze entwickeln. Die Wetterprognose ist zu beachten, um frühzeitig bei gutem Wetter zu ernten und weitere Verluste zu vermeiden. Für eine möglichst verlustarme Ernte sollte entgegen der Windrichtung und mit einem reihenunabhängigen Maisgebiss gehäckselt werden.
Bei Maisbeständen, die zwar einen deutlichen Schaden aufweisen, bei denen die Kolben aber noch intakt und die Lieschblätter nicht zerstört sind und bei Flächen mit leichter zerrissenen Blättern sollte ähnlich wie bei einem Stängelbruch bis zur Ernte auf jeden Fall noch einige Zeit abgewartet werden. Solche Bestände reifen zwar durch die Schädigung deutlich schneller ab und können bei verspäteter Ernte auch rasch von Schimmelpilzen befallen werden. Falls noch genug Blattmasse vorhanden ist, kann aber auf jeden Fall damit gerechnet werden, dass es noch zu einer – wenn auch deutlich reduzierten – Kolbenausbildung kommt, die sich positiv auf die Qualität auswirkt. Wenn die Pflanzen soweit geschädigt sind, dass die Kolben zerstört sind und nur noch Stängelreste auf dem Feld stehen, ist es ratsam, den Bestand möglichst schnell zu ernten und eventuell eine Neuansaat z. B. mit Welschem Weidelgras vorzunehmen.

Flächen gut beobachten

Wichtig ist es, betroffene Flächen gut zu beobachten, denn die TM-Gehalte, die im Moment für das Silieren noch relativ niedrig sind, steigen bei beschädigten Pflanzen schnell an. So kann es bereits in Kürze so weit sein, dass der Bestand siliert werden muss, auch wenn die Kolben noch sehr wenig ausgereift und noch relativ feucht sind.
Stark beschädigte Bestände (große Blattverluste, beschädigte oder zerstörte Kolben) zügig silieren.
Bei geringerer Schädigung (noch Blätter vorhanden, intakte Kolben) Bestände gut beobachten, bei fortschreitender Abreife rasch silieren.
Sind in einem Maisbestand sehr viele Pflanzen abgebrochen und liegen die Kolben und die feineren Pflanzenteile im Wesentlichen auf dem Boden, ist eine Ernte nicht mehr sinnvoll. Der Futterwert des Erntegutes ist gering und zudem besteht noch die Gefahr von hohen Schmutzanteilen, die sowohl die Vergärung als dann auch die Futteraufnahme verschlechtern. In diesem Fall ist sicherlich ein Mulchen und dann Einackern die sinnvollste Lösung. Eine Beweidung kommt unter Umständen auch in Betracht.
Der Futterwert der Maispflanze, der im Wesentlichen vom Energiegehalt bestimmt ist, hängt in hohem Maße von der Kolbenausbildung und dann von der Ausreife der Körner ab. Die Futteruntersuchung ergibt folgende Energiegehalte von Grünmais:
Grünmais in der Kolbenbildung:    6,0 MJ NEL bzw. 10,0 MJ ME/kg TM
Milchreife:
6,2 MJ NEL bzw. 10,4 MJ ME/kg TM
Teigreife:
6,5 MJ NEL bzw. 10,8 MJ ME/kg TM
Wachsreife
6,7 MJ NEL bzw. 11,0 MJ ME/kg TM

Futterwert entspricht dem von Gras

Bei einer jetzt wegen großer Hagelschäden erfolgenden Ernte ist zudem Folgendes zu bedenken: Die geschädigten Bestände dürften sich alle in der Milchreife im Übergang zur Teigreife befunden haben. Der Futterwert ist in diesem Stadium in etwa mit dem von Gras zu vergleichen. Diese Einschätzung stimmt aber nur dann, wenn die gesamte Pflanze geerntet werden kann. Der Futterwert der Maispflanze ohne Kolben ist am höchsten in den Blättern und in den oberen Stängelteilen. In Richtung Boden steigt der Rohfaser- und Ligninanteil an. Das bedeutet eine abnehmende Verdaulichkeit dieser Pflanzenteile und damit auch eine geringere Energiekonzentration. Durch die fehlende Blattmasse und den mangelhaft ausgebildeten Kolben sind also niedrigere Energiegehalte zu erwarten. Je nach Verlauf der Silierung sind dann noch die üblichen Silierverluste von 0,1 bis 0,3 MJ NEL/kg TM vom Energiegehalt im Grünmais abzuziehen. Das Siliergut dürfte im Normalfall dennoch gut silieren, sodass nur in Extremfällen wie z. B. starker Verschmutzung ein Siliermittel zur Verbesserung der Vergärbarkeit notwendig sein sollte.
Anders ist die Gefahr der Nacherwärmung. Auch der frühzeitig geerntete Mais kann sich am Anschnitt nach der Öffnung nacherwärmen. Verdichtung und ein ausreichender Vorschub mindern das Risiko. Bei ungünstigen Bedingungen empfiehlt sich der Einsatz eines Siliermittels der Wirkungsrichtung 2 zur Verbesserung der aeroben Stabilität. Generell sollte eine mindestens sechswöchige Silierdauer vor der Öffnung eingehalten werden. Eventuell anfallender Sickersaft muss aufgefangen und sachgerecht verwertet werden.
Bei stark beschädigten Beständen und den dabei noch erreichbaren Qualitäten der Maissilage ist der Einsatz in der Milchviehfütterung zum Energieausgleich bei eiweißreichen Rationen und in der intensiven Rindermast nur in eingeschränktem Maße möglich. Die niedrige Energiekonzentration sollte nach Möglichkeit mit energiereichen Komponenten ausgeglichen werden (z. B. Pressschnitzel, Kraftfutter, Silagezukauf). Für die Aufzucht reicht die Qualität bereits aus. Eine Futteruntersuchung dieser Partien ist auf jeden Fall zu empfehlen, um den Einsatz in der Fütterung besser abschätzen zu können.

Auch interessant