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Biosicherheit

Afrikanische Schweinepest - strenge Hygiene einhalten

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Dr. Anja Rostalski, TGD Bayern
am
08.11.2018

Mit dem überraschenden Ausbruch der ASP bei Wildschweinen in Belgien hat sich gezeigt, dass es in Mittel- und Westeuropa jedes Land treffen kann. Deshalb ist jeder Betriebsleiter gefragt, auf die nötige Biosicherheit zu achten.

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Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt immer näher heran. Der Fall in Tschechien hat gezeigt, dass ein punktuelles Geschehen durch frühes Entdecken und einen professionellen Umgang mit der Seuche sehr wohl imstande sind, die Infektion auf die lokale Wildschweinepopulation begrenzt zu halten. Dies hat insgesamt 16 Monate gedauert, mittlerweile gilt das Seuchengeschehen in Zlin jedoch als erloschen.
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Das Gegenteil ist gerade in Rumänien zu beobachten. Hier kam es zu diversen Ausbrüchen bei Wild- und Hausschweinen in verschiedenen Landesteilen, und entlang der moldawischen Grenze kann man geradezu von einer „flächenhaften“ Invasion sprechen. Das stellt für die nationale Tierseuchenbekämpfung eine enorme Herausforderung dar, und bislang kann man bei Weitem nicht von einem kontrollierten Seuchengeschehen sprechen.

Konsequenzen aus den bisherigen Erfahrungen

  1. 1Wachsamkeit: Je früher die Seuche erkannt wird, umso geringer der Schaden. Man kann davon ausgehen, dass der Ausbruch in Deutschland zunächst die Wildschweinepopulation betreffen wird. Die Jägerschaft ist entsprechend sensibilisiert, auf Fallwild zu achten und Proben auch von „verdächtigen“ Abschüssen an die zuständigen Veterinär-Untersuchungsämter zu schicken. Aber auch Schweinehalter und ihre Hoftierärzte sind in der Pflicht, auf Anzeichen einer Seuche im Bestand zu achten und diese den zuständigen Veterinärbehörden zu melden. Gemäß den Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung ist bei erhöhten Verlusten, vermehrtem Fieber oder Kümmern sowie vermehrten Aborten, Totgeburten und Lebensschwachen Ausschlussdiagnostik einzuleiten.
  2. 2Überprüfung der Biosicherheit im Betrieb: Worin liegen die betriebsindividuellen Risiken und welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um diese zu minimieren? Jeder Betrieb ist anders, das beginnt schon mit der Lage. Betriebe mit Alleinlage im Außenbereich haben andere Voraussetzungen als Betriebe in einer Ortschaft. Gewachsene Betriebe brauchen oft spezielle Lösungen, um das Schwarz-Weiß-Konzept sinnvoll umsetzen zu können. Externe Futterlager, Güllebehältnisse etc. werden regelmäßig angefahren und zählen zum Betrieb. Auch hier müssen ggf. Einfriedungen zum Schutz vor Wildtieren vorliegen. Man sollte gemeinsam mit einer neutralen Person systematisch den Betrieb abgehen und mögliche Schwachstellen aufnehmen. Lösungen sollten realistisch umsetzbar sein. Auch kleine Verbesserungen sind immerhin Verbesserungen.
  3. 3Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen: Manche Dinge werden im normalen Betriebsablauf einfach übersehen oder vergessen, obwohl die Voraussetzungen durchaus vorhanden sind. Jeder Betriebsleiter bestimmt für seinen Bestand die Regeln. Wenn er sich selber dran hält, werden dies auch die Mitarbeiter und Besucher des Betriebes tun. Auch hier sollte man sehr bewusst die betrieblichen Abläufe durchgehen und mögliche Biosicherheitslücken aufnehmen. Schriftliche Anweisungen für Besucher z. B. in der Hygieneschleuse helfen beim „erinnern“.
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Der TGD Bayern kontrolliert seit Jahren die Biosicherheit von Zucht- und Ferkelerzeugerbetrieben im Rahmen des „Bayerischen Produktionshygieneverfahrens (BayPHV)“. Bei diesen Besuchen werden regelmäßig die gleichen Mängel festgestellt. Bei ca. einem Drittel der besuchten Betriebe werden im Bereich „Äußere Biosicherheit“ vor allem die Einzäunung und die Wildtiersicherheit beanstandet. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Zäune vorhanden sind. Aber ein Hoftor, das Tag und Nacht offen steht, erfüllt seinen Zweck genauso wenig wie ein offenes Strohlager im Außenbereich, wo sich Fuchs und Hase (und Wildschwein) gute Nacht sagen. Unbefugtes Befahren oder Betreten des Betriebes kann man bereits mit Hinweisschildern und „leichten“ Absperrvorrichtungen wie Ketten oder Bändern steuern. Ausgewiesene „Besucherparkplätze“ sind ebenfalls sinnvoll, evtl. unter Angabe einer Telefonnummer, mit der Besucher sich anmelden können, wenn mal niemand zu Hause ist.

