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Aufs Huhn gekommen

Zehtbauer Auslauf
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Andrea Tölle, Wochenblatt
am
26.07.2017

Kröning - Familie Zehetbauer erzeugt seit sieben Jahren Bio-Eier. Seit zwei Jahren zieht sie ihre Legehennen selbst auf. Hinter dem neuen Betriebszweig steht die ganze Familie. Das Konzept überzeugt: So gab es schon den Nutztierwohl-Preis.

Zeherbauer

Vor acht Jahren stand Familie Zehetbauer vor der Entscheidung, wie sie ihren Betrieb mit 30 Stück Milchvieh weiterführen sollte. Sohn Johann hatte eine Ausbildung zum Bäcker absolviert, wollte aber weiter auf dem landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten. Schließlich ist er auch gelernter Landwirt. Dass es so wie bisher nicht weitergehen konnte war klar, denn die Kühe standen noch in einem Anbindestall.
Als er im Jahr 2009 im Wochenblatt las, dass die Erzeugergemeinschaft Die Biohennen weitere Legehennenhalter sucht, weckte das seine Neugier. Nachdem er sich gemeinsam mit seinem Vater über Legehennen informiert hatte, wurde noch im darauffolgenden Jahr für 300.000 € ein neuer Legehennenstall mit der Stalleinrichtung von Volito einschließlich Wintergarten und Auslauf gebaut. Bereits im Herbst 2010 wurden die ersten Eier vermarktet. Seitdem arbeitet Zehetbauer nur noch in Teilzeit in seinem Meisterberuf Bäcker. Schon Anfang 2010 waren die 30 ha Wiesen und Äcker auf bio umgestellt worden und der Betrieb war dem Biokreis Ostbayern beigetreten.

Eine Abnahmegarantie der Biohennen AG

Dass Familie Zehetbauer so viel Geld in die Hand genommen hat und in einen völlig neuen Betriebszweig eingestiegen ist, lag vor allem an der Abnahmegarantie der Biohennen AG.  Die Vermarktungsorganisation hatte sich verpflichtet, fünf Jahre lang das komplette Gelege der Herde zu einem festgelegten Preis abzunehmen. 80 % der durchschnittlich 2700 gelegten Eier/Tag liefert Zehetbauer an die Biohennen. Da die Zusammenarbeit mit der Biohennen AG so gut funktioniert, liefert Zehetbauer mittlerweile im siebten Jahr seine Eier an die AG.
2014 vollzogen Zehetbauers einen weiteren Schritt in der Geflügelhaltung: Mit viel Eigenleistung wurde der alte Anbindestall in einen Junghennen-Aufzuchtstall umgebaut. 2015 konnte bereits die erste selbst aufgezogene Herde aus diesem Stall in den Legestall umgestallt werden. Mittlerweile kann Zehetbauer auf seinen sechsten Aufzuchtdurchgang blicken. Die eigene Junghennenaufzucht bietet den Vorteil, dass die späteren Legehennen das vorhandene Aufstallungs- und Fütterungssystem kennen, das in beiden Ställen ähnlich ist. Das beginnt mit selbstgezimmerten A-Reutern, auf denen schon die Kleinsten die ersten Aufbaumversuche unternehmen können, und geht bis zu verschiedenen Volierenhöhen im Aufzuchtstall, die je nach Alter der Hühner genutzt werden können.
Das Konzept überzeugte auch das Landwirtschaftsministerium: Beim Nutztierwohl-Preis 2016 erhielt Familie Zehetbauer den 1. Preis. Die Jury lobte damals die eigene Junghennenaufzucht mit gut dimensioniertem Wintergarten und einer dem Legehennenstall ähnlichen Aufstallung, den Junghennentransport in selbst erdachten und selbst gebauten Transportkisten, die großzügigen Staub- und Sandbäder sowie den Wechselauslauf gegen „Hühnermüdigkeit“ des Bodens.

Immer frisches Grün ganz nah am Stall

Der Auslauf für die Legehennen ist 15 000 m² groß. Das sind 3000 m² mehr als nach den Bio-Richtlinien gefordert ist. Doch Johann Zehetbauer nutzt die überschüssige Fläche, um in Stallnähe abwechselnd Flächen einzuzäunen und mit Getreide nachzusäen. So haben die Hennen immer frisches Grün in Stallnähe. Je nach Wetter dürfen die Legehennen  ab 10 Uhr in ihren Auslauf. Die 3000 Tiere der Zehetbauers leben in einem 750 m² großen Stall. Umgerechnet kommen so vier Tiere auf einen m². Zusätzlich steht den Tieren noch ein Wintergarten mit Sandbadeplätzen zur Verfügung.
Die Junghennen werden als Eintagsküken im ehemaligen Kuhstall eingestallt. Bis sie circa zehn Tage alt sind leben sie im sogenannten Kükenring, einer begrenzten Bewegungsfläche für die Anfangszeit. Hier herrscht das optimale Stallklima für die Küken. Die Temperatur beträgt anfangs 33 °C und wird im Laufe der ersten Lebenstage gradweise reduziert. Seit einem Jahr wird der Stall über die eigene Hackschnitzelheizung warmgehalten, die auch für Wärme im Wohnhaus sorgt.
Nach zehn Tagen wird der Kükenring geöffnet und den Tieren steht die gesamte Stallgrundfläche zur Verfügung. Dabei sind Futter und Wasser immer erhöht, wie es auch später im Legehennenstall der Fall ist. Die Fütterung erfolgt in Futterrinnen. So werden die Tiere gleich darauf vorbereitet, später aus der Futterkette zu fressen. Schon ab der vierten Lebenswoche können die Tiere in die Voli-
ere. Ab der sechsten Lebenswoche erhalten die Junghühner Körner in die Einstreu, erst Weizen, später Hafer.
 

