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Kommentar

Almen in Gefahr?

Liegende Kuh vor Bergkulisse
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Max Riesberg, Wochenblatt
am
02.08.2018

Almwirtschaft: Die Bergregion ist ein besonders wertvoller Lebens- und Erholungsraum. Das wurde bei der 29. Internationalen Almwirtschaftstagung deutlich. Doch das Engagement der Bauern kann es nicht zum Nulltarif geben.

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Diese Woche habe ich ein Video auf mein Handy bekommen, in dem man ein Kalb auf der Alm sieht, das vom Wolf auf grausige Art und Weise zugerichtet, regelrecht angefressen wurde. Das Erstaunliche daran: Das völlig apathische Tier hat noch gelebt. Sein Schicksal war jedoch besiegelt, sein Hinterteil und die Bauchdecke völlig aufgerissen und zerfleischt. Sprachlosigkeit!

Weiters wird diese Woche gemeldet, dass ein Wolfsrudel am Elbdeich im Nordwesten Brandenburgs bei einer Schafherde zugeschlagen hat. Zwei Tiere fielen dem Beutezug zum Opfer. Das bemerkenswerte daran: Der Bauer wägte seine 300-köpfige Herde in der Obhut von Herdenschutzhunden in Sicherheit. Jetzt sind auch sie sprachlos. Ihr ernüchterndes Fazit lautet: „Wir halten immer schärfere Hunde und bauen immer höhere Zäune, aber das interessiert doch den Wolf nicht!“


Bei aller Euphorie bei einem Großteil der Bevölkerung über die Rückkehr von Wolf und Bär sei die durchaus berechtigte Frage erlaubt: Wo bleibt da der Tierschutz? Sind unsere Rinder, Schafe, Ziegen und Co. weniger wert als eine Handvoll gekreuzter Wolfsmischlinge, die sich in unseren Landschaftsstrukturen gar nicht mehr zurechtfinden können, wie auch Erfahrungen aus Nachbarländern zeigen.
Die Freiweide ist in Gefahr! Erste Bauern haben aus Angst ihre Tiere nicht mehr aufgetrieben oder wieder vom Berg geholt. Die Vorteile der Weidewirtschaft dagegen will jeder nutzen. Die Erholungssuche in den Bergen ist zur Massenbewegung geworden, gerade jetzt zur Ferienzeit.

Sprachlosigkeit ist keine Option. Es braucht Fürsprecher der Tierhaltung, der Weide- und Almwirtschaft, die klar Kante zeigen. Gut, dass Ministerin Kaniber den Wolf zu ihrem „Lieblingsthema“ erklärt hat. Doch es braucht noch mehr Rücken­deckung aus der Öffentlichkeit. Dann kann ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden.

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