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Biodiversität

Vielfalt bewahren

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
08.06.2017

München - Was und wie viel auf seinen Agrarflächen kreucht und fleucht, geht nicht mehr nur den einzelnen Ackerbauern etwas an. Der Rückgang der Artenvielfalt (= Biodiversität) im Agrarland ist eines der Argumente, das der intensiven Landwirtschaft vorgehalten wird.

Wolfgang Piller

Es ist ein ernstzunehmender Vorwurf. Es lässt sich belegen, dass die Artenvielfalt auf den Nutzflächen tendenziell abnimmt. Nur: Die genauen Zusammenhänge und vor allem wie sich Maßnahmen, die den Trend umkehren sollen, am wirkungsvollsten ausgestalten lassen, sind weitgehend unerforscht.

Parolen wie „Intensive Landwirtschaft = Artenrückgang“, aber auch „Kleinräumige Landbewirtschaftung ist besser als große Flächen“ sind untauglich, weil sie so pauschal schlicht und einfach falsch sind. Es braucht schon ein genaueres Hinsehen, dazu begleitende Forschung und eine intelligente Bewertung der Ergebnisse. Und vor allem braucht es den Willen, von den Sonntagsreden zum Tun überzugehen.

Angesprochen dürfen sich viele fühlen. Die staatliche Bürokratie, weil gut gemeinte Förderprogramme, aber auch lenkende Verordnungen sich immer wieder vor allem als wirkungsvolle Hemmnisse erweisen. Das Ziel vorgeben, aber die Betroffenen weitgehend entscheiden lassen, wie sie es erreichen, wäre oft der bessere Weg. Die „Betroffenen“ sind aber durchaus auch andere Flächennutzer. Nicht jeder Garten muss von einer Rasenwüste geprägt sein und nicht jede Hofeinfahrt oder Dorffläche muss sauber gepflastert oder geteert werden. Böschungen sind auch nicht gleich verkehrsgefährdend, wenn die Wildkräuter 40 Zentimeter hoch sind (und dann als Blühpflanzen für Insekten die Lebensgrundlage bilden). Aber selbstverständlich ist Artenvielfalt auch die Sache des einzelnen Landwirts. Nicht nur weil er damit die oft ideologisch geprägte Diskussion entschärfen kann, sondern weil vielfältige Natur tatsächlich ein schützenswertes Gut an sich ist.

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