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Grünlandpflege

An einem ziemlich straffen Zügel

Pferdegespann
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
28.02.2019

Nächstes Jahr müssen Sie vielleicht erst in den Kalender schauen, ob Sie überhaupt noch auf das Grünland rausdürfen.

Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt, er setzet die Felder und Wiesen in Stand – erinnern Sie sich noch an diesen Liedtext? Die besondere Betonung möchte ich dabei auf den Begriff in Stand setzen legen. Mit anderen Worten, es wurde den Bauern zugestanden, die Flächen auf Vordermann zu bringen. Das Wetter hätte die letzten Tage in weiten Teilen des Freistaates dafür schon gepasst, aber so einfach geht das heute nicht mehr. Die Grünlandpflege können Sie heuer vielleicht das letzte Mal nach Kriterien durchführen, die Ihnen der Boden und das Wetter vorgeben. Nächstes Jahr müssen Sie vielleicht erst in den Kalender schauen, ob Sie überhaupt noch rausdürfen. Auf dem Acker ist das umgekehrt, da müssen sie erst in den Kalender schauen, ob Sie überhaupt schon rausdürfen. Gut, die Sperrfrist ist längst abgelaufen, aber einfach losfahren geht dennoch nicht.

Bevor Sie den Düngerstreuer oder das Güllefass anspannen, muss die Düngebedarfsermittlung durchgeführt sein. Und die muss natürlich die im Boden verfügbaren Stickstoffmengen berücksichtigen. Die sind heuer auch auf den Flächen für Sommerungen höher als in den letzten Jahren. Wen wunderts, bei dem Wetterverlauf, den wir seit Sommer letzten Jahres mitmachen mussten. Sehen wir es positiv: Sie können bei der ersten Gabe ein wenig sparen. Und gleich noch eine gute Nachricht: Die tatsächlichen NMin -Werte für die Winterungen weichen nirgendwo in Bayern um mehr als 10 kg von den vorläufigen ab. Sie müssen also nicht neu rechnen, dürfen aber, wenn es günstiger ist. Außer Ihre Flächen liegen in einem roten Gebiet, dann brauchen Sie Werte von einem eigenen Schlag.

Zurück aufs Grünland: Die Vollweide könnte für manchen Rinderbetrieb ein durchaus interessantes System sein, das auch arbeitsmäßig eine Entlastung bringen kann. Aber kann man das Risiko wirklich noch eingehen? Unsere Produktionsflächen werden vielfach nur noch als Kulisse für Freizeitaktivitäten angesehen. Wenn dann die Rindviecher (die vierbeinigen) durchdrehen, dann laufen die Eigentümer auch noch Gefahr, in Regress genommen zu werden. Das sagt ein höchst unverständliches Urteil aus Österreich.

Wenn auf den gesunden Menschenverstand kein Verlass mehr ist, setzen wir dann auf künstliche Intelligenz? Wir sitzen im blühenden Garten, hören den Bienen beim Summen zu und lassen den Computer die Bürokratie abarbeiten. Ob er das jemals schaffen wird?

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