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Seuchen

Afrikanische Schweinepest erreicht Tschechien

Wildschwein
"Ulrich Graf, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, aiz, pd"
am
28.06.2017

Wien/Berlin - Das Gesundheitsministerium nimmt eine Information der tschechischen Veterinärbehörden über den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei zwei Wildschweinen in Zlin zum Anlass, die Freilandhaltung von österreichischen Hausschweinen einzuschränken, um eine Verbreitung dieser äußerst ansteckenden Tierseuche zu verhindern. Der Deutsche Jagdverband bittet Jäger in Deutschland um erhöhte Aufmerksamkeit.

Durch die Auftreten des Krankheitsfalls in Zlin rückt die Afrikanischen Schweinepest 80 km an die österreichische Grenze heran und ist nur noch 300 km Luftlinie von der deutschen entfernt. 

In Österreich haben sich Experten des Gesundheits- und Landwirtschaftsministeriums, der Bundesländer, der Landwirtschafts- sowie der Wirtschaftskammer und der Jägerschaft heute, Mittwoch, bei einer eilig einberufenen Sitzung, auf eine Reihe von Sofortmaßnahmen verständigt. Diese betreffen die Veröffentlichung einer Verordnung, die erweiterte Sicherheitsvorkehrungen in gefährdeten Gebieten vorsieht. Ergänzend zu den Maßnahmen, die die Nachbarländer setzen, soll in bestimmten Gebieten Österreichs die Freilandhaltung von Schweinen nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. Ferner wird ein Monitoringsystem eingerichtet, das eine frühzeitige Feststellung von ASP-Fällen bei Wildschweinen ermöglichen soll und schließlich sollen die Experten regelmäßig zusammenkommen, um die zu treffenden Maßnahmen zu akkordieren.

Ziel der Maßnahmen ist zu verhindern, dass das widerstandsfähige Virus in einen Betrieb eingeschleppt wird. Für die Schweinehalter bedeutet dies vor allem: jeglichen direkten und indirekten Kontakt zwischen Wild- und Hausschweinen zu verhindern, keine Speiseabfälle an ihre Schweine zu verfüttern, keine Betriebsfremden in den Stall zu lassen - Personen, die den Stall betreten, müssen saubere betriebseigene Schutzkleidung oder Einmalschutzkleidung tragen. Ferner sind Mäuse und Ratten konsequent zu bekämpfen, Tiertransportfahrzeuge müssen nach jeder Fahrt gereinigt und desinfiziert werden, Futtermittel- beziehungsweise Einstreudepots sind vor dem direkten Kontakt mit Wildschweinen zu schützen und die Einbringung von Grünfutter (Sauengras) in Haltungsanlagen ist zu unterlassen.

Warnung des Deutschen Jagdverbandes

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA geht davon aus, dass sich das Virus in der Natur etwa einen Kilometer pro Monat ausbreitet. Ein besonders großes Risiko stellt die Verschleppung des Virus durch den Menschen dar. Nach Auskunft des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) reicht im ungünstigen Fall bereits ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot aus, um das Virus auf Wild- und Hausschweine zu übertragen.“Reisende aus dem Baltikum, Russland, Weißrussland, Ukraine, Polen und Tschechien sollten Lebensmittel, die Teile von Haus- oder Wildschwein enthalten, nicht einführen. Auch Jagdtrophäen vom Wildschwein aus den betroffenen Regionen können ein Einschleppungsrisiko darstellen.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) appelliert an alle Jägerinnen und Jäger in Deutschland, in Alarmbereitschaft zu sein. „Bei Auffälligkeiten im eigenen Revier sollte unverzüglich das Veterinäramt informiert werden“, sagt DJV-Vizepräsident und Veterinär Dr. Wolfgang Bethe. „Das Virus ist hoch ansteckend und für Schweine tödlich. Daher sollten alle Restriktionen, die eine effektive und flächendeckende Schwarzwildbejagung in Deutschland unterbinden, wie etwa die Jagdruhe in Schutzgebieten, aus dem Weg geräumt werden.“ Bei dem hohen Bestand an Hausschweinen in Deutschland dürfe man die Seuche nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Laut FLI führt die ASP-Infektion bei europäischem Schwarzwild zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen etwa innerhalb einer Woche zum Tod des Tieres. Beim Aufbrechen vermeintlich gesunder Tiere sollte grundsätzlich auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.

Konsequenzen eines Ausbruchs

Kommt es zu einem Auftreten von ASP im Wildtierbestand, sind umfassende und großräumige Handelsbeschränkungen in den betroffenen Gebieten einzuhalten, darüber hinaus, je nach Vorkommen im Wild- oder Hausschweinebestand, Restriktionszonen.

Die zu setzenden Restriktionen und die Ausmaße der Regionen sind im Durchführungsbeschluss 2014/709/EU der EU-Kommission festgelegt und betreffen den Handel mit lebenden Schweinen aber auch Produkten (Fleisch und verarbeitete Produkte).

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