Zu viel Spielzeug schadet eher

Eingestreut ist mit Stroh und Sand. Das dient ebenso der Beschäftigung wie die Pickblöcke und die Luzerneballen, die Zehetbauer ab der zweiten Lebenswoche in den Stall stellt. Mehr gibt es erst einmal nicht. „Ich will ja nicht, dass die Tiere sich fühlen wie Kinder in einem Zimmer voller Spielzeug und nicht wissen, was sie machen sollen“, meint der 38-Jährige. Und schließlich möchte er für eventuelle Notfälle noch interessante Objekte parat haben. Doch etwas Beschäftigungsmaterial brauchen die Junghennen schon in der Aufzucht. Sonst lernen sie nicht, damit umzugehen. Je nach Jahreszeit dürfen die Junghennen im Alter von sechs bis zehn Wochen in den Wintergarten. Dort stehen ihnen Staubbäder aus Gesteinsmehl und Sand zur Verfügung. Während der Aufzucht gilt ein Impfprogramm, das gemeinsam mit dem Tierarzt erarbeitet wurde. Ein Lichtprogramm ist nur bedingt möglich, weil im Stall Tageslicht herrscht. In der Aufzucht darf ein Lichttag nie verlängert, in der Legephase nie verkürzt werden. Die derzeit 16 Stunden Tageslicht werden im Laufe der Aufzucht, die bis Oktober dauern wird, auf 12 Stunden verkürzt werden. Je nach dem Zustand der Junghennen wird Zehetbauer dann ein spezielles Lichtprogramm fahren, damit die Hühner mit 19 Wochen anfangen zu legen. Nach 17 bis 18 Wochen ziehen die Junghennen in den Legehennenstall um.
Für den Umzug stehen drei selbst gebaute Transportwagen zur Verfügung, die den Hühnern einen weitgehend stressfreien Umzug garantieren. Hier werden die Hennen durch großzügige Öffnungen von oben in die Kisten gesteckt. Im Legehennenstall können die Kisten von beiden Seiten geöffnet werden. Schonend für die Tiere ist auch, dass der Umzug nachts erfolgt. Dann kann man die Junghennen einfach von den Sitzstangen sammeln. Zwei Fänger geben die Tiere weiter an zwei Träger. Bevor sie in die Kisten gesteckt werden, erhalten die Hühner im Vorraum durch einen Tierarzt noch eine

Nadelimpfung in die Brust.

Viel Wert legt Familie Zehetbauer auf Hygiene. So sind beide Stallungen getrennt und haben eigene Schmutzschleusen sowie eigene Schuhe und Arbeitskleidung. Zudem betritt man den Vorraum des Junghennenstalls über eine Desinfektionsmatte. Auch bei der Fütterung wird auf Hygiene geachtet. So lange die Küken das Futter noch per Hand zugeteilt bekommen, wird der Schubkarren im Vorraum des Stalles aus dem Futterrohr befüllt. So muss man den Schubkarren nicht über den halben Hof zu den Futtersilos fahren.

Tägliche Futter- und Wasserkontrolle

Mehrmals täglich wird der Legehennenstall auf die Futter- und Wasserversorgung hin kontrolliert. Der Futterverbrauch wird über Wiegezellen gemessen, die Wasserversorung über eine Wasseruhr, die auf den Liter genau misst. Außerdem gibt Zehetbauer täglich effektive Mikroorganismen aufs Futter. Das soll die Darmflora der Hühner gesund halten. Fünfmal täglich sieht Zehetbauer im Stall nach dem Rechten. Die Legehennen bekommen zehn bis 15 % ihrer Tagesration als Körner in die Einstreu. Abwechselnd werden Weizen, Erbsen-Hafer oder Triticale verwendet. Das sorgt ebenso für Beschäftigung wie Picksteine, Luzerneblöcke und Strohballen.
Die Legeleistung beträgt in der Spitze circa 96 % und fällt dann langsam ab. Derzeit beträgt die Legeleistung 92 %. „Wichtig ist hier der Verlauf der Leistungskurve, nicht nur die Leistungsspitze“, erklärt Zehetbauer. Der Kurvenverlauf muss gleichmäßig sein.

Ein Lebensende bei Hobbyhaltern

Nach rund einem Jahr werden die Tiere ausgestallt. Die meisten von ihnen kommen zu privaten Hobbyhaltern, ein Teil wird ab Hof als küchenfertiges Suppenhuhn vermarktet. Der Rest wird über den Schlachthof vermarktet. Wenn der Stall leer ist, wird der Mist herausgefahren und der Stall besenrein gemacht. Dann wird ein paar Tage lang mit Wasser und Hochdruckreiniger gewaschen. Nachdem die Stallungen abgetrocknet sind, werden sie von Johann Zehetbauer und seinem Vater desinfiziert.
Für diese Reinigung nehmen sich die beiden im Legehennenstall 14 Tage und im Aufzuchtstall sieben bis zehn Tage Zeit. „Unser Tierarzt hat uns mal gesagt, dass man das Geld in der Legehennenhaltung in der Leerstandszeit verdient“, erklärt Zehetbauer.
Ideen für die Zukunft gibt es genug. So hat Johann Zehetbauer bereits die Fortbildung zum Erlebnisbauer besucht. Eventuell könnte er sich auch eine weitere Legehennengruppe vorstellen.
„Der Betriebszweig passt auf alle Fälle. Ich kann meinen Betrieb guten Gewissens herzeigen und vertreten“, meint Johann Zehetbauer. Der 38-Jährige ist überzeugt, dass die Entscheidung richtig war. Die vorhandene Bausubstanz konnte genutzt werden, und eine Flächenzupacht ist nicht notwendig.

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