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Stallbau

Abferkelstall in Modulbauweise

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Mistheizung
Umgekehrte Fußbodenheizung: Markus Gallnböck erklärt das Prinzip der Mistheizung. © Sandra Schwägerl
von , am
18.05.2017

Thalheim/Oberösterreich - Schnell gebaut, relativ preisgünstig und mit dem eigenen Mist beheizt: Eine spannende Neuheit unter den Schweineställen stellten jetzt Dr. Werner Hagmüller, Leiter des Bio-Instituts der Höheren Bundeslehranstalt (HBLFA) Raumberg-Gumpenstein am Standort Thalheim, und der dortige Laborleiter Ing. Markus Gallnböck vor.

Das Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein eröffnet energieoptimierten Bio-Abferkelstall mit einer völlig neuen Technik der Energiegewinnung.

Die Wände des Modellstalls (ein Vollholz-Abferkelstall in Modulbauweise) bestehen aus drei kreuzweise verleimten Holz-, der Boden aus vorgefertigten Betonplatten. Beim Beton wurde, laut Hagmüller, stark auf die Oberfläche geachtet, sodass diese weder zu glatt für die Sau, noch zu rau für die Ferkel ist und so Verletzungen vermieden werden können.
Ihm zufolge sei der Erfolg der Bio-Schweinehaltung zur Hälfte vom Stall abhängig und zur anderen Hälfte von der Sau. So wollte er zumindest die Hälfte, die er selbst in der Hand hat, möglichst gut nutzen. Daher hatte der Institutsleiter folgende Punkte bei der Entwicklung des Abferkelstalles stets im Blick:
Hoher Vorfertigungsgrad, um Fehler am Bau zu vermeiden. Die Holzmodule werden mit bereits vorgeformten Aussparungen vom Werk geliefert. Auch die Betonplatten müssten lediglich auf die Fundamentstreifen aufgelegt werden. Daraus ergebe sich eine geringe Bauzeit für den Modulstall: Für den Aufbau von Boden und der Wände mit Decke wurden jeweils fünf Stunden benötigt.
Kleine und niedrige Räume, sodass der Energieverbrauch gering gehalten wird. So schafft man auch im Winter leichter die ausreichend hohen Temperaturen.
Blick auf die Kosten: Der Stall entstand in Kooperation mit der Wirtschaft, sodass das Konzept für die Betriebe realistisch umsetzbar ist, der Preis pro Bucht liege bei insgesamt 9000 €. Durch die Modulbauweise ist der Stall stets erweiterbar. Naturland-Fachberater Jürgen Herrle aus Deutschland bestätigte, dass der Preis des energieoptimierten Abferkelstalls durchaus konkurrenzfähig sei. Werner Hagmüller zeigte sich sehr optimistisch, dass die Modulbauweise gut angenommen wird.
Stroh als Einstreu und Spielmöglichkeit
Für den Institutsleiter kommen Quereinsteiger in die Bio-Landwirtschaft als Zielgruppe für das beschriebene Stallmodell infrage, da es sich als verlässlich und zeitsparend im Aufbau bewiesen hatte und die Kosten dafür klar überschaubar seien.
Auf der Frage nach der Lebensdauer der Holzmodule verwies Hagmüller auf die Welser Abferkelbucht, ein, vor rund sechs Jahren, am Standort entwickelter Kaltstall, der ebenfalls aus dem Baustoff  Holz besteht. Dieser Stall sei noch in „sehr gutem Zustand“. An dieser Stelle betonte Hagmüller, dass die Spielmöglichkeit „Einstreu“ eine große Rolle dabei spiele, wie stark der Stall abgenutzt würde. Für ihn sei ein Holzstall in der konventionellen Schweinehaltung daher undenkbar.
Ferkelnest durch Mistabbau beheizen
Neben dem Modulbau-Stall stellte das Institut eine sogenannte Mistheizung vor, die Ing. Markus Gallnböck entwickelte. Sein Ziel ist, die Prozesswärme beim Abbau der Festmist-Inhaltsstoffe (Kohlenhydrate, Fette, Proteine) zur Ferkelnestbeheizung zu nutzen. In der Mitte eines Misthaufens ergibt sich dadurch laut Gallnböck eine Temperatur von etwa 70 °C. Um diese Wärme nutzbar zu machen, befinden sich mehrere Betonblöcke mit Fußbodenheizungsrohren im Haufen, welche die Wärme aufnehmen. Die Entwicklung dieser Heizmethode ist allerdings noch nicht abgeschlossen, momentan versucht man, den Wirkungsgrad durch das Einbauen dickerer Rohre zu erhöhen. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft finanziert.

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