Die Kadaver außerhalb des Betriebes lagern

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Fahrzeuge der Kadaverabholung möchte eigentlich niemand direkt im Grau- oder gar Weißbereich des Betriebes sehen, besonders dann nicht, wenn Seuchengefahr besteht. Die Abholstellen sollten daher immer außerhalb des Betriebsgeländes eingerichtet werden. Der Platz sollte befestigt und gut zu reinigen sein, daher sollte ein Ablauf ins Güllelager angelegt werden. Weiterhin muss er wildtiersicher, am besten abschließbar, sein und eine Kühlung haben. Für Betriebe innerhalb der Ortschaft werden mittlerweile im Erdreich versenkbare Systeme angeboten.
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Auch beim Wechsel von der „äußeren zur inneren Biosicherheit“ gibt es v. a. an der Beschaffenheit der Hygieneschleuse immer wieder Beanstandungen. Der Zutritt zum Betrieb erfolgt nur über einen einzigen Eingang, an den idealerweise die Hygieneschleuse gekoppelt ist. Alle anderen Stalltüren sind von außen nicht zu öffnen. In der Schleuse wird die Straßenbekleidung abgelegt, strikt getrennt von der sauberen betriebseigenen Kleidung, die immer angelegt werden muss. Dies gilt z. B. auch für Handwerker, die zu Reparaturen oder Wartungsarbeiten in den Stallbereich müssen. Gerade „Fachfremde“ wissen nicht, wie sie sich in der Schleuse zu verhalten haben. Man sollte es sich und den Besuchern so leicht wie möglich machen. Entweder geht der Betriebsleiter mit gutem Beispiel voran oder man hängt in Augenhöhe kurze schriftliche Anweisungen auf.

Mit Seife gegen Viren und Bakterien

Der größte Feind von Bakterien und Viren sind schlicht Wasser und Seife. Daher gehört zur Minimalausstattung jeder Schleuse ein Handwaschbecken mit warmem Wasser, Seifenspender und sauberen, trockenen Handtüchern. Optional ist das zusätzliche Anbieten einer Händedesinfektion und von Einweghandschuhen zu sehen. Duschen ist der konsequenteste Weg, Personen zu „dekontaminieren“, aber nur, wenn neben betriebseigenen Overalls auch gleich Socken und Unterwäsche bereitgestellt werden. Selbstverständlich muss dann auch für Heizung, Warmwasser und Haartrocknung gesorgt werden.
Gehören verschiedene Stallgebäude zum Betrieb, die aber nur durch Queren von Grau- oder Schwarzbereichen erreichbar sind, sind entsprechend Schuhwechsel oder -reinigungen vor dem Betreten dringend notwendig. Jeder Stall bildet eine eigene epidemiologische Einheit. Die Stiefelwäscher sollten angeschlossen und funktionstüchtig sein. Desinfektionswannen müssen täglich frisch befüllt werden, damit eine Wirkung da ist. Außerdem ist eine Einwirkdauer von mindestens einer Minute am Stiefel einzuhalten.

Werkzeuge und Scanner desinfizieren

Problematischer sind die „unbelebten“ Dinge, die in den Betrieb gelangen können, weil man deren Risikopotenzial nicht unbedingt sofort erkennt. Alles, was neu und originalverpackt kommt, kann beispielsweise in der Schleuse entpackt werden, bevor es in den Stall gelangt.
Aber was ist mit Spezialwerkzeug von Handwerkern oder teuren technischen Geräten wie Scannern? Bei Letzteren erfüllen saubere Klarsichtbeutel und Kabelbinder sowie vorsichtiges Abwischen mit alkoholischen Desinfektionsmitteln ihren Zweck. Bei Werkzeug empfiehlt sich, zuvor ebenfalls eine Reinigung und Desinfektion durchzuführen.
Besamungsstationen arbeiten zum Beispiel mit Durchreichschleusen, in denen alle gelieferten oder mitgebrachten Utensilien zunächst einer UV-Bestrahlung zur Desinfektion unterzogen werden. Aber auch anderes Material kommt regelmäßig unter Umgehung der Schleuse auf den Betrieb. Hierzu zählen Getreide, Soja und natürliche Beschäftigungsmaterialien wie Stroh, Grünschnitt, Hölzer etc.

Nachdem bei ASP-Ausbrüchen Ernteverbote im Raum stehen können, sollte man sich auch hier gewisser Risiken bewusst sein. Wegen des trockenen und heißen Sommers sind leider manche Betriebe auf den Zukauf von Futter oder Einstreumaterial angewiesen. In der Vergangenheit wurde wegen der günstigen Preise gerne in den Balkanländern eingekauft. In Anbetracht der derzeitigen Situation sollte das gut überlegt werden.

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